Wohnungskonzern Grand City Properties verdient mehr – und macht Verlust

Foto: Bildagentur PantherMedia / bitpics
Die Mieten steigen, aber der Wert von Wohnimmobilien sinkt (Symbolbild).

Höhere Finanzierungskosten machen Grand City Properties wie der gesamten Branche zu schaffen. Aufgrund des schwierigen Umfelds für Immobilienverkäufe wertete das mehrheitlich zu Aroundtown gehörende Unternehmen sein Portfolio ab. Die Mieteinnahmen indes stiegen kräftig.

Während der Immobilienkonzern dank einer starken Nachfrage nach Wohnraum in den ersten sechs Monaten mehr mit Mieten einnehmen konnte, drückten die Finanzierungskosten auf den operativen Gewinn (FFO1). Unter dem Strich fiel im ersten Halbjahr ein Verlust im dreistelligen Millionenbereich an. Für das laufende Jahr wird das Unternehmen aber für den operativen Gewinn zuversichtlicher.

Die Nettomieteinnahmen zogen im ersten Halbjahr insgesamt um fünf Prozent auf rund 204 Millionen Euro an, wie das im SDax notierte Unternehmen mitteilte. Der Großteil des Anstiegs stammt aus Mietsteigerungen, aber auch aus einem niedrigeren Leerstand. Allerdings drückten vor allem höhere Finanzierungskosten auf das operative Ergebnis: Der FFO1 ging in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um drei Prozent auf 94 Millionen Euro zurück.

Im Gesamtjahr peilt Unternehmenschef Refael Zamir nun – nicht zuletzt wegen eines höheren Mietwachstums – einen operativen Gewinn von 175 bis 185 Millionen Euro an. Zuvor hatte er bestenfalls 180 Millionen Euro anvisiert, nach 192 Millionen Euro im Vorjahr. Damit plant der Unternehmenschef auch mit einer höheren Dividende. Sie soll nun 76 bis 80 Cent betragen, nach bislang geplanten 74 bis 78 Cent. Für das Jahr 2022 hatte der Konzern die Dividende komplett gestrichen.

Weitere Abwertung des Portfolios nicht unwahrscheinlich

Unter dem Strich machte der Immobilienkonzern im ersten Halbjahr wegen einer niedrigeren Neubewertung des Immobilienbestands einen Verlust von fast 402 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte Grand City Properties noch einen Gewinn von knapp 234 Millionen Euro ausgewiesen.

Auch für das zweite Halbjahr hält Verwaltungsratschef Christian Windfuhr eine weitere Abwertung des Portfolios unter den gegebenen Marktbedingung für nicht unwahrscheinlich. Wie hoch genau, sei schwierig zu prognostizieren. „Wir hoffen natürlich, dass es noch weniger als im ersten Halbjahr sein wird“, sagte er der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Höhe der Abwertung hänge davon ab, wie sich die Zinsen, der Transaktionsmarkt und die Mieten entwickelten.

Im Blick hat der Konzern – wie auch andere Unternehmen aus der Branche – vor allem seine Verschuldung und verkauft deshalb Immobilien. Im ersten Halbjahr habe Grand City Properties Wohnungen im Wert von 250 Millionen Euro veräußert, rund drei Prozent unter dem Buchwert, teilte das Unternehmen weiter mit. Dabei habe es sich größtenteils um ältere Objekte in London und Nordrhein-Westfalen gehandelt. Die Gesamtschulden des Konzerns stiegen bis Ende Juni dennoch auf 5,3 Milliarden Euro, von 5,2 Milliarden Ende 2022.

Fremdkapitalkosten noch niedrig

Zudem wurden seit Jahresbeginn den Unternehmensangaben zufolge Verträge zum Verkauf von weiteren Wohnungen im Wert von 130 Millionen Euro unterzeichnet. Es handele sich um Immobilien in Nordrhein-Westfalen, Berlin, Dresden, Leipzig, Halle und einige wenige in London, erläuterte Windfuhr. Sie müssten nur noch ins Grundbuch eingetragen werden.

Das Unternehmen will sich aber noch von weiteren Immobilien trennen: Es stünden im Augenblick weitere Immobilien mit einem Volumen von 200 Millionen Euro zum Verkauf, sagte Windfuhr. Das Management hoffe, dass es die Immobilien innerhalb der nächsten 12 Monate los wird. Es gebe aber keinen Zeitdruck. Die Immobilien sollen möglichst nah an ihrem Buchwert verkauft werden. „Alles, was wir haben, kann verkauft werden, wenn wir den richtigen Preis bekommen“, fügte er hinzu.

Die Kosten für Fremdkapital blieben für das Unternehmen mit 1,6 Prozent per Stand Juni 2023 niedrig, bei einer durchschnittlichen Laufzeit von 5,7 Jahren, hieß es. Der Konzern verfüge über Barmittel und liquide Mittel, die die Fälligkeiten der Schulden bis zum zweiten Quartal 2026 abdeckten.

Grand City Properties ist mit seinen rund 63.400 Wohnungen insbesondere in dicht besiedelten Gebieten Deutschlands aktiv, so etwa in Berlin, Nordrhein-Westfalen, in der Region Halle-Leipzig-Dresden sowie im Rhein-Main-Gebiet. Zudem ist Grand City Properties unter anderem auch in Metropolen wie London und München vertreten. Größter Aktionär ist der Gewerbeimmobilienkonzern Aroundtown, der 60 Prozent am Unternehmen hält. (dpa-AFX)

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