Die Menschen investieren zunehmend in Gesundheit – aber beim Thema Arbeitskraftabsicherung bleibt vieles halbherzig. War 2025 beim BU-Schutz endlich ein Umdenken erkennbar oder bleibt es bei Lippenbekenntnissen?
Sallmann: Es gibt ja hierzulande eine umfassende Absicherung gegen Krankheiten über die gesetzlichen Krankenkassen und die PKV. Anders sieht es mit der freiwilligen Nutzung von Angeboten zur Absicherung gegen die Berufsunfähigkeit aus. Wie verschiedentlich publiziert wurde, ist die Bereitschaft, sich gegen den Verlust der Arbeitskraft abzusichern, gestiegen, doch leider folgen der guten Absicht keine Taten. Es wäre wünschenswert, wenn nach der aktuellen Stagnationsphase die Zahl der Abschlüsse wieder steigen würde. Bei einer Marktdurchdringung unter 30 Prozent besteht ein volkswirtschaftlicher Bedarf nach einer deutlichen Zunahme.
Die BU ist seit Jahren ein Standardprodukt – trotzdem stagniert die Durchdringung. Ist die BU schlicht zu teuer geworden, oder hat die Branche es nicht geschafft, sie richtig zu vermitteln?
Sallmann: Wir sehen die Hauptursache nicht in den meisten der genannten Punkte, sondern in der Kostensituation. Gerade junge Menschen müssten unbedingt eine BU-Versicherung abschließen, aufgrund vielfältiger anderer finanzieller Belastungen fehlt ihnen aber oft schlicht das Geld. Einen bestechenden Ausweg bietet hier unsere Schüler-BU. Der Schüler-Status mit seinen sehr günstigen Beiträgen bleibt dann für das ganze Berufsleben erhalten.
Für körperlich Tätige wird BU oft unbezahlbar oder gar nicht mehr zugänglich. Ist die BU damit faktisch längst ein Produkt für Akademiker und Bürojobber?
Sallmann: Hier sprechen Sie ein schwieriges Problem an. Der Konflikt zwischen einem hohen beruflichen Risiko und einer bezahlbaren Absicherung gegen den Verlust der Arbeitskraft ist kaum lösbar. Wir empfehlen in solchen Fällen den Abschluss einer Unfallversicherung. Wir als InterRisk halten dafür Angebote bereit, die von Maklern bei repräsentativen Umfragen als die besten im deutschen Markt bewertet werden.
Die betriebliche BU wird oft als Schlüssel zu mehr Absicherung gefeiert. Ist das tatsächlich ein realistischer Hebel oder bleibt das am Ende ein Nischenmodell?
Sallmann: Die bAV mit integriertem BU-Schutz halten wir für eine sehr gute Einrichtung. Als InterRisk bieten wir sie allerdings nicht an.
Schüler- und Azubi-BUs boomen. Ratinghäuser sehen die Entwicklung kritisch. Bieten Sie auch Tarife für die Zielgruppe an?
Sallmann: Vor einigen Monaten haben wir bei der InterRisk die von mir bereits erwähnte attraktive Schüler-BU auf den Markt gebracht. Wir empfehlen den Schülern (resp. ihren Eltern oder Großeltern) vor dem Abitur den Abschluss einer solchen Versicherung mit einer monatlichen Rente von größenordnungsmäßig 1.500 Euro. Diese Summe kann später im Laufe des Berufslebens bedarfsgemäß erhöht werden. Hierfür stehen vielfältige Nachversicherungsgarantien zur Verfügung, wodurch die Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung auf bis zu 3.000 Euro monatlich erhöht werden kann. Auch kann eine Beitragsdynamik – bis zum 30. Lebensjahr – oder eine Leistungsdynamik vereinbart werden. Eine wie auch immer geartete Unterversicherung ist damit nicht zu befürchten.
Der Markt verändert sich zunehmend, die Grundfähigkeitsversicherung gewinnt an Zuspruch. Ist das eine sinnvolle Ergänzung – oder am Ende nur ein Ersatzprodukt zweiter Klasse? Wie sieht Ihr Ansatz hier aus?
Sallmann: Im Interesse unserer Kunden setzen wir als InterRisk ausschließlich auf die klassische BU-Versicherung. Sie deckt alle einschlägigen Risiken und Ursachen ab. Dadurch gewinnen unsere Kunden vollumfängliche Sicherheit. Die Grundfähigkeitsversicherung stellt dagegen nur eine Ausschnittsdeckung dar, die im Zweifelsfall nicht greift. In verschiedenen Veröffentlichungen aus jüngerer Zeit wurde ihr daher der Status einer vollwertigen Arbeitskraftabsicherung (AKS) nicht zuerkannt.
Wird die Grundfähigkeitsversicherung künftig eine echte Säule der Arbeitskraftabsicherung – oder bleibt sie aus Ihrer Sicht ein Notbehelf für Menschen, die keine BU mehr bekommen?
Sallmann: Die Grundfähigkeitsversicherung ist keine eigenständige Säule der Arbeitskraftabsicherung, sondern lediglich eine – unvollkommene – Ergänzung zur klassischen BU-Versicherung. Aufgrund ihres vergleichsweise günstigen Preises wird sie weiterhin einen gewissen Marktanteil behalten.
Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung wäre für viele Handwerker naheliegend, spielt aber kaum eine Rolle. Wird dieses Produkt vom Markt unterschätzt – oder scheitert es schlicht am fehlenden Vertriebswillen?
Sallmann: Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung halten wir, auch wegen ihrer im Vergleich zur BU günstigeren Prämien, für eine gute Alternative für handwerklich tätige Personen. Sie leidet allerdings an Akzeptanzproblemen im Vertrieb und besonders in der Maklerschaft. Als reiner Maklerversicherer bieten wir sie daher nicht an. Alternativ verweisen wir auf unsere Unfallversicherung.














