Eigenheim als Kapitalanlage verdient mehr Beachtung

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Der Traum vom Eigenheim und dessen Erfüllung gilt den meisten Menschen als Krönung der beruflichen und privaten Ambitionen. Im Alter gewinnt die eigene Immobilie sogar noch mehr an Bedeutung – als Rückzugsort, Statussymbol, Hort der Erinnerungen an ein erfülltes Familienleben.

Was dabei überrascht: Viele Senioren haben gar nicht so sehr im Blick, dass es sich beim Immobilieneigentum auch um eine stabile Kapitalanlage für den Ruhestand handelt. Insbesondere in den vergangenen Jahren hat der Wohnimmobilienmarkt schließlich einen wahren Boom erlebt, der sich auch durch die Coronakrise bislang nicht abbremsen oder gar stoppen ließ – im Gegenteil. Gerade vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussion um die Sicherheit der Renten verwundert daher, dass die Immobilie von dieser demografischen Gruppe eher selten als Finanzanlage gesehen wird.

Marian Kirchhoff, Deutsche Teilkauf GmbH

Wertsteigerungspotenziale von Immobilien werden unterschätzt

Unserer repräsentativen Umfrage zufolge, die wir gemeinsam mit YouGov umgesetzt haben, ist sich nur ein eher geringer Anteil der älteren Menschen dieses Vermögens beziehungsweise der damit einhergehenden Wertsteigerungspotenziale bewusst. Rund 40 Prozent der befragten Senioren gaben an, dass sie die Wertsteigerung ihrer Immobilie als nicht so wichtig erachten – und das in Zeiten, in denen sich die private Altersvorsorge aufgrund der rekordniedrigen Zinsen kaum noch rentiert.

Anders sieht es hingegen bei der nächsten und übernächsten Generation aus: Etwa die Hälfte der befragten Senioren geht davon aus, dass ihre Erben an der Wertsteigerung der Immobilie interessiert sind.

Hier muss Aufklärungsarbeit geleistet werden. Schließlich zeichnet sich ab, dass wir noch eine ganze Weile mit dem Niedrigzinsumfeld zu tun haben werden. Gerade vor dem Hintergrund, dass viele Menschen fürchten, sich im Alter finanziell einschränken zu müssen, muss viel mehr der Fokus auf alternative Finanzierungswege gelegt werden. Wohnimmobilien haben sich in der Vergangenheit als alternative Anlage bewährt, was sich in der imposanten Wertentwicklung an den Märkten widerspiegelt.

Warum also nicht auch als Rentner davon profitieren? Verständlich ist allerdings, dass kaum ein Immobilieneigentümer aus Geldnot aus seinem geliebten langjährigen Zuhause ausziehen möchte, wie es beim klassischen Hausverkauf der Fall ist.

Hinzu kommt, dass insbesondere für ältere Menschen dem Leben im Eigenheim eine erhöhte Bedeutung zukommt. Rund 90 Prozent der befragten Senioren wollen einen späten Umzug, etwa ins Pflegeheim, unbedingt vermeiden – nachvollziehbar, schließlich sind die eigenen vier Wände das Sinnbild der eigenen Lebensleistung. Was viele allerdings nicht wissen: Auch ein selbst bewohntes Haus kann zur liquiden Kapitalanlage werden – und sollte viel öfter dergestalt genutzt werden.

Immobilienvermögen verflüssigen – ohne Auszug

Was zunächst nach Paradoxon klingt, kann auf unterschiedliche Weise in die Realität umgesetzt werden: Es gibt mittlerweile mehrere Optionen, das in der Immobilie gebundene Vermögen freizusetzen, ohne ausziehen zu müssen – beispielsweise die zahlreichen Verrentungsmodelle oder den Immobilien-Teilverkauf.

Während Erstere darauf basieren, dass Immobilienverkäufer den Kaufpreis in Form von Rentenzahlungen bis an ihr Lebensende erhalten und dabei ein lebenslanges Wohnrecht genießen, veräußern Teilverkäufer lediglich einen Anteil ihrer Immobilie gegen den sofortigen Erhalt ihres Wunschbetrags. Zu Hause wohnen bleiben können Letztere auf Basis des lebenslangen Nießbrauchrechts. Und da Teilverkäufer stets mindestens die Hälfte ihrer Immobilie im Besitz behalten, sind sie an deren weiteren Wertsteigerung beteiligt.

Diese Angebote peilen in der Regel vor allem Senioren an. So ist gegeben, dass gerade ältere Menschen die Möglichkeit haben, von ihrem Immobilienvermögen zu profitieren, ohne ihr Zuhause verlassen zu müssen. Gerade wer sich eine gewisse finanzielle Freiheit im Ruhestand erhalten will, sollte sich also verstärkt des Betongolds unter seinen Füßen bewusstwerden.

Es ist aktuell nicht davon auszugehen, dass der Boom am Wohnimmobilienmarkt ein baldiges Ende finden wird. Im Zuge der Coronakrise hat Wohneigentum nochmal an Bedeutung gewonnen, schlicht und einfach deswegen, weil die meisten Menschen sich zurzeit so viel zu Hause aufhalten wie nie zuvor.

Zudem ist aufgrund der verschiedenen konjunkturellen Hilfspakete davon auszugehen, dass die Zinsen auf Sicht weiterhin niedrig und Finanzierungsangebote damit so günstig wie nie zuvor bleiben dürften. Während es sich also gleichzeitig noch nie so sehr gelohnt hat, sich eine eigene Immobilie zuzulegen, war es zugleich noch nie so rentabel, bereits eine zu besitzen.

Autor Marian Kirchhoff ist Geschäftsführer Deutsche Teilkauf GmbH.

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