21. Dezember 2012, 09:30
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„Wir rechnen spätestens Mitte 2014 mit einer Anmeldungswelle“

Cash hat mit Jörn Le Cerf, stellvertretender Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Börse der Handelskammer Hamburg und Walter Dening, Referent im Geschäftsbereich Börse, über Inhalte und Organisation der Sachkundeprüfung zum Finanzanlagenvermittler gesprochen. Jörn Le Cerf, Handelskammer Hamburg

Jörn Le Cerf, Handelskammer Hamburg

Cash.: Wie genau ist der schriftliche Teil der Sachkundeprüfung aufgebaut? Handelt es sich um einen Multiple-Choice-Test?

Le Cerf: Es ist ein Online-Test, der sowohl Mulitple-Choice-, als auch Single-Choice-Fragen sowie einzelne Rechenaufgaben beinhaltet und bundesweit zeitgleich stattfindet. Der Online-Test hat den Vorteil, dass direkt im Anschluss an die Prüfung die Ergebnisse vorliegen.

Die Prüfung findet in Hamburg an drei bis vier Prüfungsstandorten statt, je nachdem wie viele Teilnehmer angemeldet sind. Die Teilnehmer erhalten vorher per Post einen personalisierten Log-In-Code für den Test und müssen sich am Prüfungsort ausweisen. Andere IHKs führen die schriftliche Prüfung aber auch als Papierversion durch.

 

Cash.: Für die Sachkundeprüfung gibt es bundeseinheitliche Termine. Sind die Prüfungen auch inhaltlich im gesamten Bundesgebiet identisch?

Dening: Es wurde zunächst ein Fragen-Pool von einem dafür berufenen Ausschuss entwickelt, wobei jede der Fragen nach ihrem Schwierigkeitsgrad bewertet wurde. Vor jeder Prüfung wird dann ein bundeseinheitlicher Katalog aus diesem Pool zusammengestellt, der das gleiche Schwierigkeitsniveau hat wie bei den anderen Prüfungen.

 

Cash.: Wie viele Aufgaben umfasst die Prüfung? Wie viel Zeit hat der Prüfling zur Beantwortung der Fragen?

Le Cerf: Der schriftliche Teil ist in vier Bereiche aufgeteilt. Der allgemeine Teil umfasst Kenntnisse in der Kundenberatung und fachliche Kenntnisse über Beratung und Vertrieb von Finanzanlageprodukten. Den allgemeinen Teil müssen alle Prüfungsteilnehmer ablegen.

Zur Beantwortung der 20 Aufgaben stehen 30 Minuten zur Verfügung. Die Spezialisierungsbereiche fragen dann fachliche Kenntnisse, insbesondere über rechtliche Grundlagen und steuerliche Aspekte von Investmentfonds, geschlossenen Fonds und sonstigen Vermögensanlagen ab. Hier gibt es pro Bereich 30 Fragen, für die der Prüfling 45 Minuten Zeit hat.

Die Gesamtprüfung dauert damit 165 Minuten für alle drei Kategorien, bei Beschränkung auf eine beziehungsweise zwei Kategorien entsprechend kürzer. Üblicherweise werden ein oder zwei kleinere Pausen eingelegt. Bestanden ist die Prüfung, wenn mindestens die Hälfte der Punktzahl erreicht wurde.

 

Cash.: Wie läuft die praktische Prüfung ab?

Dening: Um zur praktischen Prüfung zugelassen zu werden, muss zunächst der schriftliche Teil bestanden worden sein. Dann findet am nächsten Tag der praktische Prüfungsteil statt. Dieser Prüfungsteil ist die Simulation eines Kundengesprächs, indem der Teilnehmer die Fähigkeit nachweisen soll, kundengerechte Lösungen zu entwickeln.

Hierbei wird von einem dreiköpfigen Prüfungsausschuss bewertet, ob der Berater die Situation des Kunden richtig erfasst, eine adäquate Lösung erarbeitet und auch die Formalien, wie etwa die Informationspflicht, einhält. Der Prüfling erhält eine Fallvorgabe und darf seine Beratungstools und -materialien, wie beispielsweise sein Notebook mitbringen.

Einer der Prüfer übernimmt in der Prüfung die Rolle des Durchschnittskunden und stellt für das Kundengespräch typische Fragen. Für die mündliche Prüfung sind 20 Minuten vorgesehen zuzüglich einer Vorbereitungszeit von circa 20 Minuten.

 

Cash.: Wie setzt sich der Prüfungsausschuss zusammen?

Le Cerf: Nach Vorgabe des Gesetzgebers müssen die Prüfer fachkundig, mit der aktuellen Praxis der Finanzanlagenvermittlung aus eigener Erfahrung vertraut und für die Mitwirkung im Prüfungswesen geeignet sein. Unsere Prüfer sind selbst langjährig als Vermittler, Trainer oder Dozenten in diesem Bereichtätig.

Die Prüfer werden von den IHKs berufen, nachdem sie ihr Interesse an dieser Aufgabe bekundet haben und die gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Um die Prüfer vorzubereiten, veranstalten wir Schulungen. Die Prüfer arbeiten ehrenamtlich und erhalten eine kleine Aufwandsentschädigung.

 

Jörn Le Cerf, Handelskammer Hamburg

Walter Dening, Handelskammer Hamburg

Cash.: Wie hoch sind die Gebühren für schriftliche und mündliche Prüfungsteile?

Dening: Die Gebühren für die gesamte Sachkundeprüfung liegen in Hamburg zwischen 320 und 380 Euro. Wird nur der schriftliche Prüfungsteil abgelegt, kostet das 220 bis 250 Euro. Bei anderen IHKs können die Gebühren etwas differieren.

 

Cash.: Wie viele Teilnehmer haben an der ersten Prüfung am 12. Dezember teilgenommen?

Le Cerf: Die Teilnehmerzahl der ersten Prüfung ist unserer Meinung nach nicht repräsentativ. Wir haben den Termin als einen Probelauf betrachtet.

 

Cash.: Können Sie denn sagen, welche Teilbereiche jeweils abgelegt wurden?

Dening: Alle Teilnehmer des ersten Prüfungsdurchgangs haben eine Zulassung für Investmentfonds angestrebt. Da die Teilnehmer allesamt Versicherungsvermittler waren, wurden keine mündlichen Prüfungen durchgeführt.

Denn der praktische Teil der Sachkundeprüfung muss nicht abgelegt werden, wenn eine auf Investmentvermögen beschränkte Prüfung abgelegt wird und der Gewerbetreibende eine Erlaubnis nach Paragraf 34d oder 34e Gewerbeordnung hat oder die Sachkundeprüfung als Versicherungsvermittler/-berater absolviert hat.

Dies gilt auch, wenn er einen gleichwertigen Abschluss besitzt oder eine Folgeprüfung zur Erweiterung einer beschränkten Erlaubnis ablegt.

 

Cash.: Sind Sie mit dem Ablauf der Prüfungen zufrieden?

Le Cerf: Es hat alles sehr gut geklappt und wir fühlen uns gut für die kommenden Prüfungstermine aufgestellt.

 

Cash.: Wann ist der nächste Prüfungstermin?

Dening: Der nächste Prüfungstermin in Hamburg ist der 20. März 2013. Informationen zur Sachkundeprüfung, Prüfungstermine, den Zugang zu einer Testprüfung und die Möglichkeit zur Online-Anmeldung finden Interessierte auf unserer Website.

 

Cash.: Wie viele Teilnehmer erwarten Sie zu den nächsten Prüfungsterminen?

Le Cerf: Wir rechnen mit 500 bis 600 Teilnehmern jährlich. In Hamburg gibt es momentan schätzungsweise zwischen 3.500 und 4.000 34c-Vermittler. Das wird zunächst aufgrund der gesetzlichen Übergangsfrist langsam anlaufen.

Wir rechnen aber spätestens Mitte 2014 mit einer stärkeren Anmeldungswelle, da 34c-Inhaber, die nicht von der Alte-Hasen-Regelung profitieren, bis Ende 2014 ihre Sachkunde nachweisen müssen.

 

Interview: Julia Böhne

Foto: Handelskammer Hamburg

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