Honorarberatung: Vergütung im Visier

Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) e.V., hingegen betont indes die historischen Besonderheiten und die Eigenständigkeit des deutschen Vermittlermarktes. Er beurteilt den europäischen Einfluss auf den deutschen Beratungsmarkt dementsprechend anders: „Wir glauben nicht, dass der Trend für Deutschland richtungsweisend ist. Die Mitgliedstaaten in der Europäischen Union sind trotz zahlreicher Vereinheitlichungen und Integration auf gesetzgeberischer und politischer Ebene noch immer ziemlich nationalstaatlich geprägt, mit nationalgeschichtlich geprägten Marktbesonderheiten. Dazu gehört in Deutschland seit über 150 Jahren die Versicherungsvermittlung auf Provisionsbasis.“

Obwohl Politik und Verbraucherschützer auch in Deutschland die Honorarberatung fördern und sie als Alternative zur provisionsvergüteten Beratung etablieren wollen, steht eine gesetzliche Regelung noch aus. Bereits im Juni 2009 wies das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) im „Thesenpapier zur Qualität der Finanzberatung und Qualifikationen der Finanzvermittler“ auf den gesetzlichen Regelungsbedarf bei der Honorarberatung hin. Seit das BMELV im Juli 2011 sein Eckpunktepapier zur gesetzlichen Regelung der Honorarberatung vorgelegt hat, ist die Diskussion über die provisionsunabhängige Beratung neu entbrannt.

Opposition fordert Regelung noch in dieser Legislaturperiode

Trotzdem ist seither auf der bundespolitischen Ebene wenig geschehen. Die SPD-Bundestagsfraktion unterstrich daher im Dezember durch den Antrag „Verbraucherschutz stärken – Honorarberatung etablieren“ die ihrer Meinung nach bestehende Dringlichkeit einer gesetzlichen Regelung.

Während der durch den SPD-Antrag angeregten Bundestagsdebatte im Januar zeigte sich, dass alle Fraktionen die gesetzliche Regelung der Honorarberatung zur Schaffung einer Alternative zum Provisionsmodell unterstützen. In Detailfragen zeigen sich jedoch gegensätzliche Positionen. Während die Bundesregierung mahnt, man müsse die Entwicklungen auf europäischer Ebene beobachten und dürfe keine voreiligen Festlegungen treffen, drängt die Opposition auf eine Umsetzung noch in dieser Legislaturperiode.

Seite drei: Branche unterstützt gesetzliche Regulierung

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