Kundenakquise: Kreativität ist Trumpf

Wenn Sie nur das tun, was Sie immer schon getan haben, werden Sie auch nur das erreichen, was Sie immer schon erreicht haben. So weit, so bekannt. Doch eingefahrene Gleise zu verlassen ist nicht einfach. Wagen Sie außergewöhnliche Formen der Kundenakquise.

Die Rankel-Kolumne

Kreativität
“Das Wesen der Kreativität besteht darin, eigene Wege zu gehen und nicht einfach jemand anderen nachzuahmen. ”

Vor kurzem wäre ich in der Nähe einer gerade angesagten Bar fast über einen Klumpen Gold gestolpert. Zumindest sah es auf den ersten Blick so aus. Als ich mich bückte, stellte ich fest, dass jemand einen großen Kiesel mit Goldfarbe lackiert hatte.

Zu verrückt? Zu aufwändig? Clever!

Auf der Rückseite des flachen Steins klebte ein sorgfältig gestalteter laminierter Zettel: „Noch mehr Gold und schönen Schmuck finden Sie bei …“, gefolgt von der Adresse eines Juweliers.

In der nächsten halben Stunde beobachtete ich rund zwei Dutzend Passanten, die Goldsteine aufhoben und umdrehten. Die meisten mussten grinsen und haben sicherlich zu Hause von ihrem Goldfund erzählt.

Und der ein oder andere wird sich beim nächsten Geschenkekauf an den fantasievollen Goldschmied erinnert haben. Verrückt? Zu aufwändig? Ich finde es schlicht clever, auf diese Weise in einer Gegend mit hoher Kaufkraft auf das eigene Angebot aufmerksam zu machen. Die Investitionskosten dürften die eines Inserats in der örtlichen Tageszeitung kaum übersteigen.

Kreativität bedeutet, eigene Wege gehen

Generelle Tipps für kreative Formen der Kundenansprache zu geben ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Das Wesen der Kreativität besteht ja gerade darin, eigene Wege zu gehen und nicht einfach jemand anderen nachzuahmen. Die folgenden Beispiele dienen also vor allem dazu, Ihre Fantasie zu beflügeln.

Der junge österreichische Winzer Leo Hillinger hat mich mit einer ungewöhnlichen Akquise-Strategie beeindruckt. Er geht regelmäßig in ausgesuchten Restaurants essen, die von der Zeitschrift „Feinschmecker“ prämiert wurden.

Ab dem dritten Gang beginnt er mit dem Kellner über Wein zu fachsimpeln. Spätestens beim fünften Gang fragt er, „Warum haben Sie eigentlich keinen Hillinger auf der Karte?“ Anhand der folgenden Bestellungen kann er nachvollziehen, wie wirksam diese Undercover-Strategie ist.

Und inzwischen wirbt er damit, dass ein Drittel aller Feinschmecker-Restaurants Hillinger-Weine anbietet. Diese Vorgehensweise hat sich als wirksamer erwiesen als herkömmliche Werbeaktionen mit hohen Streuverlusten.

Gewitztheit keine Frage der Branche

Gewitztheit ist keine Frage der Branche. Als ich vor einigen Jahren von Starnberg in die Münchener Innenstadt zog, fand ich eines Abends an meiner Appartementtür einen Klinkenhänger, wie Sie ihn aus Hotels kennen.

Statt „Bitte nicht stören“ war darauf zu lesen: „Bitte entschuldigen Sie die Störung! Ihr Nachbar macht sich gerade das Leben schöner, und wir helfen ihm dabei!“ Darunter war die Adresse eines Schreinermeisters aufgedruckt. Eine sympathische Aktion, die das Thema Renovieren in ein neues Licht rückt.

Seite zwei: Geschickte Umsetzung der Trojaner-Strategie

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