Anzeige
1. Juni 2015, 11:11
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

AIF-Regulierung: Zwei Sätze für die Ewigkeit

Eigentlich sollte heute es nur um ein ziemlich skurriles Dokument aus der Praxis des AIF-Vertriebs gehen. Doch es steckt wohl mehr dahinter.

Der Löwer-Kommentar

Stefan-loewer1 in AIF-Regulierung: Zwei Sätze für die Ewigkeit

“Nur den Prospekt auf der Website zum Download ‘zur Verfügung zu stellen’, reicht womöglich nicht aus, um die Anleger korrekt gemäß Paragraf 297 KAGB über den jüngsten Marktpreis oder Nettoinventarwert ‘zu informieren’.”

Die Geschichte beginnt auf der Website der Commerzbank-Tochter Commerz Real. Dort wird zu dem aktuellen Fonds “Flugzeuginvestment 1” ein Dokument mit dem verheißungsvollen Titel “Jüngster Marktpreis der Anteile” zum Download angeboten. Was das wohl sein mag? Also draufgeklickt.

Der Inhalt jedoch ist mehr als enttäuschend: Die PDF umfasst lediglich eine einzige, spärlich gefüllte Seite. Ein paar kleine Fotos, ein kurzer Hinweis auf die Rechtsgrundlage und dann zwei Sätze, die für die Ewigkeit gemacht sein könnten, um die ganze Absurdität mancher Regulierungsvorschriften festzuhalten:

“Die Ausgabe von Anteilen (…) erfolgt seit November 2014 im Zuge der Emission zu einem Ausgabebetrag in Höhe der Nominaleinlage zuzüglich fünf Prozent Agio. Der jüngste Marktpreis der Anteile entspricht daher dem Ausgabebetrag in Höhe des Gesamtbetrags der Nominaleinlage zuzüglich fünf Prozent Agio”, ist dort mit Stand 25. Mai 2015 zu lesen. Das war’s. Mehr nicht.

Vollkommen sinnfreie Information

Kurz gefasst heißt das: Der Marktpreis ist 105 Prozent, weil der Fonds zu diesem Preis platziert wird. Die Information ist also vollkommen sinnfrei. Die Commerz-Real-Juristen halten sie aber offenbar für notwendig, um die Formalien zu erfüllen, so absurd die Aussage auch sein mag.

Unwahrscheinlich jedenfalls ist, dass sie sich nur einen Spaß machen wollen, um die Regulierungsbehörde bloß zu stellen und ihr vor Augen zu führen, wie unsinnig manche der Vorschriften sind.

Damit könnte die Geschichte auch schon zu Ende sein und als eine Facette der Regulierungs-Blüten zu den Akten gelegt werden. Doch es steckt womöglich mehr dahinter, was sich als echter Stolperstein für die Branche erweisen könnte.

Schließlich enthält Paragraf 297 KAGB in der Tat eine Klausel, wonach der Anleger eines alternativen Investmentfonds (AIF) vor Vertragsschluss entweder über den aktuellen Marktpreis oder über den Nettoinventarwert (NIW), also den Wert der Vermögensgegenstände abzüglich Schulden, informiert werden muss. Doch außer Commerz Real macht das anscheinend kaum eine andere Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG), zumindest nicht explizit.

Seite zwei: Nur Commerz Real und Hannover Leasing

Weiter lesen: 1 2 3

Newsletter bestellen Top aktuell & kompakt! Werktags um 6.30 Uhr alle Versicherungs-News für Profis von Profis.

1 Kommentar

  1. Sehr lobenswert ist das Engagement von Herrn Löwer auch zu den scheinbar entlegensten Themen des KAGB. Daher sei ihm empfohlen auch gleich einmal den § 297 KAGB weiter zu lesen und sich über Absatz 4 Gedanken zu machen. Die Bafin hält es für ausreichend, wenn die Haftungsfreistellung im Verkaufsprospekt drucktechnisch hervorgehoben wird. Nur die wenigsten Prospekte enthalten diese Hervorheben, z.B. One Group. Eine Alternative wäre es, den Hinweis in den Beitrittsunterlagen zu erwähnen.

    Kommentar von Tellerwaescher — 1. Juni 2015 @ 22:32

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 07/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Betriebsrente – Wandelanleihen – Ferienimmobilien – Family Offices

Ab dem 21. Juni im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

Munich Re: Finanzvorstand Jörg Schneider übergibt an Christoph Jurecka

Nach mehr als 18 Jahren im Vorstand scheidet der bisherige Finanzvorstand der Munich Re,  Dr. Jörg Schneider, nach Vollendung des 60. Lebensjahres auf eigenen Wunsch am 31. Dezember aus dem Vorstand von Munich Re aus. Der Betriebswirt und promovierte Jurist ist der am längsten amtierende Chief Financial Officer (CFO) sowohl im deutschen Börsenindex Dax 30 als auch unter den großen europäischen Versicherungsunternehmen.

mehr ...

Immobilien

Kaufpreise bei Eigentumswohnungen ziehen weiter kräftig an

Seit Jahren kennen Immobilienpreise nur eine Richtung: Nach oben. Manch Beobachter fühlt sich an die “Preisblasen” erinnert, die vor zehn Jahren eine globale Finanzkrise auslösten.

mehr ...

Investmentfonds

Chancen im IT-Sektor

Die US-Wirtschaft wäre ohne den IT-Sektor bedeutungslos. Der Sektor hat den US-Aktienmarkt getrieben und macht mehr als ein Viertel des Marktes aus. Welche Gründe noch dafür sprechen, in Technologietitel aus den USA zu investieren: Gastbeitrag von Tine Choi, Danske Invest.

mehr ...

Berater

Roboadvisor in der Anlageberatung – Sie werden immer besser

Robo-Advisor von Fintech-Unternehmen oder Banken sollen die Anlageberatung beleben und Privatkunden eine komfortable Hilfe bei der Geldanlage bieten. Wie gut die digitalen Helfer sind, zeigt eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Service-Qualität (DISQ), das im Auftrag des Nachrichtensenders n-t 17 Robo-Advisor-Lösungen von 15 Anbietern unter die Lupe genommen hat.

mehr ...

Sachwertanlagen

Fondsbörse warnt erneut vor “Lockangebot”

Die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG entrüstet sich erneut über ein Angebot, wonach den Anlegern der Kauf ihrer Fondsanteile weit unter dem Zweitmarktkurs angeboten wird. In diesem Fall ist die Diskrepanz besonders groß.

mehr ...

Recht

Erbbaurecht: Alternative zum Kauf eines Baugrundstücks

Kommunen, Kirchen und Stiftungen vergeben häufig Erbbaurechte. Als “Eigentum auf Zeit” können diese gerade für junge Familien mit wenig Eigenkapital eine Alternative zum Kauf eines Baugrundstücks darstellen. Die Hamburgische Notarkammer erklärt.

mehr ...