24. Juli 2017, 11:07
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Liebe Verbraucherschützer, ist das Ihr Ernst?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) fordert einmal mehr ein Provisionsverbot im Finanzvertrieb. Doch die Argumente werden immer abenteuerlicher. Der Löwer-Kommentar

Liebe Verbraucherschützer, ist das Ihr Ernst?

“Es ist weiterhin durch nichts belegt, dass Honorar- bessere Ergebnisse bringt als Provisionsberatung.”

Anlass für den erneuten Vorstoß in der vergangenen Woche war, dass die kanadische Finanzaufsicht nach Angaben des VZBV “erwägt”, Provisionen bei der Finanzberatung zu verbieten. Da muss der deutsche Verbraucherverband natürlich sofort aufspringen. Betroffen wären nicht nur, aber auch Sachwertanlagen.

Dabei verweist der VZBV zum wiederholten Mal auf Großbritannien, wo Provisionen seit 2013 verboten sind, und behauptet: “In der Folge hat sich die Qualität der Beratung in Großbritannien deutlich verbessert.”

Das ist eine ziemlich mutige Behauptung. Jedenfalls lässt sich das aus den Untersuchungen der britischen Finanzaufsicht und des dortigen Finanzministeriums, auf die auch ein Hintergrundpapier des VZBV vom April 2017 Bezug nimmt, allenfalls mit sehr viel Phantasie und höchstens für den Fall herauslesen, dass überhaupt noch Beratung durchgeführt wird.

Gegenteil trifft zu

Vielmehr sagen die Untersuchung der britischen Behörden vom März 2016 und ein entsprechender Fortschrittsbericht vom April 2017 im Kern eher das Gegenteil aus.

So wurde die Untersuchung nach eigenen Angaben wegen Bedenken in die Wege geleitet, “dass der Markt der Finanzberatung für die Verbraucher nicht gut arbeitet” und beschäftigt sich hauptsächlich damit, dass vor allem Verbraucher mit geringem Einkommen und/oder Vermögen sich die Honorarberatung nicht leisten können oder wollen.

Ergebnis der Untersuchungen war 2016 ein Bündel von nicht weniger als 28 Verbesserungsmaßnahmen, im April 2017 wurde der Fortschritt bei deren Umsetzung dokumentiert. Dazu zählt, dass die britischen Verbraucher nun – unabhängig vom Alter – bis zu 500 Pfund von ihrem Rentenkonto (“pension pot”) vorzeitig abheben können, um das Honorar für eine Beratung zur Altersvorsorge zu bezahlen.

Seite zwei: “advice gap” bei 94 Prozent

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2 Kommentare

  1. Wer sich für einen Beruf entscheidet, tut das i.d.R. um Geld zu verdienen. Das gilt für Berufe im Handel, Handwerk, Medizin, Engineering u.a., so auch in der Finanzdienstleistung.

    Der Unterschied liegt in der Vergütung. In fast allen Berufen wird fachliche Kompetenz und Zeiteinsatz vergütet. Nur nicht unbedingt in der Finanzdienstleistung. Hier erfolgt die Vergütung oft auf Erfolgsbasis. Erfolg = abgeschlossener Vertrag.

    Wieviel Zeiteinsatz muss für eine umfassende Beratung (Ziele/Wünsche, Bedarfsanalyse, Verkaufgespräch(e), Pre- u. Aftersale) aufgewendet werden?

    Wieviele Verkaufsgespräche müssen für einen Abschluss geführt werden?

    Entspricht der daraus resultierende “Stundenlohn” dem eingesetzten Knowhow? Hier kann sich jeder selber die Antwort geben.

    Die Argumente “Trittbrettfahrer” und “Stornohaftung” sollten für Berater ein gutes Argument sein, der Honorarberatung den Vorzug zu geben.

    Weshalb soll jemand sein berufliches Fachwissen kostenfrei abgeben?
    Weshalb soll die Vergütung für eine exzellente Beratung 5 Jahre lang einem Stornorisiko ausgesetzt sein?

    Vergleicht man beide Vergütungsmodelle ist der Zeitaufwand für Akquise, Research, Administration, u.ä. gleich. Der unterschied liegt beim Anteil der nicht vergüteten Zeit.

    Viele Honorarberater bieten zuerst ein kostenfreies Erstgespräch. Der Kunde lernt seine Vorteile kennen und der Honorarberater die Ansprüche des Kunden. Daraus leitet sich der Umfang der Beratung und das Honorar ab.

    Natürlich muss auch der Honorarberater etwas verkaufen, den Kundennutzen (unabhängige Beratung, Netto-Tarife, Kickback gehen an den Kunden, kein Agio, uvm.).

    Im Gegensatz zum kostenfreien Beratungsprozess eines Provisionsvermittler ist das Verkaufsgespräch, um ein Mandat zu erhalten, damit deutlich kürzer. Vergütet wird im Anschluss der Beratungsprozess und wenn es der Kunde wünscht die fortlaufende Betreuung.

    Das Argument einer besseren Beratungsqualität habe ich nicht angegriffen, denn bei gleichen Knowhow sollte es zwischen beiden Vergütungsmodellen keinen Unterschied geben.

    Wesentlicher ist die Außenwirkung der Vergütungsform. Empfiehlt ein Berater z.B. nach 5 Jahren einen Vertragswechsel um nach der Stornohaftung wieder Provisionen zu verdienen oder weil dies wirklich einen echten Kundennutzen bringt?

    Bei der honorarbasierten Vergütung stellt keine Kunde die Frage, ob neuer Provisionsanspruch die Basis einer Empfehlung ist. Im Gegenteil, er ist froh, dass er durch die “gebuchte” Betreuung regelmäßig eine Verbesserung seines Portfolios erfährt.

    Durch den Umbruch der Branche werden Beratungslücken gar nicht so groß ausfallen. Internetaffine Kunden nutzen Online-Portale und Robo-Advicer für Ihre Zwecke.

    Kunden die erkannt haben, dass eine qualifizierte persönliche Beratung sie in den Zielhafen führt, werden sich verstärkt unabhängigen Beratern und Maklern zuwenden. Dabei unterstreicht eine honorarbasierte Vergütung die Unabhängigkeit.

    Kommentar von Michael W. Beyer — 31. Juli 2017 @ 11:46

  2. Wie schon seit zig Jahren greift die Allianz aus Hochfinanz und Politik auf das machiavellische System zurück indem Sie in diesem Beispiel die Finanzvermittlung durch den Verbraucherschutz angreifen läßt. Dieses Machiavellische Prinzip funktioniert so, dass jemand, der Macht haben will, am besten als übergeordnete Instanz fungieren kann, wenn sich zwei Gruppen gegenseitig bekämpfen und dann auch leicht bestimmte Gesetze durchbringen kann. Das wirkliche Ziel der Hochfinanz ist die komplette Abschaffung von Finanzberatern und Verbraucherschutz, damit die grenzenlose Gier nach noch mehr Gewinn und Macht zulasten des Verbrauchers befriedigt wird. Unser bürgerliches Verständnis von einer friedlichen Welt bedeutet für die sogenannten Eliten Stillstand. Für sie ist Konflikt der Frieden, unabhängig davon, unabhängig davon ob Menschen und Umwelt dabei ausgebeutet werden. Die von der Hochfinanz abhängigen Medien nehmen hierbei die Stimme des Systems ein und sind hervorragend geeignet, um die Bevölkerung zu spalten. Dies geschieht schon mit dem einfachen Bildjournalismus oder sonstigen mainstream Medien “Anleger sind um ihr Erspartes gebracht worden – und der ist schuld”-Schema, welches sich breit gefächert einheitlich durch die Presselandschaft zieht. Mal sind es die Finanzberater, mal die Versicherungsvertreter mal die Hartz4-Empfänger, mal die Juden, mal die Muslime. Soziale Unterschiede, Herkunft, Einkommen, Religion, Sexualität – kaum etwas bleibt ungenutzt, um unsere Unterschiede aufzuzeigen und gegeneinander aufzuhetzen. Viel zu oft werden dabei die Gemeinsamkeiten vergessen, die einen wesentlich grösseren Teil ausmachen.
    Das Problem ist der Parasit Hochfinanz und die von ihr gesteuerten Politiker, um das verbrecherische Finanzsystem ” Geld schaffen aus dem Nichts” mit Schuldzinsen aufrecht zu erhalten.
    In der Demokratie gehört die Kontrolle des öffentlichen Zahlungsmittels ausschließlich in
    die Hand einer demokratisch legitimierten öffentlichen Institution wie in der Schweizer Vollgeldinititiative und in 140 anderen Ländern gefordert. Das weltweit gescheiterte Finanzsystem zugunsten einiger weniger Oligarchen ist das weltweite Problem, das gelöst werden muss.

    Kommentar von H. Braun — 25. Juli 2017 @ 07:29

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