8. Februar 2018, 14:48
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Finanzprodukte bleiben unsexy”

Wie wirken sich Regulierung und Digitalisierung auf den Vertrieb von Finanzdienstleistungen aus? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch den “Vertriebsgipfel Tegernsee 2018” in Rottach-Egern, an dem zu Wochenbeginn 45 Vorstände, Geschäftsführer, Vertriebsverantwortliche, Unternehmensberater und Fachanwälte teilnahmen.

Shutterstock 1016536984 in Finanzprodukte bleiben unsexy

Im winterlichen Rottach-Egern treffen sich alljährlich die Entscheider der Finanzdienstleistungsbranche, um über den Status quo und die Perspektiven der Branche zu diskutieren. Die Veranstaltung wird von Fachjournalist Friedrich A. Wanschka organisiert und moderiert.

Angesichts der zum Zeitpunkt des zweitägigen Vertriebsgipfels noch laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD ging der Blick natürlich auch nach Berlin. Die Situation sei schwierig, da man noch immer nicht wisse, mit welchen politischen Entscheidungsträgern man es künftig zu tun hat, betonte Matthias Wiegel, Vorstand des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung, in seinem Vortrag “Quo vadis Vermittler 2018? Regulierung und Zukunft”.

Es sei schwer abzuschätzen, was in Sachen Regulierung auf die Vermittler zukommt – schließlich wisse man nicht, wie die “Gefälligkeitslage” in einer neuen Großen Koalition aussehen wird, so Wiegel. Ginge es nach den Vermittlern, würde die neue Bundesregierung sowieso ganz anders aussehen: Laut einer AfW-Umfrage gibt es in der Berufsgruppe eine überwältigende Mehrheit für Schwarz-Gelb (Union: 33 Prozent, FDP: 32 Prozent). Die SPD kommt dort nur auf sieben Prozent.

Berger in Finanzprodukte bleiben unsexy

Die Zukunft des Provisionsmodells stand im Mittelpunkt des Vortrags von Rechtsanwalt Daniel Berger.

Rechtsanwalt Daniel Berger, Partner aus der Kanzlei Wirth, warnte in seinem Vortrag “Provisionen unter Mifid II – was geht überhaupt noch?” vor einem “Provisionsverbot durch die Hintertür“. Der Grund: Nach der EU-Vorschrift, die in das neue Wertpapierhandelsgesetz übernommen wurde, müssen jegliche Zuwendungen dazu bestimmt sein, die Qualität der jeweiligen Dienstleistung für den Kunden zu verbessern.

Die Finanzaufsicht Bafin stellte unlängst klar, dass die Zuwendungen vollständig dafür verwendet werden müssen, die Qualität der Dienstleistung zu verbessern. Das bedeute, dass Zuwendungen nicht als Gewinn vereinnahmt werden dürfen – und das, obwohl Vermittler aus den Provisionen auch ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Berger findet die Rechtsauffassung der Bafin “idiotisch” und appellierte an die Branche, dagegen vorzugehen.

“Nicht ohne Berater”

Trotz aller Probleme, die Digitalisierung und Regulierung mit sich bringen, erwartet Ronald Perschke, Vorstand der Going Public Akademie für Finanzberatung, dass es auch in Zukunft nicht ohne Berater gehen wird. Die Ansprüche an ihre Qualifikation aber steigen – ein Beispiel hierfür ist die neue Weiterbildungspflicht, die sich aus der IDD-Richtlinie ergibt.

Die entscheidende Frage sei, wie sich die Berater auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen, sagte Perschke in seinem Vortrag “Beratungskompetenzen in Zeiten von Regulierung und Digitalisierung”. Sein Fazit: “Finanzprodukte bleiben unsexy und müssen beraten und verkauft werden – das gilt auch in der digitalen Welt weiterhin.” (kb)

Fotos: Shutterstock / Astrid Klee

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Mehr Schutz für die Zähne, ambulant und stationär?

Einfach geregelt. Mit den neuen Zusatzversicherungen der SDK. Als Einzelversicherung für Privatpersonen oder als betriebliche Krankenversicherung für Firmen.

mehr ...

Investmentfonds

Wie reagieren die Märkte auf den sich verschärfenden US-Präsidentschafts-Wahlkampf?

Die Corona-Krise hat Präsident Trump in eine etwas schwierige Lage gebracht. Dies hat dazu geführt, dass seine Chancen auf eine Wiederwahl im November von einigen Beobachtern in Frage gestellt wird. Wenn man bedenkt, was Präsident Trump während seiner Amtszeit zugunsten des Unternehmenssektors bewirkt hat, gibt es in der Tat guten Grund zur Sorge, sollten einige der von ihm eingeführten Maßnahmen im Falle eines Biden-Sieges rückgängig gemacht werden. Aber ist es so einfach? Genauso wichtig ist es zu berücksichtigen, wie der Kongress aufgeteilt sein wird. Ein Kommentar von François Rimeu, Senior Strategist, La Française AM

mehr ...

Berater

Steuerbetrug: Ein europäischer Wettbewerb

Deutschland verliert etwa 26 Prozent des erzielbaren Körperschaftsteueraufkommens durch Gewinnverschiebungen multinationaler Unternehmen. Forscher der Universitäten Berkeley und Kopenhagen haben herausgefunden, dass 2017 weltweit etwa 700 Milliarden US-Dollar an multinationalen Gewinnen in Steueroasen verschoben wurden. Die Statista-Grafik zeigt den geschätzten Anteil des gewonnenen oder verlorenen Körperschaftsteueraufkommens ausgewählter europäischer Länder für 2017.

mehr ...

Sachwertanlagen

Deutsche Finance konzentriert institutionellen Vertrieb in der Schweiz

Die DF Deutsche Finance Capital Markets GmbH mit Sitz in Zürich verantwortet zukünftig das Capital Raising bei institutionellen Investoren. Kernaufgabe ist die Koordination und Durchführung der internationalen Distribution aller institutionellen Investitionsstrategien der Deutsche Finance Group.

mehr ...

Recht

Insolvenzen: Die Oktober-Welle abschwächen

Die Insolvenz-Zahlen für den April 2020 sagen nichts aus über die tatsächliche Zahlungsfähigkeit der Unternehmen in der Corona-Krise. Im Herbst steigt die Zahl der Insolvenzen voraussichtlich sprunghaft. Sicher kann der Staat nicht alle Firmen retten – und künstlich am Leben gehaltene Zombie-Firmen will niemand. Eine Insolvenzwelle würde aber auch den Bankensektor bedrohen. Anstelle von noch größeren Not-Krediten sollten die rückzahlbaren Liquiditätshilfen unter bestimmten Bedingungen in Zuschüsse umgewandelt werden.

mehr ...