11. Juli 2019, 16:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Berlin: E-Scooter sind vor allem ein Touristenphänomen

Rund 4.800 Leih-Tretroller standen Anfang Juli bereits auf Berlins Straßen. Das hat eine Datenauswertung der Apps der E-Scooter-Verleiher durch rbb|24 und radforschung.org ergeben.

Shutterstock 1237701508 E-Scooter in Berlin: E-Scooter sind vor allem ein Touristenphänomen

Allein im Bezirk Mitte standen demnach rund 2.200 E-Scooter, in Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow weitere rund 1.500 Stück. Damit standen rund 75 Prozent der E-Scooter in den drei Innenstadt-Bezirken, die bei Touristen besonders beliebt sind.

E-Scooter sind eher ein Angebot für Touristen

Ganz anders sieht es in den Außenbezirken Marzahn-Hellersdorf, Spandau, Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf aus. Dort stellten die Anbieter laut rbb-Datenanalyse insgesamt nur 22 Tretroller auf. Die Anbieter Circ, Lime, Voi und Tier hielten ihre Flottengrößen bislang geheim, auf Anfrage widersprachen sie den vom rbb erhobenen Zahlen allerdings nicht.

Die vom rbb ermittelten Zahlen legen nahe, dass die E-Scooter bislang zum großen Teil von Touristen genutzt werden. Das steht im Widerspruch zur Selbst-Darstellung der Anbieter. Sie hatten gegenüber dem Berliner Senat damit geworben, dass Leihroller einen spürbaren Beitrag dazu leisten, den Autoverkehr bei Berufspendlern zu reduzieren.

Anbieter dürfen sich nicht nur auf die Innenstadt fokussieren

Diese Innenstadt-Fixiertheit der Scooter-Anbieter ärgert den Linken-Verkehrspolitiker Kristian Ronneburg. Sie widerspreche dem Mobilitätsgesetz, auf das sich Rot-Rot-Grün geeinigt hat. “Darin haben wir grundsätzlich festgelegt, dass wir in allen Berliner Bezirken gleichwertige Mobilitäts-Angebote vorhalten möchten”, sagte Ronneburg dem rbb.

Da sich auch die Leihrad-Anbieter in den vergangenen zwei Jahren nicht über den S-Bahn-Ring heraus getraut haben, solle Verkehrssenatorin Regine Günther nun handeln, fordert Ronneburg – und den Markt der E-Scooter, Leihräder und Carsharing-Autos per Ausschreibung regulieren.

“Wenn Anbieter die Rosinen haben wollen in der Innenstadt, auf die sich alle jetzt stürzen, dann müssen sie im Gegenzug eine Zahl X in anderen Teilen der Stadt vorhalten”, schlägt Ronneburg vor. Über einen konkretisierten Vorschlag wolle die Linke nach der Sommerpause mit SPD und Grünen beraten. Ronneburg will damit Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) “ein bisschen Druck machen.”

Obergrenze durchaus denkbar

Die Verkehrsverwaltung teilt mit, sie würde es begrüßen, wenn E-Scooter auch außerhalb des S-Bahnrings verstärkt zur Verfügung stehen würden. Es sei jedoch nicht möglich, ein Geschäftsgebiet für das Verleihen von E-Scootern vorzugeben.

Madrid allerdings hat genau das bereits getan, Wien prüft es derzeit. Wien hat auch eine Obergrenze von 1500 Scootern pro Anbieter vorgegeben – eine Anzahl, die der Anbieter Circ in Berlin schon jetzt überschreiten würde.

“Waren halt aufmerksamer”

Im Vergleich zu Wien hat der Berliner Senat das Thema bislang verschlafen, kritisiert der Mobilitätsforscher Tilman Bracher vom Deutschen Institut für Urbanistik (difu). “Wien hat sich anders aufgestellt. Die waren halt aufmerksamer, haben in die USA geguckt oder in andere Länder”, sagt Bracher.

Mit Hinblick auf die Probleme der fehlenden Züge für S-und U-Bahn und die maroden Brücken der Stadt ergänzt Bracher: “Berlin hat so viele verkehrspolitische Probleme im Moment, dass der E-Tretroller relativ spät in den Scheinwerfer kam.”

 

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Staatliche Rente: Was Sie noch erwarten können

Wenn Sie noch nicht in der Nähe des Rentenalters sind, haben Sie sich vielleicht schon einmal die Frage gestellt, ob und wenn ja, wie Sie privat vorsorgen können. Die Botschaften der Politik unterscheiden sich maßgeblich von denen der Banken- und Versicherungsbranche. Als Laie ist es tatsächlich schwierig, darauf gute Antworten zu erhalten. Finanzexperte Maxim Bederov. nimmt sich in diesem Artikel jedoch kein Blatt vor den Mund und sagt, was tatsächlich Sache ist.

mehr ...

Immobilien

Betriebskostenabrechnung: 5 Tipps für Vermieter

Heizung, Wasser, Abwasser, Müllentsorgung, Versicherungen, Gebäudereinigung, Verwaltungskosten, Leerstand und mehr: Was ist umlagefähig, was nicht? Vor dieser Frage stehen Eigentümer von Mietimmobilien spätestens dann, wenn sie die jährliche Betriebskostenabrechnung erstellen und bestimmte Mindestanforderungen beachten müssen. Gerade Vermieter von kleineren Immobilien, die diese selbst verwalten, werden dabei vor einige Herausforderungen gestellt. Der Full-Service Immobiliendienstleister McMakler fasst daher zusammen, was zu einer rechtssicheren und ordnungsgemäßen Betriebskostenabrechnung gehört.

mehr ...

Investmentfonds

Deutschland auf einem guten Weg zum “Krypto-Heaven”

Die Beschlussempfehlung des Finanzausschusses nach der gestrigen Sitzung schafft Klarheit zu einigen Fragen, die seit Veröffentlichung der Referenten- und Regierungsentwürfe diskutiert worden waren. Der Finanzausschuss spricht sich für eine Streichung des viel diskutierten „Trennungsgebots“ aus, wonach das Kryptoverwahrgeschäft und andere regulierte Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen nicht aus der gleichen rechtlichen Einheit heraus angeboten werden könnten.

mehr ...

Berater

Was Frauen gegen Altersarmut tun können

Nadine Kostka von der Finanzberatung Sommese gibt zehn Tipps für Frauen, um gezielt gegen Altersarmut vorzubeugen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Marvest startet drittes Crowdinvesting-Projekt

Die auf den maritimen Sektor spezialisierte Online-Plattform Marvest hat ihr drittes Projekt für Investoren veröffentlicht. Die Anleger können über eine “Schwarmfinanzierung” in ein Darlehen für einen Mehrzweckfrachter investieren. 

mehr ...

Recht

Blitzer-Urteil: Messungen von privaten Dienstleistern sind rechtswidrig

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat in einer Grundsatzentscheidung bestätigt, dass Verkehrsüberwachungen durch private Dienstleister gesetzeswidrig sind und auf einer solchen Grundlage keine Bußgeldbescheide erlassen werden dürfen (Beschluss vom 6.11.2019, Az. 2 Ss-OWi 942/19).

mehr ...