19. Dezember 2019, 15:32
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

BGH-Urteil: Einmal falsch beraten – ewig haften?

Die Haftung eines Finanzdienstleisters für seine Auskünfte beschränkt sich nicht nur auf die unmittelbar vorgenommene Investition des Anlegers. Vielmehr können auch spätere Anlageentscheidungen, die der Anleger auf dieser Grundlage, jedoch ohne erneute Beratung/Vermittlung trifft, dem Berater oder Vermittler zuzurechnen sein.

 in BGH-Urteil: Einmal falsch beraten – ewig haften?

Konsequenz des BGH-Urteils: Der Vertrieb haftet unter Umständen über Jahre für Anlageentscheidungen des Anlegers – auch wenn er weder davon weiß, noch dafür vergütet wird. 

Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in einem jetzt veröffentlichten Urteil (III ZR 244/18). Demnach haftet der Vertrieb nach einer fehlerhaften Beratung unter Umständen auch für Entscheidungen, die der Anleger noch Jahre später alleine getroffen hat. Selbst eine Gefälligkeitsempfehlung nach einer eigentlich gescheiterten Beratung kann demnach fatale Folgen haben. 

Der Fall ist ziemlich skurril. Dem Urteil zufolge war der Kläger über 20 Jahre hinweg von einem Mitarbeiter der beklagten Gesellschaft vor allem in Versicherungsangelegenheiten beraten worden. Ende 2005 war er auf der Suche nach einer Altersversorgung jedoch nicht zufrieden mit den vorgestellten Renten- oder Lebensversicherungsprodukten, weil sie „die Bedürfnisse des Klägers nach hoher Rendite und kurzer Laufzeit nicht erfüllen konnten“, so die Sachverhaltsdarstellung.

210.000 Euro in über sieben Jahren

Ende 2006, also nach einem Jahr vergeblicher Vermittlungsbemühungen, wies der Mitarbeiter den Kläger dann in einem Gespräch auf die Anlagemöglichkeit bei einem Rechtsanwalt hin, „der nebenbei auch kurzfristige Kapitalanlagen zu guten und individuell auszuhandelnden Festzinsen anbiete“. Über die nähere Art der Anlage sprachen der Kläger und der Mitarbeiter dem Urteil zufolge nicht.

Im Februar 2007 überwies der Kläger dann erstmals 10.000 Euro an den Rechtsanwalt und später bis März 2014 – also bis zu mehr als sieben Jahre nach dem ursprünglichen Gespräch – insgesamt weitere 200.000 Euro.

Es kam, wie es kommen musste: Als der Rechtsanwalt 2014 verstarb, stellte sich heraus, dass das Geld zum allergrößten Teil weg war. Der Anleger klagte daraufhin die gesamten 210.000 Euro bei seinem Versicherungsvermittler ein – und bekam nun vor dem BGH im Grundsatz recht.

Seite 2: Stillschweigender Auskunftsvertrag

Weiter lesen: 1 2

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Frauen arbeiten vor der Rente immer länger

Die Dauer der gesetzlichen Rentenabsicherung vor dem Ruhestand ist bei Frauen in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen, wie neue Rentendaten zeigen, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

mehr ...

Immobilien

Das sollten private Vermieter beachten

Die meisten Wohnungen gehören in Deutschland Privatleuten. Sie vermieten meistens nur ein oder zwei Einheiten. Kleinvermieter nutzen die Immobilie häufig als Kapitalanlage oder als Finanzierungsbeitrag zum Bau des Eigenheims. Worauf es für private Vermieter ankommt.

mehr ...

Investmentfonds

Britische Staatsanleihen: Sorgen Brexit und Corona für negative Renditen?

Die anhaltende Covid-19-Pandemie und der zäh verlaufende Brexit-Prozess könnten die Renditen britischer Staatsanleihen unter die Nullgrenze bringen, kommentiert Colin Finlayson, Co-Manager des Aegon Strategic Global Bond Fund bei Aegon Asset Management.

mehr ...

Berater

Recruiting: Warum die Story stimmen muss

Vielen jungen Absolventen und Berufseinsteigern gilt die Finanzdienstleistungsbranche zu sehr als “old men network”, sie zieht es zu den vermeintlich jungen und hippen Fintechs. Bei ihren Rekrutierungsbemühungen steht sich die Branche aber auch selbst im Weg.

mehr ...

Sachwertanlagen

BaFin nimmt Deutsche Edelfisch DEG II ins Visier

Die Finanzaufsicht BaFin hat den hinreichend begründeten Verdacht, dass die Deutsche Edelfisch DEG GmbH & Co. II KG in Deutschland Wertpapiere in Form von Schuldverschreibungen ohne das erforderliche Wertpapier-Informationsblatt öffentlich anbietet. Im Markt der Vermögensanlagen ist das Unternehmen nicht unbekannt.

mehr ...

Recht

Berliner Verfassungsgerichtshof setzt Mietendeckel-Verfahren aus

Der Berliner Verfassungsgerichtshof hat die Prüfung des umstrittenen Mietendeckels ausgesetzt. Man wolle zunächst den Ausgang der anhängigen Verfahren dazu beim Bundesverfassungsgericht abwarten, teilte das höchste Berliner Gericht am Donnerstag mit.

mehr ...