Schluss mit „German Angst“? 75 Prozent der Bürger sind zufrieden

Die Deutschen sind zufrieden und blicken der Zukunft gelassen entgegen – der gesellschaftliche Zusammenhalt ist allerdings gefährdet. Das ist das Ergebnis der neuen Vermächtnis-Studie, die die Wochenzeitung DIE ZEIT in ihrer aktuellen Ausgabe veröffentlicht.

Ausgelassene Stimmung bei den Bundesbürgern: Der Blick in die Zukunft bleibt positiv.

Die Studie zeichnet ein überraschendes Deutschland-Bild. So sagen zwei Drittel der Deutschen, dass sie mit ihrem Leben zufrieden sind. 90 Prozent glauben nicht, dass sie in den nächsten zehn Jahren sozial absteigen oder aufsteigen.

Im Gegensatz zur viel zitierten „German Angst“ wirken sie unbesorgt, was die Zukunft angeht. Nur ein Drittel der Deutschen fürchten um ihren Arbeitsplatz, obwohl drei Viertel sicher sind, dass die Digitalisierung Jobs kosten wird. Doch nur drei Prozent glauben, dass auch Roboter ihre Arbeit machen könnten.

Wir-Gefühl ist weit verbreitet

Die Menschen halten Werte wie Familie, sinnstiftende Arbeit und „Wir-Gefühl“ hoch. Im Blick auf die Gesellschaft fürchten sie aber einen Wertewandel. 80 Prozent der Befragten ist ein „Wir-Gefühl“ wichtig, doch nur ein Viertel glaubt, dass es auch ihren Mitmenschen wichtig ist.

„Die Menschen in Deutschland nehmen Veränderungen in der Gesellschaft sehr genau wahr, verneinen aber, dass sie selbst davon erfasst werden“, sagt Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), das die Vermächtnis-Studie zusammen mit der ZEIT und infas durchgeführt und finanziert hat.

Rückzug ins Private ist der falsche Weg

Allmendinger warnt vor einer zunehmenden Abschottung in Familien- und Freundeskreise: „die Gesellschaft zerbröckelt im Inneren“. Die Politik müsse handeln, damit die Gesellschaft nicht weiter in Gruppen zerfalle.

Für die Vermächtnis-Studie wurden von Mai bis September 2018 2.070 Menschen in Deutschland in Einzelinterviews befragt. Dabei wird ein innovativer Dreisprung bei der Befragung benutzt. Bei jedem Sachverhalt wird nicht nur gefragt, wie die Befragten derzeit leben, sondern auch, wie sie gerne leben würden und was davon sie kommenden Generationen weitergeben möchten. Damit erfasst die Vermächtnis-Studie nicht nur die aktuelle Situation der Gesellschaft, sondern auch kommende Veränderungen.

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