Christian Rach: „Nicht Vabanque spielen“

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Christian Rach

Cash. sprach mit Starkoch Christian Rach über seine Erfahrungen und Strategien bei der Kapitalanlage.

Herr Rach, Ihre erste größere Geldanlage – erinnern Sie sich?

Rach: Ich bin ja mit wehenden Fahnen selbstständig geworden. Es war immer mein Ziel, mit 30 auf eigenen Beinen zu stehen. Das implizierte für mich auch, dass ich mich selbst um meine Altersvorsorge kümmern musste und das habe ich von Anfang an getan. Damals haben die Versicherungen in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung sogenannte „5+7-Regelungen“ angeboten. Man konnte fünf Jahre in eine Kapitallebensversicherung einzahlen und musste das Geld anschließend für sieben Jahre ruhen lassen. Nach zwölf Jahren gab es dann die Option, sich entweder für einen Einmalbetrag oder für eine Verrentung zu entscheiden. Das erschien mir verlockend, denn fünf Jahre war ein Zeitraum, den ich gut überblicken konnte. Ich habe dann mit der Versicherung die Summe definiert, die in den fünf Jahren zu erbringen war und von der ich mir vorstellen konnte, dass ich sie mir leisten kann.

Hat sich das für Sie rentiert?

Rach: Ja, das hat sich ausgezahlt. Ich habe damit Anfang der neunziger Jahre begonnen, das ganze war auch steuerfrei. Ich hatte gleich mehrere dieser Versicherungen und habe mich nach sieben Jahren jeweils für die Kapitalabfindung entschieden. Dieses Geld habe ich dann wieder investiert. Grundsätzlich habe ich geschäftliche Investitionen immer so abgesichert, dass im Falle des Scheiterns nicht meine persönliche Existenz gefährdet wäre. Die Altersvorsorge funktioniert in meinen Augen genauso: Wenn man nicht in den Genuss der staatlichen Altersvorsorge kommt, sollte man nicht Vabanque spielen, sondern mit einer Form von Sicherheit investieren.

Worin haben Sie noch investiert?

Rach: Wenn man als Unternehmer tätig ist und damit rechnen muss, dass sich die Wirtschaft und die Potenz der eigenen Geschäfte in Wellen bewegen, gehören Immobilien natürlich dazu. Auch da gab es interessante Investitionsmöglichkeiten, zum einen in eine selbstgenutzte Immobilie, zum anderen in gefördertes Wohnen. Ich habe beides wahrgenommen. Ich habe dabei nie auf anonyme Investments gesetzt, sondern habe mir die Immobilien angeschaut und überlegt, ob ich dort wohnen wollen würde. Das war immer die Grundlage meiner Entscheidung und das habe ich bis heute nicht bereut. Ganz merkwürdig finde ich, dass wir Deutschen so ein Problem mit Aktien haben. Es gibt nichts besseres in der Geldanlage als Aktien, denn man hat damit Teilhabe an der prosperierenden Wirtschaft.

Mit Anlageberatung oder ohne?

Rach: Ich bin zwar ein geldpolitisch sehr interessierter Mensch, aber mir fehlt die Zeit und die Kompetenz, mich selbst an den Börsen zu bewegen. Deshalb habe ich mein Engagement in Aktien an renommierte Fachleute übergeben, die das seit Jahren großartig machen. Da fühle ich mich sehr gut aufgehoben, gerade jetzt in der Corona-Zeit. Bei so wichtigen Themen wie der persönlichen Zukunft und der Alterssicherung sollte man sich aber zunächst mal kennenlernen und prüfen, ob man von der Lebens- und Investmentphilosophie her überhaupt zusammenpasst. Und das habe ich getan. Deshalb nochmals: bitte auch bei der Altersvorsorge genau prüfen, mit wem man da vertrauensvoll zusammenarbeiten möchte.

Das Gespräch führte Kim Brodtmann, Cash.

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