Norbert Porazik: “Wir mussten corona-bedingt einiges bewerkstelligen”

Foto: Alexander von Spreti
Norbert Porazik

Cash.-Interview mit Norbert Porazik, geschäftsführender Gesellschafter der Fonds Finanz, über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das laufende Geschäft, die Hängepartien bei den angekündigten Regulierungsvorhaben und hybride Messekonzepte.

Cash.-Interview mit Norbert Porazik, geschäftsführender Gesellschafter der Fonds Finanz, über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das laufende Geschäft, die Hängepartien bei den angekündigten Regulierungsvorhaben und hybride Messekonzepte.

Sie konnten die Provisionserlöse 2019 auf 175 Millionen Euro steigern. Mit welchen Gedanken blicken Sie auf das abgelaufene Geschäftsjahr zurück?

Porazik: Insgesamt blicken wir sehr positiv auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2019 zurück. Wir konnten unseren Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorjahr weiter steigern. Diese Entwicklung freut uns vor allem, da sie uns in unseren getätigten Investitionen bestärkt. Sei es in neue Technologien oder Personal – damit denken und handeln wir langfristig und nachhaltig. Als Marktführer hat die Fonds Finanz eine besondere Verantwortung, vor allem wenn es in der aktuellen Lage mehr denn je um das Thema Digitalisierung geht. Deshalb knüpfen wir weiterhin an dieser Stelle mit entsprechenden Maßnahmen an, um auf unserem Weg konsequent die nächsten Schritte zu gehen.

Wie sind Sie in das Geschäftsjahr 2020 gestartet? Wie hat sich die Corona-Pandemie bisher auf Ihr Geschäft ausgewirkt?

Porazik: Wir sind sehr positiv und optimistisch in das neue Geschäftsjahr 2020 gestartet und bleiben das auch in Zukunft. Aber natürlich hat auch die Fonds Finanz corona-bedingt einiges bewerkstelligen müssen. So haben wir unsere beiden Messen nicht einfach abgesagt, sondern dieses Jahr vorerst auf ein digitales Format umgestellt. Die Hauptstadtmesse digital mit den Star-Rednern Christian Lindner und Dirk Müller findet nun online an fünf Tagen im September statt. Unseren angebundenen Partnern haben wir mit “Bridge” kostenfrei eine professionelle Beratungssoftware zur Verfügung gestellt. Das wird sehr gut angenommen. Auch die Makler, die vor der Pandemie noch zu den Digitalisierungs-Skeptikern gehörten, haben zum Großteil Gefallen an digitalen Vertragsabschlüssen und den Vorteilen online-geführter Kundentermine gefunden. Darüber hinaus haben wir die Funktionsfähigkeit aller Services, Dienstleistungen und IT-Systeme selbst bei einer kompletten Verlagerung ins Homeoffice sichergestellt und waren so für unsere Makler wie gewohnt als Ansprechpartner verfügbar. Wie und ob sich die Pandemie noch auf unser Geschäft auswirken könnte, bleibt abzuwarten. Aktuell läuft unser Geschäft allerdings in nahezu allen Sparten sehr positiv und stabil weiter, so dass ich trotz einer kleinen Corona-Delle im Frühjahr für 2020 insgesamt mit einem weiteren Rekordjahr rechne.

Laut einer aktuellen AfW-Umfrage erwarten die Vermittler corona-bedingt im Durchschnitt einen Rückgang ihres Provisionsumsatzes um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Erhalten Sie ähnliche Rückmeldungen von Ihren angebundenen Maklern?

Porazik: Wir denken es ist noch zu früh, um die Entwicklung der Provisionsumsätze der Makler bis zum Ende des Jahres wirklich einschätzen zu können. Solche Prognosen sind grundsätzlich für die aktuelle Markteinschätzung wichtig, jedoch hat uns die Dynamik der vergangenen Monate gezeigt, dass sich die Dinge auch besser als prognostiziert entwickeln können. Wie bereits erwähnt, gehen wir für die Fonds Finanz derzeit für das laufende Jahr von einem Umsatzplus aus. Vielmehr haben wir von unseren Maklern mitbekommen, dass sich viele erst an die neuen Bedingungen anpassen und sich mit neuen Themen befassen mussten, um beispielsweise die digitale Kundenberatung umzusetzen. So hat der AfW-Vorstand Frank Rottenbacher jüngst erklärt, dass viele Vermittler ihre Prozesse in einem bewundernswerten Tempo an die Corona-Wirklichkeit angepasst haben. Mit Blick auf unsere Makler teilen wir diese Meinung uneingeschränkt und bieten als Maklerpool das nötige Rüstzeug dafür an.

Ein weiteres wichtiges Thema neben der Pandemie bleibt die Regulierung. In der Großen Koalition wird weiter über den Provisionsdeckel in der Lebensversicherung gestritten. Die SPD will ihn unbedingt einführen, die Union lehnt ihn ab. Rechnen Sie noch mit einer Deckelung oder glauben Sie, dass sich das Thema erledigt hat?

Porazik: Nein, wir rechnen mit keiner Deckelung. An unserer grundlegenden Haltung zu dem Thema hat sich nichts geändert: Rechtsgutachten von Professor Schwintowski und Herrn Papier legen eindeutig dar, dass ein Provisionsdeckel nicht nur verfassungs-, sondern sogar europarechtswidrig wäre. Schon aus diesem Grund gehen wir davon aus, dass der Deckel nicht beschlossen wird und damit auch keine Auswirkungen auf das Geschäft von Vermittlern haben wird. Hinzu kommt, dass das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) seinen Sinn und Zweck erfüllt und die vom Gesetzgeber angestrebte Wirkung zeigt. Die Versicherer haben die Abschlusskosten flächendeckend gesenkt. Sie haben die Abschlussprovisionen reduziert und teilweise die Stornohaftungszeit verlängert. Manche Versicherer haben anstelle der vordiskontierten Abschlussprovisionen eine laufende Vergütung für Vermittler eingeführt. Damit wurden die Kosten im Sinne der Verbraucher gesenkt, weshalb keine “Nachbesserung” notwendig ist, schon gar keine so drastische wie in Form eines Provisionsdeckels. Für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass der Deckel dennoch beschlossen werden sollte, hätte er in seiner aktuellen Ausgestaltung für diejenigen Vermittler, die qualitativ hochwertig beraten, nur geringe Auswirkungen. Erfüllen sie die noch zu definierenden Qualitätskriterien, erhalten sie auf die grundlegenden 25 Promille noch bis zu 15 Promille oben drauf und erreichen damit ähnliche Größenordnungen wie heute – wobei der bürokratische Aufwand hinsichtlich der Abwicklung sicherlich deutlich zunehmen würde. Wichtig ist vor allem, dass sich der Deckel nur auf einen Teil des LV-Geschäftes auswirkt, nämlich auf das Altersvorsorgegeschäft. Biometrische Risiken wie BU oder Risiko-LV sind nicht betroffen. Das bedeutet auch, wenn Vermittler grundsätzlich breit aufgestellt sind, sind sie weniger angreifbar im Falle von Regulierungen und auch generelle Risiken, wie etwaige finanzielle Ausfälle, können durch andere Segmente und Sparten gut kompensiert werden.

Die Entscheidung über den Gesetzentwurf zur Übertragung der Aufsicht über die unabhängigen Finanzanlagenvermittler auf die Bafin ist vom Finanzausschuss des Deutschen Bundestages erneut vertagt worden. Ist das auch mit Blick auf die umstrittene Rolle der Bafin in der Wirecard-Affäre die richtige Entscheidung?

Porazik: Es gibt keinen erkennbaren Grund, warum eine Verschiebung der Aufsicht weg von den Industrie- und Handelskammern und Gewerbeämtern hin zur Bafin überhaupt notwendig wäre. Uns sind keinerlei Probleme oder gar Schadensfälle bekannt. Im Gegenteil: Die bisherige Aufsicht hat sich über die Jahre hinweg erfolgreich bewährt. Als Mitglied der AfW-Initiative “Pools für Makler” haben wir dazu ein entsprechendes Positionspapier verfasst. Die Diskussion um Wirecard ändert nichts an unserer grundlegenden Haltung.

Corona-bedingt haben Sie die MMM-Messe im Frühjahr digital abhalten müssen, auch die Hauptstadtmesse im September soll digital stattfinden. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht, was hat gut geklappt, wo hat es noch gehakt?

Porazik: Insgesamt haben wir von den Teilnehmern der MMM-Messe digital durchweg positive Rückmeldung erhalten. Obwohl wir in kürzester Zeit die digitale Ausgabe unserer MMM-Messe auf die Beine gestellt haben, hat sowohl technisch als auch vom Ablauf alles reibungslos geklappt. Mit der Hauptstadtmesse digital gehen wir nun einen Schritt weiter und dehnen das Programm auf insgesamt fünf Tage aus.

Glauben Sie, dass die Corona-Pandemie das Ende des Zeitalters der analogen Messen eingeleitet hat?

Porazik: Nicht unbedingt, aber wir können uns durchaus ein hybrides Messekonzept vorstellen – also eine Mischung aus Präsenz- und Onlinemessen – und arbeiten bereits im Rahmen der Veranstaltungsplanung für 2021 an einem möglichen Konzept.

Schon jetzt kann man sagen, dass 2020 kein Jahr ist wie jedes andere. Was muss passieren, damit Sie Ende Dezember dennoch zufrieden auf das Jahr zurückblicken?

Porazik: Wenn die Belegschaft der Fonds Finanz gesund durch das Jahr gekommen ist. Wir sind sehr stolz und dankbar, wie schnell und professionell alle Kollegen und Kolleginnen auf die corona-bedingten Veränderungen reagiert haben. Und natürlich hoffen wir, dass sich dieser enorme Einsatz trotz der Pandemie mit einer weiteren Steigerung des Geschäfts auszahlen wird.

Die Fragen stellte Kim Brodtmann, Cash.

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