Warum der „Lockdown light“ nicht gut für die Psyche ist

Foto: Fürstenberg Institut (Markus Schwarze)
Reinhild Fürstenberg

Die mit Corona verbundenen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Ängste haben mit den steigenden Infektionszahlen und dem November-Lockdown weiter zugenommen. „Während vielfach von einem Lockdown light gesprochen wird, sind die aktuellen Auswirkungen auf die Psyche alles andere als ‚light‘“, sagt Reinhild Fürstenberg, Gründerin und Geschäftsführerin des Fürstenberg Instituts.

Die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown im Frühjahr machen es laut Fürstenberg nicht leichter, sondern für viele sogar schwerer. Gepaart mit den Herausforderungen der dunklen Jahreszeit für die Psyche habe die aktuelle Situation eine hohe Brisanz für die mentale Stabilität. Deswegen sollten Unternehmen über die organisatorischen Herausforderungen des zweiten Lockdown auf keinen Fall die psychische Stabilität ihrer Mitarbeiter aus dem Blick verlieren, rät sie.

Viele Mitarbeiter beschäftigen laut Fürstenberg neben der Gesundheit Fragen wie: Welche Auswirkungen hat Corona auf mein Unternehmen? Ist mein Arbeitsplatz in Gefahr? Welche gesellschaftlichen Veränderungen folgen? Wie lange werde ich wieder isoliert arbeiten müssen? Dazu kämen finanzielle Sorgen durch Kurzarbeit. Das alles könne zu mentalen Belastungssituationen führen.

„Nicht aus der Fürsorgepflicht entlassen“

„Mentale Belastungen sind nicht zu unterschätzen. Sie können sich zu handfesten psychischen Problemen auswachsen. Wenn Unternehmen rechtzeitig und richtig auf Warnhinweise reagieren, können sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schützen und lange Krankheitszeiten vermeiden“, so Fürstenberg. Die wichtigste Maßnahme zur Prävention von psychischen Problemen sei das schnelle Reagieren der Führungskräfte. Die Distanz im Home-Office erschwere allerdings, Veränderungen bei Team-Mitgliedern festzustellen.

„Führungskräfte sind wegen Corona nicht aus der Fürsorgepflicht entlassen. Deswegen rate ich trotz des wohlmöglich höheren Workload zu mehr Gesprächen mit den Teammitgliedern als üblich. Mit festen Telefon- und Video-Routinen – im Einzelgespräch und ohne Termindruck. Bei Auffälligkeiten sollten Führungskräfte ihre Beobachtungen sofort mit den Betroffenen besprechen. Und unbedingt bei Bedarf auf professionelle Hilfsangebote hinweisen“, so Fürstenberg.

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