MPC Capital: Vom Branchenprimus zum Sorgenkind

Das börsennotierte Emissionshaus MPC Capital muss für das erste Halbjahr 2012 einen Konzernverlust von knapp 3,9 Millionen Euro ausweisen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres konnte es noch einen Gewinn von 39,8 Millionen Euro ausweisen.

MPC-Unternehmenssitz, Hamburg
MPC-Unternehmenssitz, Hamburg

Der Umsatz sank im Vergleich zum ersten Halbjahres 2011 um zwölf Prozent auf 19,8 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) reduzierte sich zwischen Anfang Januar und Ende Juni 2012 demgegenüber deutlich von 16,5 in 2011 auf nur noch zwei Millionen Euro. Ausweislich des Halbjahresfinanzberichtes sind dafür Sondereffekte verantwortlich.

Die Konzernkennzahl „Eigenkapital“ sackte seit dem Bilanzstichtag am 31. Dezember 2011 von vier Millionen Euro auf nur noch 29.000 Euro ab, wobei die Eigenkapitalquote von zwei Prozent schon damals nicht gerade üppig war.

Die Summe der Eventualverbindlichkeiten im Hinblick auf die assoziierten Unternehmen des Konzerns hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf nun 94,1 Millionen Euro nahezu vervierfacht. Maßgeblich haben die Lage der Tochtergesellschaft MPC Steamship und die Beteiligung an dem ebenfalls angeschlagenen Wettbewerber HCI Capital den Konzern zur Erhöhung der Risikokennzahl beigetragen. Eine konkrete Gefahr kann das MPC-Management allerdings nicht erkennen: „Derzeit gibt es keine Hinweise auf die Inanspruchnahme der MPC Münchmeyer Petersen Capital AG aus den bestehenden Eventualverbindlichkeiten“, so der Halbjahresfinanzbericht 2012 des vor wenigen Jahren noch erfolgreichsten Emissionshauses.

Die  übrigen anzurechnenden Eventualverbindlichkeiten, darunter auch Platzierungsgarantien und selbstschuldnerische Bürgschaften, wurden im Berichtszeitraum dagegen von 894 Millionen Euro auf 738 Millionen Euro gesenkt. Zudem besteht seit März 2010 eine Bankenvereinbarung, die die Finanzierung der genannten Erklärungen bis Ende September 2013 regelt.

Für das Gesamtjahr erwartet der Hamburger Fondsinitiator ein „in etwa ausgeglichenes operatives Ergebnis“. Dies sei aufgrund der „optimierten Kostenbasis“ und der wiederkehrenden Umsätze auf Fondsmanagement und Fondsverwaltung möglich. Die Zahl der Mitarbeiter wurde im Vergleichszeitraum von 250 auf 199 reduziert

Im Privatkundengeschäft rechnet die Konzernführung weiterhin mit einem „schwierigen Marktumfeld“. Im ersten Halbjahr 2012 hat das Unternehmen nur noch zwölf Millionen Euro Eigenkapital für seine geschlossenen Fonds akquiriert. Im Vorjahreszeitraum hatte das Platzierungsvolumen noch bei 75,1 Millionen Euro gelegen. Derzeit hat das Emissionshaus lediglich einen Immobilienfonds im Vertrieb, der die Beteiligung an Studentenwohnheimen anbietet. Andere Offerten aus dem Bereich der erneuerbaren Energien hatten die Hanseaten zwar angekündigt aber nicht umgesetzt. Im Schiffsbereich ist nach dem Scheitern des Versuchs, das Schiff MPC Rio Manaus zu platzieren, kein neues Beteiligungsangebot geplant. In dem Marktsegment sind bei MPC Capital wie bei ihren Wettbewerbern auch, eher Krisenmanager als Fondskonzeptionäre gefragt.

„MPC Capital hat sich im Berichtszeitraum insbesondere auf den Aufbau neuer Geschäftsfelder und damit die Verbreiterung der Ertragsbasis konzentriert. Ein wesentlicher unternehmerischer Schwerpunkt ist dabei der Auf- und Ausbau des Geschäfts mit institutionellen Investoren, Family Offices und Firmenkunden. Im Retailgeschäft werden zudem neue Fondskonzepte und Strukturen geprüft, die für private Anleger auch im aktuell schwierigen Marktumfeld eine akzeptable Anlagealternative darstellen“, so der Bericht weiter. Man darf gespannt sein… (af)

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