Marktreport Sachwertanlagen 2021: Viel besser als erwartet

Ein weiterer Grund, warum die Crowdinvestings nur schwer zu greifen sind, ist das grenzüberschreitende Geschäft. Dabei geht es nicht nur um Digitalzeichnungen aus dem Ausland, die – zumindest technisch – ohne weiteres möglich sind. Vielmehr sind auch ausländische Plattformen in Deutschland aktiv. So sind im diesjährigen Ranking zwei Unternehmen aus Österreich vertreten, die jeweils auch deutsche Anleger adressieren.

Pia Vejnik, Rockets Plattformen: „Schnelle Finanzierung beziehungsweise rasches Erreichen der maximalen Fundingvolumina.“

Rockets aus Graz betreibt die Plattformen Green Rocket, Home Rocket sowie Lion Rocket und hat insgesamt ein vermitteltes Volumen von 37,3 Millionen Euro gemeldet. Davon entfielen auf Investoren mit Wohnsitz in Deutschland 15,3 Millionen Euro und sind in das Cash.- Ranking eingegangen. „Wir verzeichneten einen deutlichen Anstieg der angebotenen Investmentchancen und erkennen den starken Trend der Anleger und Anlegerinnen, das zur Verfügung stehende Kapital selbstbestimmt veranlagen zu wollen. Dies äußerte sich vor allem durch die schnelle Finanzierung beziehungsweise das rasche Erreichen der maximalen Fundingvolumina der angebotenen Investmentchancen auf unseren Plattformen“, sagt Pia Vejnik, Head of Communications bei Rockets, über das Jahr 2021.

Bei der in Wien ansässigen Plattform Dagobertinvest, die Immobilienprojekte in Österreich, Deutschland und der Schweiz finanziert, stammte 2021 mit 16 von insgesamt 28,8 Millionen Euro sogar mehr als die Hälfte des Geldes aus Deutschland.

Geschäft zunehmend europäisch

Das Geschäft wird zunehmend europäisch. So ist etwa die Website der Plattform Estate Guru mit Hauptsitz in Tallinn (Estland) auch auf deutsch verfügbar. Das Unternehmen hat 2021 nach eigenen Angaben ein Finanzierungsvolumen von 203 Millionen Euro vermittelt und 55.900 neue Anleger gewonnen, davon die größten Gruppen aus Italien, Spanien und den Niederlanden. Wieviel auf Deutschland entfiel, teilte das Unternehmen, das auch über ein Büro in Berlin verfügt, nicht mit. Auch die Plattform Mintos aus Lettland gibt es in sieben Sprachen, darunter deutsch. Das Unternehmen hat im August 2021 nach eigenen Angaben eine Zulassung der lettischen Regulierungsbehörde erhalten. Es will europaweit expandieren und kündigte an, neben Krediten künftig auch Schuldverschreibungen anzubieten.

Damit wird Mintos wohl nicht allein bleiben. Hintergrund ist die 2021 umgesetzte EU-Verordnung für European Crowdfunding Service Providers (ECSP). Sie erlaubt, mit einer einzigen Zulassung europaweit aktiv zu werden. In Deutschland heißen diese Unternehmen im besten Behördendeutsch „Schwarmfinanzierungs-Dienstleister“. Auch wenn das deutsche „Begleitgesetz“ zur Umsetzung der EU-Vorschrift von der Branche heftig kritisiert wurde, ist davon auszugehen, dass künftig verstärkt solche europäischen Unternehmen hierzulande aktiv werden – und umgekehrt.

So wird es im kommenden Jahr vermutlich nicht eben einfacher werden, das Crowdinvesting-Geschehen in Deutschland und mit deutschen Anlegern zu erfassen und aufzudröseln. Aber wer weiß: Vielleicht wird sich am Ende ja herausstellen, dass der Markt doch transparenter sein wird, als man befürchten musste.

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* Dieser Artikel ist zuerst in der Cash.-Ausgabe 3/2022 erschienen.

Fotos: Jamestown, One Group (Fotograf Jost Fink), DFI, Rockets

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