25. Januar 2010, 10:51
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

„Regionale Unterschiede verschärfen sich“

Cash.: Sehen Sie in der Wiedereinführung von Abschreibungsmöglichkeiten ein adäquates Mittel, um den Wohnungsbau zu stimulieren?

Günther: Auch heute können wohnungswirtschaftliche Investitionen abgeschrieben werden – wenn auch nur mit zwei Prozent linear. Ein nahezu ausschließlich auf Steuerersparnissen beruhender Wohnungsbau wie Anfang der 1980er Jahre in Westdeutschland – Stichwort Bauherrenmodell – oder in den 1990er Jahren in Ostdeutschland – Stichwort Sonderabschreibung Ost – sollte jedoch nicht in Betracht gezogen werden. Eine lineare Abschreibung über 25 Jahre, das heißt in Höhe von vier Prozent jährlich, wäre dagegen sinnvoll. Die Unsicherheiten des Marktes würden berücksichtigt und der Planungszeitraum für den Investor halbiert. Die Stimulation des Wohnungsbaus fällt möglicherweise geringer aus als bei einer degressiven Abschreibungsvariante, aber es dürfte wohl nur an nachhaltig wirtschaftlichen Standorten gebaut werden.

Cash.: Warum wurde der Wohnimmobilienmarkt in den letzten Jahren von Investmentvehikeln für Privatanleger kaum beachtet? Und was hat sich heute geändert?

Günther: Die Anleger hatten andere Prioritäten. Die deutsche Wohnimmobilie versprach zwar langfristig sichere, aber doch vergleichsweise bescheidene Renditen. Inzwischen wurde wieder allen ins Bewusstsein gerückt, dass ein gewisser Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko kaum zu leugnen ist. War es bis zur Krise die Rendite, die im Vordergrund des Anlegerinteresses stand, so ist es heute eher die Sicherheit.

Cash.: Sind die internationalen Investoren der vergangenen Jahre aus Ihrer Sicht am deutschen Wohnungsmarkt mit ihren Strategien – beispielsweise in der Privatisierung – gescheitert?

Günther: Die Anfangs angepeilten Renditen im zweistelligen Bereich sollten in der Regel über die Kombination aus Immobilienbewirtschaftung und Immobilienhandel erreicht werden. In der Wohnimmobilienbewirtschaftung sind meines Wissens dauerhafte Renditen über sechs Prozent kaum erreichbar. Im Immobilienhandel ist festzuhalten, dass der mehrfache Umschlag eine Wohnimmobilie allein nicht zu einem dauerhaft höheren Wert der Immobilie führt. Die bereits Anfang der 1990er Jahre in Ostdeutschland weitgehend gescheiterte Mieterprivatisierung hat auch in den vergangenen Jahren nur in wenigen Fällen für den Investor zum Erfolg geführt. An ihren eigenen Zielen gemessen dürften nur die Investoren erfolgreich gewesen sein, die den deutschen Wohnungsmarkt frühzeitig wieder verlassen haben.

Lesen Sie hier, mit welchen unterschiedlichen Konzepten Emissonshäuser ein Engagement auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt bieten.

Interview: Thomas Eilrich

Foto: Pestel Institut

Weiter lesen: 1 2 3 4

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Betriebsschließungsversicherung: Zeit für unkonventionelle Lösungen?

Das Betriebsschließungen und entsprechende Versicherungen dagegen sind in Corona-Zeiten ein sehr heißes Eisen, wie ein Interview von Dietmar Diegel, Vorstand der CHARTA AG in Düsseldorf zeigt.

mehr ...

Immobilien

Preise, Bauen, Recht: Die Folgen von Corona für Immobilienanleger

Die Auswirkungen der Coronakrise treffen nahezu alle Bereiche der deutschen Wirtschaft. Finanzexperten sind sich einig, dass es dieses Jahr eine Rezession geben wird – die Frage ist nur noch, wie stark sie ausfällt. Aktuell ist die Lage unübersichtlich, denn Informationen der Virologen, politische Entscheidungen und wirtschaftliche Entwicklungen ändern sich schnell. Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender von Dr. Klein, beantwortet drei Fragen zur aktuellen Situation.

mehr ...

Investmentfonds

ifo Institut: Corona kostet Europa Hunderte von Milliarden Euro an Ausfällen

Die Bekämpfung des Coronavirus wird zu Produktionsausfällen führen. Sie werden die Länder Europas Hunderte von Milliarden Euro kosten. Das haben neue Berechnungen des ifo Instituts ergeben. Was das Virus außerhalb Detschlands wirtschaftlich anrichtet.

mehr ...

Berater

Schroeder-Wildberg übernimmt MLP-Aktienpaket

MLP-Vorstandschef Dr. Uwe Schroeder-Wildberg erwirbt 1,95 Millionen Aktien an der MLP SE von der Gründerfamilie Lautenschläger. Nach Vollzug der Transaktion wird er insgesamt 1,86 Prozent der Aktien halten, die Familie Lautenschläger verfügt dann über einen Anteil von rund 27,4 Prozent.

mehr ...

Sachwertanlagen

KGAL kauft 178 Wohnungen in Wiesbaden

Die KGAL Investment Management hat für den von ihr verwalteten Spezialfonds KGAL/HI Wohnen Core 2 im Rahmen eines Asset Deals die im Jahr 2017 fertiggestellte Wohnanlage “Rheingold” in Wiesbaden-Schierstein erworben.

mehr ...

Recht

Coronavirus: Die Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern

Muss ich ins Büro, wenn der Kollege hustet? Wie muss mich mein Arbeitgeber vor dem Coronavirus schützen? Was ist, wenn ich nicht ins Büro komme, weil Bus und Bahn nicht mehr fahren? Muss ich meinem Chef meine Handynummer geben, wenn er mich ins Home-Office schickt? Darf ich mich weigern, zu Hause zu arbeiten? Muss ich Überstunden wegen der Corona-Krise machen? Wer zahlt meinen Lohn, wenn ich in Quarantäne geschickt werde? Fragen über Fragen, die sich in einer sehr besonderen Zeit wohl jeder Arbeitnehmer früher oder später stellt. Die Arag-Experten gaben Antworten.

mehr ...