16. März 2012, 14:11
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

„Kein signifikanter Zinsanstieg in Sicht“

Die Baufinanzierungszinsen sind aktuell auf historisch niedrigem Niveau. Cash. sprach mit Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung, über die aktuelle Zinsentwicklung und Strategien für Immobilienkäufer.

Max-herbst2-124x150 in „Kein signifikanter Zinsanstieg in Sicht“Cash.: Welche Zinsentwicklung erwarten Sie für die kommenden Monate?

Herbst: Ich sehe zur Zeit keinen Grund, warum die Baugeldzinsen signifikant steigen sollten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Zinssatz in den nächsten Monaten vielleicht um 0,25 Prozentpunkte ansteigen wird.

Cash.: Welche Zinsbindung sollten Immobilienkäufer aktuell wählen?

Herbst: Entweder ein Kunde entscheidet sich für die Sicherheit bei den extrem geringen Zinsen und unterschreibt für 15 oder sogar 20 Jahre. Oder er ist der Meinung, dass wir in nächster Zeit keine Zinserhöhungen haben werden und entscheidet sich bewusst für 5 Jahre fest. Die niedrigen Zinsen verpflichten diejenigen Bauherrn, die sich nicht ständig mit Finanzierungsüberlegungen beschäftigen wollen, eine lange bis sehr lange Zinsbindung mit einer angemessenen Tilgungshöhe von etwa drei Prozent zu wählen. Und das gekoppelt mit Sondertilgung und Tilgungsveränderung.

Cash.: Sind Darlehen mit variablem Zinssatz eine attraktive Alternative? Für wen sind sie geeignet und welcher Anteil der Darlehenssumme sollte so finanziert werden?

Herbst: Variable Darlehenszinsen sind für all jene Bauherrn von Vorteil, die in den nächsten Jahren mit größeren Einnahmen etwa aus Tantiemen, Erbschaften, dem Verkauf von Aktien oder Immobilien rechnen. Es kann auch das gesamte Darlehen so finanziert werden, wenn es die erwarteten Gelder zulassen.

Cash.: Wie sehen die Kundenwünsche in Bezug auf Sondertilgungsmöglichkeiten und Möglichkeiten zur Veränderung der Tilgungshöhe aus?

Herbst: Die Option einer fünfprozentigen Sondertilgung und einer mindestens dreimaligen Anpassung der Tilgungshöhe sollte heute zu den  Standardbedingungen gehören. Die wenigsten Bauherren benötigen eine zehnprozentige Sondertilgung und eine jährlich Tilgungsveränderung. Wenn eine Bank derartige optimale Optionen anbietet, sollte man sich freuen und die Option einarbeiten, aber dafür eigentlich keinen Zinsaufschlag bezahlen.

Cash.: Lohnt sich derzeit der Abschluss eines Forward-Darlehens? Mit welchen Zinsaufschlägen müssen Kunden rechnen?

Herbst: Bei dem derzeitigen Zinsniveau könnte sich ein Forward-Darlehen lohnen, wenn man unterstellt, dass der Zinssatz in den nächsten Jahren steigen wird. Geht man von einem gleichbleibenden Zinsniveau aus, gibt es keinen Grund für  ein Forward-Darlehen. Die Entscheidung hängt davon ab, wie der Kreditnehmer die Zinsentwicklung einschätzt. Er allein entscheidet über einen vorzeitigen, gültigen Vertrag. Derjenigen, dem Finanzierungsüberlegungen unangenehm sind, sollte jetzt einen Forward-Vertrag unterschreiben, selbst mit dem Wissen, dass eine signifikante Zinserhöhung nicht zu erwarten ist. Der Forward-Aufschlag ist abhängig von der Vorlaufzeit und vom Institut und schwankt  zwischen null und bis zu 0,04 Prozent pro Monat Vorlaufzeit.

Interview: Barbara Kösling, Cash.

Foto: FMH-Finanzberatung

Lesen Sie das komplette Dossier zum Thema Baufinanzierung.

1 Kommentar

  1. Schön das dieses Interview an einem Tag veröffentlicht wird an dem die aktuellen Tageseinstände vieler Banken rapide gestiegen sind (siehe dazu DGZF-Chart). Ich bin gespannt ob “vielleicht” in den “nächsten Monaten” die Zinsen nur um 0,25% steigen werden. Wobei bei dieser schwammigen Aussage könnte ich auch behaupten: Gehen Sie davon aus das die Zinsen in den nächsten Jahren steigen werden, sofern die europäischen Länder eventuell vielleicht es sich leisten können. Hellsehen können wir leider alle nicht. Schönes Wochenende.

    Kommentar von meine-baufi.de — 16. März 2012 @ 19:44

Ihre Meinung



 

Versicherungen

DIA: Rentenkommission steht mit leeren Händen da

„Aufgabe nicht erfüllt. Dieses knappe Fazit müsste die Rentenkommission heute bei der Vorstellung ihrer Ergebnisse ziehen, wenn sie ehrlich wäre“, erklärte Klaus Morgenstern, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA).

mehr ...

Immobilien

Wichtige Schutzmaßnahmen für Kleinvermieter und kleine Immobilienunternehmen fehlen noch

„Die Kündigungsschutzmaßnahmen für Mieter sind wichtig und richtig. Gleichwohl darf die Rettung der Mieter nicht bei den Vermietern abgeladen werden. Der Kleinvermieterschutz kommt derzeit zu kurz. Private Kleinvermieter dürfen nicht zu den großen Verlierern der Hilfsmaßnahmen in der Corona-Krise werden.“ Das sagt Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes Deutschland IVD, heute nach der Verabschiedung des umfangreichen Corona-Hilfspakets im Bundesrat.

mehr ...

Investmentfonds

Banken werden die Rezession besser meistern, als vom Markt erwartet

Ein Kommentar von Sebastian Angerer und Ivor Schucking, Research Analysts bei der Legg-Mason-Boutique Western Asset Management, zu den Perspektiven der Banken bei einem Konjunktureinbruch.

mehr ...

Berater

AfW bietet Übersicht zu Corona-Fördermitteln

Die Bundesregierung hat ein umfangreiches Hilfspaket für Unternehmer zusammengestellt, um die Folgen der Coronakrise zumindest abzumildern. Der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung gibt nun allen Vermittlern eine Übersicht über mögliche Fördermöglichkeiten.

mehr ...

Sachwertanlagen

Lloyd Fonds beendet weiteren Holland-Fonds mit Gesamtüberschuss

Die Lloyd Fonds Gruppe hat im März 2020 ein Fondsobjekt in Utrecht an einen französischen institutionellen Investor verkauft. Das teilt das Unternehmen anlässlich der Vorlage des Geschäftsberichts 2019 mit. Die BaFin erteilte zudem eine weitere KWG-Zulassung. Die Hauptversammlung wird wegen Corona verschoben.

mehr ...

Recht

EuGH: Widerrufsrecht im Darlehensvertrag muss klar formuliert sein

Darlehensverträge müssen klare und für Verbraucher verständliche Hinweise auf den Beginn von Widerspruchsfristen enthalten. Dies hat der Europäische Gerichtshof am Donnerstag zu einem Fall aus Deutschland klargestellt (Rechtssache C-66/19).

mehr ...