Immobilienmarkt: „Unterbewertung bald korrigiert“

Die Trends, Entwicklungen und vermeintliche Gefahr einer Spekulationsblase am deutschen Immobilienmarkt diskutierte Cash. mit Michael Kiefer, dem Leiter Immobilienbewertung bei Immobilienscout24.

Immobilienmarkt: Michael Kiefer
Michael Kiefer, Immobilienscout24

Das Interview führte Thomas Eilrich, Cash.

Cash.: Der Sieger-Standort im Cash.-Gesamtranking aus Immobilien-, Wirtschafts- und Bevölkerungsfaktoren heißt zum dritten Mal in Folge Frankfurt. Was zeichnet den Immobilienmarkt in Mainhattan aus?

Kiefer: Frankfurt punktet mit einer erfolgreichen Stadt- und Wirtschaftsentwicklung sowie einer guten demografischen Struktur. Das sorgt für Nachhaltigkeit und Stabilität auf dem Frankfurter Immobilienmarkt.

Hier trifft eine hohe Nachfrage auf ein überschaubares Angebot im Miet- und Kaufbereich. Das lässt Preise und Mieten steigen. Weil es nur sehr wenig Baulandreserven gibt, wird sich an dieser Situation mittel- bis langfristig nichts ändern.

Cash.: In diesem Jahr befinden sich unter den Immobilienmarkt-Top Ten bis auf Köln alle Metropolmärkte des Landes. Vorn platziert sind zudem Wiesbaden und Mainz. Potsdam ist der Aufsteiger des Jahres in die Top Ten. Am Ende des Rankings liegen die ostdeutschen Standorte sowie – mit Ausnahme von Dortmund – die Städte des Ruhrgebiets und Schleswig-Holsteins. Wie interpretieren Sie das Ergebnis?

Kiefer: Die Top-Platzierung der Metropolen war zu erwarten. Die Menschen wollen heute zurück in die Stadt, näher bei der Arbeit wohnen, Kultur und Einkaufsmöglichkeiten problemlos erreichen.

Dabei gilt: Je größer die Stadt, desto besser. Das spiegelt sich in den Zuzugszahlen dieser Städte wider. Mit diesem hohen Nachfragedruck kann die Neubautätigkeit vor Ort nicht mithalten, da städtisches Bauland begrenzt ist. Wir haben hier klassische Verkäufermärkte.

Am Kölner Immobilienmarkt hingegen gibt es Licht und Schatten: Es gibt zwar sehr gute Stadtteile, aber auch sehr problematische Viertel, die die Preise insgesamt etwas nach unten drücken. In Bonn, Wiesbaden und Mainz sprechen die stabilen Wirtschafts- und Bevölkerungszahlen ebenfalls langfristig für eine positive Entwicklung. Und Potsdam ist auf dem besten Weg, das neue „Starnberger See“ zu werden – gleich hinter der Hauptstadt.

Potsdam punktet vor allem mit einer guten Verkehrsanbindung und einem sehr ansprechenden landschaftlichen Umfeld. Vor dem Hintergrund der Probleme vieler Städte des Ruhrgebietes zeigt sich, dass wir im Immobilienmarkt kein West-Ost-Gefälle haben. Vielmehr kämpfen auch immer mehr Regionen in den alten Bundesländern mit den Folgen des Strukturwandels, die sich auch in den Immobilienmärkten niederschlagen.

Cash.: Die höchsten Mietrenditen finden sich mit über fünf Prozent zumeist in den in der zweiten Hälfte des 40-Städte-Rankings positionierten Märkte. Welches Renditeniveau halten Sie für Anleger an nachhaltig stabilen Immobilienmärkten derzeit für erzielbar?

Seite zwei: Hohe Nachfrage trifft auf geringes Angebot

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