Immobilienwirtschaft befürchtet eingeschränkte Kreditvergabe

Trotz historischen Zinstiefs bleibt die Finanzierungssituation in der Immobilienwirtschaft weiter angespannt. Eine flächendeckende Kreditklemme sei derzeit zwar nicht zu befürchten, die Finanzierungssituation könnte sich in den kommenden Monaten aber verschlechtern, so eine ZIA-Umfrage.

Axel von Goldbeck, ZIA
Axel von Goldbeck, ZIA

Im Rahmen der aktuellen Umfrage des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) wurde Führungskräften und Entscheidungsträgern aus der deutschen Immobilienwirtschaft befragt. „Die Immobilienwirtschaft wird zumindest bei Immobilienprojekten im zweistelligen Millionenbereich ausreichend mit Krediten versorgt. Wir sind weit entfernt von einer Kreditklemme, sehen jedoch erste dunkle Wolken am Finanzierungshimmel. Bedenklich stimmen uns vor allem die Bankenregulierungsvorhaben der EU, der Wegfall wesentlicher Immobilienfinanzierungsinstitute und die Beschränkung der Hypothekenkreditvergabe durch viele andere Banken. Dadurch wird mittel- und langfristig das verfügbare Hypothekenkreditvolumen nachhaltig begrenzt. Ein Ersatz für die wegbrechenden Volumina ist bislang nicht in Sicht. Der negative Ausblick der Umfrageteilnehmer zeigt, dass die Branche unsere Bedenken teilt“, kommentiert Axel von Goldbeck, Sprecher der Geschäftsführung des ZIA.

Die Finanzierungssituation wird sich laut 56,4 Prozent der Befragten in den kommenden Monaten nicht wesentlich verbessern. Im Gegenteil: 41,8 Prozent der befragten Branchenteilnehmer rechnet bis Ende des Jahres mit schwieriger werdenden Finanzierungsbedingungen und nur 1,8 Prozent der Befragten geht von einer Besserung aus.

Immobilienwirtschaft-Finanzierungsbedingungen

Rund ein Drittel (32,1 Prozent) der Befragten schätzt die allgemeinen Finanzierungsbedingungen zurzeit als außerordentlich schwierig ein. Zum Vergleich: Im Jahr 2009 gaben drei Viertel der Befragten an, die allgemeinen Finanzierungsbedingen seien außerordentlich schwierig. Kreditaufnahmen seien laut ZIA-Interpretation der Umfrage-Ergebnisse jedoch weiterhin möglich. Unproblematisch sei vor allem die Kreditvergabe bei kleineren Immobilienprojekten, beziehungsweise Portfolios: Nur 7,1 Prozent der Befragten gab an, dass die Finanzierung im zweistelligen Millionenbereich schwierig oder fast unmöglich ist. Auch für große Immobilienprojekte und Finanzierungen fänden sich zum Teil Kreditgeber. Allerdings sei das nicht einfach: Immerhin 35,7 Prozent der Befragten sagte, dass Finanzierungen ab 200 Millionen Euro schwierig oder fast unmöglich zu bekommen sind.

Immobilienwirtschaft-Finanzierungssituation

Als problematisch erwiesen sich bestehende Kreditengagements. Für 48,2 Prozent der Befragten gestaltet sich die Prolongation von Darlehen schwierig und 44,6 Prozent gaben an, dass Kreditinstitute derzeit verstärkt diskutieren, wenn beispielsweise bestimmte Covenants nicht eingehalten werden. „Die Unternehmen bekommen die Prolongation zwar in der Regel, die Banken erhöhen jedoch die Margen. Wegen des geringen Zinsniveaus ist das derzeit verkraftbar. Sobald das Zinsniveau ansteigt, werden die Unternehmen Probleme bekommen“, sagt von Goldbeck.

Immobilienwirtschaft-bestehende-Kredite

(te)

Foto: ZIA

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