12. November 2012, 13:13
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Diskussion hält an: “Keine Kreditblase in Deutschland”

Deutschland zeigt derzeit keine Anzeichen für eine gefährliche Blasenbildung auf dem Immobilienmarkt, da viele Käufer die aktuelle Niedrigzinsphase für hohe Tilgungsraten nutzen, kontern Marktexperten aktuelle Beobachtungen des DIW im Rahmen einer von der “Transparenzoffensive Immobilienwirtschaft” veranstalteten Diskussion. 

Immobilienblase in Diskussion hält an: Keine Kreditblase in Deutschland

Trotz teils massiv steigender Immobilienpreise in Ballungszentren, seien demnach lediglich vereinzelt regionale Überhitzungen zu beobachten. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hingegen, verdichteten sich die Hinweise einer Immobilienblase in den deutschen Metropolen. Die Gefahr einer Immobilienblase verneinten unisono Professor Dr. Michael Voigtländer (Leiter des Kompetenzfeldes Immobilienökonomik am IW Institut der deutschen Wirtschaft), Lothar Jerzembek (Bereichsleiter Bilanzierung und interne Revision beim Bundesverband Öffentlicher Banken), Axel von Goldbeck (Sprecher der Geschäftsführung des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.), Simon Rubinsohn (Chief Economist der Rics Royal Institution of Chartered Surveyors), Carsten Rieckhoff (Leiter Research bei Engel & Völkers Commercial) und Michael Kiefer (Chefanalyst bei Immobilienscout24).

Preisblasen sind immer auch Kreditblasen

Einen entscheidenden Grund für diese Einschätzung nennt Professor Voigtländer, dessen Institut jüngst eine Studie zu diesem Thema vorgestellt hat: “Eine Preisblase ist jedoch immer auch eine Kreditblase. Und eine solche sei derzeit nicht in Sicht.” Vielmehr würden viele Käufer die aktuelle Niedrigzinsphase für hohe Tilgungsraten nutzen. Ein Hauptmotiv vieler Käufer wäre nicht eine möglichst hohe Rendite, sondern die langfristige Absicherung ihres Vermögens in Sachwerten.

Dies bestätigt auch Jerzembek: “Die Kreditwirtschaft handelt in der aktuellen Boomphase verantwortungsvoll und achtet bei Hypotheken auf eine hohe Eigenkapitalausstattung.” Wie dominierend derzeit das Bedürfnis ist, Vermögen sicher anzulegen, erläutert Rieckhoff: “Deutschland schwimmt im Geld. Wir machen als Makler die Erfahrung, dass auch teure Objekte teilweise zu 100 Prozent aus Eigenkapital finanziert werden.” Viele Käufer würden dabei auch von der Großelterngeneration finanziell unterstützt.

Vereinzelt lokale Überhitzungen

Eine deutschlandweite Blase kann auch Kiefer nicht erkennen. Er gibt jedoch zu bedenken, dass Immobilienmärkte immer regionale Märkte sind und in solchen vereinzelt Übertreibungen stattfinden: “In manchen Standorten wie etwa Freiburg haben sich die Kaufpreise gefährlich von den Mieten abgekoppelt.” Die Nachfrage sei hier nicht so hoch, so dass diese leichter einbrechen könne als in München oder Hamburg. Insbesondere wenn im kommenden Jahr die Konjunktur wie prognostiziert erlahmen sollte. Käufer müssten dann unter Umständen mit Wertverlusten rechnen.

Für mehr Gelassenheit beim Thema warb von Goldbeck. Grundsätzlich sei die aktuelle mediale Diskussion über das Thema auch eine Art Übersprunghandlung von Politik und Medien. Die Politik laufe hierbei Gefahr, wider besseres Wissens, falsche Entscheidungen zu treffen, um Volkes Stimme zu besänftigen.

Weil sich die Immobilienmärkte in Deutschland und Großbritannien sehr stark unterscheiden, sieht Rubinsohn derzeit keine Gefahr, dass sich der hiesige Markt ähnlich überhitze wie seinerzeit der in UK. So gebe es etwa im Vereinigten Königreich im Vergleich mit Deutschland nur einen sehr kleinen Mietmarkt. Zudem seien aktuell in Deutschland viel weniger internationale Großinvestoren auf Einkaufstour. Der deutsche Immobilienboom würde durch eine starke Binnennachfrage getragen.

Hintergrund: Die Podiumsdiskussion ‘Droht Deutschland eine Immobilienblase?’ fand am Donnerstag, den 8. November 2012 im Rahmen des Forums der Transparenzoffensive Immobilienwirtschaft statt. In Kürze soll ein Mittschnitt der Debatte im Internet unter www.transparenzoffensive.net veröffentlicht werden. (te)

Foto: IW

1 Kommentar

  1. Eine Blase wird es nicht geben

    Kommentar von Jan Lanc — 13. November 2012 @ 18:25

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