Immobilienbranche: Defizite in der Objektvermittlung

Die gewerbliche Immobilienvermittlung in Deutschland basiert vor allem auf persönlichen Kontakten, so eine aktuelle Studie. Beim Einsatz moderner, IT-basierter Verfahren gebe es dagegen noch deutlichen Nachholbedarf.

Die Studie „Informationseffizienz bei gewerblichen Immobilienmärkten“ kommt zu dem Schluss, dass die deutsche Immobilienwirtschaft auf Netzwerken persönlicher Kontakte basiert. Ein solches System lasse sich als „Old Boys Business“ beschreiben.

Moderne, IT-basierte Matching-Verfahren könnten die Effizienz der Immobilienvermittlung steigern, seien aber noch neu am Markt und müssten sich erst durchsetzen.

Die Untersuchung wurde durch Studierende des Masterstudiengangs Bau- und Immobilienmanagement der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Holzminden durchgeführt. Kooperationspartner ist die Online-Plattform für gewerbliche Immobilieninvestments Asset Profiler.  An der Erhebung beteiligten sich 146 Marktteilnehmer aus der deutschen Immobilienwirtschaft.

„In Zeiten schlanker Prozesse ist es eine Frage der Effizienz, auf welchem Weg und wann es zu einer erfolgreichen Transaktion kommt. Das wiederum hängt mit der Transparenz und damit der Informationseffizienz auf beiden Seiten des Marktes zusammen“, erläutert Professor Dr. Susanne Ertle-Straub die Fragestellung der Untersuchung.

Über 90 Prozente der Geschäfte basieren auf persönlichen Kontakten

Die deutsche Immobilienwirtschaft sei noch immer „People Business“, so die Studie. Angebot und Nachfrage fänden zu 92 Prozent durch bereits bestehende Direktkontakte zueinander. Über zwei Drittel der befragten Immobilienanbieter geben denn auch an, dass ihre durchschnittliche Abschlussquote nur im Bereich von null bis 25 Prozent liegt.

76 Prozent der Befragten geben außerdem an, dass sie Anlageprofile über Eigenrecherchen ermitteln. 66 Prozent antworten, dass sie Anlageprofile über neue Direktkontakte finden, 61 Prozent geben Messen und Veranstaltungen und 49 Prozent Berichte in den Medien und der Fachpresse als Informationsquellen an (Mehrfachnennungen möglich).

Auf Seiten der Investoren wird angegeben, dass nur 32 Prozent der Angebote gezielt auf das Anlageprofil ausgerichtet sind. Das Filtern der Objektangebote binde dabei hohe Personalkapazitäten, je nach Unternehmensgröße seien von einem Viertel bis zur Hälfte der Angestellten mit dem Objekteinkauf beschäftigt. Die Immobilienanbieter geben an, dass sie nahezu 90 Prozent der Absagen mit der Begründung bekommen, dass das angebotene Objekt nicht zum Anlageprofil passt.

Informationseffizienz verbessern

„Ein Hauptproblem scheint darin zu bestehen, dass viele Immobilienanbieter die Anlageprofile potenzieller Interessenten nicht kennen oder die eigenen Immobilien nicht passgenau auf die Profile hin anbieten“, kommentiert Norman Meyer, Geschäftsführer von Asset Profiler.

Der Markt sei sich dessen bewusst: Auf Investorenseite bewerteten über 80 Prozent der Befragten die Informationseffizienz zwischen Anbietern und Anlegern als verbesserungswürdig bis sehr schlecht. Die Immobilienanbieter seien zu mehr als 60 Prozent ebenfalls dieser Meinung.

„Um dem Interesse nach größtmöglichem Schutz persönlicher Verbindungen auf der einen Seite und dem Wunsch nach einer effizienteren Arbeitsweise der Branche auf der anderen Seite nachzukommen, haben wir vor drei Jahren unsere Online-Plattform Asset Profiler gegründet“, so Meyer. Diese trage dazu bei, durch zielgenaues Matching die Kontakte – auch die persönlichen Kontakte – zwischen Anbietern und Investoren qualitativ deutlich zu verbessern. (bk)

Foto: Shutterstock

 

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