Anzeige
11. November 2013, 09:34
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Immobilienscout24: Mietendeckel nützt vor allem Besserverdienenden

Die geplante Deckelung von Neuvertragsmieten wird dem Gros der Wohnungssuchenden wahrscheinlich nicht helfen – zu diesem Schluss kommt eine Nachfrageanalyse von Immobilienscout24.

Wohnungsmarkt

Auch bei einer geplanten Mietpreisbremse kommen die solventen Mieter zuerst zum Zug, gibt Immobilienscout24 zu bedenken.

Union und SPD haben sich bei den Koalitionsverhandlungen unter anderem auf die Möglichkeit der Deckelung von Neuvertragsmieten in engen Mietmärkten geeinigt.

Eine aktuelle Nachfrageanalyse von Immobilienscout24 zeigt, dass Wohnungsuchende in stark nachgefragten Lagen heute mit einem deutlichen Unterangebot konfrontiert sind. Für die Analyse hat Immobilienscout24 das Verhältnis von Angebot und Nachfrage im dritten Quartal 2013 in München-Lehel, Berlin-Kreuzberg und Hamburg-Altona ausgewertet.

Das Ergebnis sei alarmierend: Im Münchner Stadtteil Lehel konkurrierten im Schnitt 63 Wohnungssuchende um zehn angebotene Mietobjekte. Noch eklatanter sei das Missverhältnis im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Dort kämen auf zehn verfügbare Mietwohnungen über 130 Suchende. Spitzenreiter ist Hamburg-Altona: Dort befinden sich derzeit über 170 Wohnungssuchende im Wettbewerb um zehn am Markt verfügbare Objekte.

Nachfrageüberhang wird weiter verschärft

„Die Analyse zeigt, dass wir bereits heute massive Nachfrageüberhänge in den gefragten Lagen haben. Werden die Mieten durch staatliche Eingriffe gedeckelt, wird sich die Situation weiter verschärfen, da sich noch mehr Interessenten die Immobilie leisten können“, sagt Marc Stilke, CEO und Sprecher der Geschäftsführung bei Immobilienscout24. Gleichzeitig gebe es keine Gewähr, dass Geringverdiener von den niedrigeren Mieten profitieren. Im Gegenteil: „Die Erfahrung zeigt, dass Vermieter sich in der Regel für den solventesten Mieter entscheiden. Der Mietendeckel läuft deshalb Gefahr, dass in den gefragten Lagen letztlich nur die Mieten von Besserverdienern subventioniert werden.“

Unkalkulierbare Folgen für Wohnungsneubau  

Hinzu komme, dass die Folgen eines Markteingriffs für den privaten Wohnungsbau nicht abschätzbar seien. „Um die Märkte zu entspannen, brauchen wir in den stark nachgefragten Lagen ein deutlich größeres Angebot. Wer in dieser Situation in den Markt eingreift und Neuvertragsmieten deckelt, riskiert, dass dringend benötigte private Investitionen in den Wohnungsneubau ausbleiben“, betont Stilke.

Laut Stilke ist es richtig, dass sich die Politik der Wohnraumsituation in den angespannten Märkten annimmt. Die Deckelung von Neuvertragsmieten sei jedoch der falsche Weg: „Wir brauchen intelligente Konzepte, die in den regionalen Märkten privates Kapital in den Bau von Mietwohnungen lenken. So kann etwa trotz hoher Baukosten bei Neubauprojekten auch bezahlbarer Wohnraum entstehen, indem Mieten unterhalb der Kostenmiete durch hochpreisige Wohnungen im Objekt quersubventioniert werden. Ein Mietendeckel hingegen ist kontraproduktiv und doktert nur an den Symptomen herum.“ (bk)

Foto: Shutterstock

Anzeige
Newsletter bestellen Alle News zu Objekten, Standorten und Finanzierungen... werktags 16.30 Uhr!

1 Kommentar

  1. Ich halte die geschilderte Annahme für nicht zutreffend!
    Als Eigentümer eines Mehrfamilienwohnhauses suche ich mir die Mieter nicht nur nach dem Geldbeutel aus.
    Meine Mieter müssen auch sozial und menschlich, in die Mietergemeinschaft passen und meine Mieter müssen mir auch nicht ständig wegen auftretenden Kleinigkeiten an ihren Mieteinrichtungen, Beine machen!

    Kommentar von Armin Wagner — 13. November 2013 @ 12:21

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 11/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Biotech-Fonds – Kfz-Policen – Versicherungen für Wohneigentum – Family Offices

Ab dem 19. Oktober im Handel.

Cash.Special 2/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Herausforderungen 2018 – bAV-Reform – Elementarschadenversicherung – Digitale Geschäftsmodelle

Ab dem 24. Oktober im Handel.

Versicherungen

“Manipulative Aktivitäten der Krankenkassen”

Wegen Manipulationsvorwürfen raten Experten des Bundesversicherungsamtes zu einer Reform des Finanzausgleichs zwischen den Krankenkassen. Das geht aus einem Sondergutachten des Wissenschaftlichen Beirats hervor, das am Donnerstag in Bonn vorgestellt wurde.

mehr ...

Immobilien

Individuelle Konzepte für die Baufinanzierung

Cash. sprach mit Robert Annabrunner, Bereichsleiter Vertrieb 
Deutsche Postbank/DSL Bank, darüber, welche Anforderungen die Kunden an
 eine professionelle Baufinanzierungsberatung stellen und in welcher Weise
 die DSL Bank ihre angeschlossenen Partnervermittler unterstützt.

mehr ...

Investmentfonds

Finanzbranche befürchtet Blasenbildung an Märkten

Die Politik der Europäischen Zentralbank hat bereits zur Blasenbildung an den Finanzmärkten geführt, oder wird dies noch tun. Dessen ist sich die Finanzbranche sicher. Die Mehrheit wünscht sich den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik, hält dies jedoch gleichzeitig für unwahrscheinlich.

mehr ...

Berater

Insurtechs: Die fairsten digitalen Versicherungsmakler aus Kundensicht

Welche digitalen Versicherungsmakler werden von ihren Kunden als besonders fair wahrgenommen? Das Kölner Analysehaus Servicevalue hat gemeinsam mit Focus-Money die Kunden von 24 Anbietern befragt. Neun von ihnen erhielten die Note “sehr gut”.

mehr ...

Sachwertanlagen

BaFin erweitert KVG-Lizenz für Dr. Peters

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat der Dr. Peters Asset Finance GmbH & Co. Kapitalverwaltungsgesellschaft KG aus Dortmund zusätzlich die Zulassung für die Segmente Private Equity und Kreditfonds erteilt.

mehr ...

Recht

IDD: Umsetzung könnte in Teilen verschoben werden

Wie der AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. mitteilt, könnte sich der Umsetzungstermin von Teilen der europäischen Richtlinie Insurance Distribution Directive (IDD) verschieben. Die delegierten Rechtsakte sollen nach dem Willen des europäischen Parlaments demnach erst im Oktober 2018 in Kraft treten.

mehr ...