Anzeige
Anzeige
16. Januar 2013, 11:02
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Warum die Mietbremse in der Praxis nicht funktionieren kann

In der vergangenen Woche haben Spitzenpolitiker der SPD Pläne zur Begrenzung von Mietsteigerungen im Rahmen eines Wohn- und Stadtpolitikkonzepts vorgestellt. Die vorgesehene Mietpreisbremse ist allerdings nicht praktikabel. Die Kiefer-Kolumne. 

Immobilienscout-Kiefer in Warum die Mietbremse in der Praxis nicht funktionieren kann

Michael Kiefer, Immobilienscout24

Die SPD hat eine neue Wählerklientel für sich entdeckt: den Mieter in Groß- und Mittelstädten. Um diesen vor massiven Mietpreissteigerungen zu schützen, wurde nun ein umfangreiches Strategiepapier entwickelt. Dieses enthält neben einem allgemeinen Bekenntnis zum genossenschaftlichen Wohnungsbau auch eine Verschärfung der Möglichkeiten, Bestandsmieten zu erhöhen sowie eine Deckelung der Neuvertragsmieten an die ortsübliche Vergleichsmiete.

Doch mit dem letzten Punkt hat sich die SPD selbst einen Stolperstein in den Weg gelegt. Denn es existiert keine bundesweit flächendeckende Vergleichsmiete. Mehr noch: In den meisten Regionen Deutschlands gibt es überhaupt keinen offiziellen Mietspiegel. Eine Vergleichsmiete müsste dann teuer durch einen Gutachter ermittelt werden. Hinzu kommt, dass die Qualitäten der jeweiligen regionalen Mietspiegel, soweit überhaupt vorhanden, sehr unterschiedlich sind. Oft spiegeln sie nicht die tatsächlich vorhandene Baustruktur und das Preisniveau vor Ort wider. Wer die Datenbasis des deutschen Immobilienmarktes und die damit verfügbaren Anpassungsfaktoren kennt, weiß, dass man mit Hilfe der vorhandenen Mietspiegel mitnichten eine faire Vergleichsmiete ermitteln kann. Eine Klagewelle ist also schon vorprogrammiert.

Fakt ist: In den deutschen Metropolen und vielen Mittelstädten sind die Mieten in den letzten Jahren massiv angestiegen. Denn die Menschen wollen in der Stadt, in der Nähe ihres Arbeitsplatzes leben. Hinzu kommt ein wachsender Anteil an Single-Haushalten und eine Zunahme der durchschnittlichen Pro-Kopf-Wohnfläche. Diese massive Nachfrage trifft auf ein sehr geringes städtisches Wohnungsangebot, das seit Jahren nahezu konstant geblieben ist.

Die Politik hat diesen Trend völlig verschlafen.  Sie hat sich parteiübergreifend aus dem Wohnungsbau zurückgezogen und stattdessen lieber eigene Immobilienbestände höchstbietend verkauft. Auch verfügbares Bauland wurden meist höchstbietend versilbert, um die Haushaltskassen zu sanieren. Auf diese Weise entstehen – wenn überhaupt – nur Luxuswohnungen.

Wer als politische Partei wirklich die Situation auf den Immobilienmärkten entschärfen möchte, muss für mehr Wohnungsbau sorgen, anstatt an den Symptomen herumzudoktern. Eine offenkundig nicht zu Ende gedachte Beschränkung der Neuvermietungen ist völlig ungeeignet und sorgt lediglich dafür, dass dringend benötigte Investoren abgeschreckt werden.

Der Vorstoß der SPD, die Neuvertragsmieten zu deckeln, hat deshalb bestenfalls das Potenzial, die Situation auf den angespannten Wohnungsmärkten weiter zu verschärfen und öffnet Tür und Tor für endlose Streitereien zwischen Vermieter und Mieter. Statt eines bundesweiten Markteingriffs benötigen diese Märkte Lösungen auf kommunaler Ebene. Denn in jeder Stadt sind die Ursachen für die Wohnungsnot sowie Möglichkeiten, diese zu beheben, verschieden. Ein Vorschlag: Über das Baurecht können Kommunen durch städtebauliche Verträge in Zusammenarbeit mit Investoren bezahlbaren Wohnraum entstehen lassen – das wäre für die meist klammen Kommunen sogar kostenlos. Der Berliner Liegenschaftfonds macht es mit einem Umdenken in der Vergabepolitik vor. Künftig sollen nicht mehr die Investoren den Zuschlag erhalten, die am meisten bezahlen, sondern diejenigen, die aus städtebaulicher Sicht das beste Konzept abliefern.

Autor Michael Kiefer ist Leiter Immobilienbewertung bei ImmobilienScout24. Er ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Immobilienbewertung und Mitglied der Royal Institution of Chartered Surveyors (Rics).

Anzeige

2 Kommentare

  1. Da versucht eine abgestürzte Partei, mit populistischen Themen, neue Wählerstimmen zu generieren. Lächerlich.

    Kommentar von Stefan — 18. Januar 2013 @ 13:06

  2. Hervorragend. Lösungsvorschlag zum Thema ist ebenfalls punktgenau richtig.

    Kommentar von Joachim Selke — 18. Januar 2013 @ 10:21

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 6/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Berufsunfähigkeitsversicherung –Investitionen am Zweitmarkt –Personalplanung – Zweitmarkt

+ Heft im Heft: Cash.Special Investmentfonds

Ab dem 26. Mai im Handel erhältlich.

Cash.Special 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Best Ager – Rentenversicherungen – Riester-Rente – betriebliche Krankenversicherung


Ab dem 18. Mai im Handel erhältlich.

Versicherungen

Honorarannahmeverbot (auch) für BGH-Richter

Es soll ein Honorarannahmeverbot für Versicherungsmakler eingeführt werden, da eine Vergütung die “Unabhängigkeit eines Versicherungsmaklers suggerieren” könnte. Kann nicht auch das Gegenteil eintreten und eine sehr großzügige Honorarvergütung die Unabhängigkeit gefährden?

mehr ...

Immobilien

Bauboom geht weiter – doch Wohnungsmangel bleibt

Der Boom im deutschen Wohnungsbau hält angesichts der starken Nachfrage an. Im vergangenen Jahr wurden 277.700 Wohnungen fertig gestellt, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Allerdings liegt dies Zahl noch deutlich unter dem Bedarf.

mehr ...

Investmentfonds

Meag setzt auf Liquid Alternatives

Liquid Alternatives sind derzeit speziell im Segment Multi Asset stark nachgefragte Vermögenswerte. Die Meag hat nun einen Publikumsfonds zum Thema aufgelegt.

mehr ...

Berater

Bankenfusion: Frankfurter Volksbank und Volksbank Maingau schließen Kooperationsvertrag

Die Frankfurter Volksbank und die Vereinigte Volksbank Maingau wollen fusionieren. Hierzu haben die beiden Institute einen Kooperationsvertrag geschlossen. Der Zusammenschlusses soll noch im laufenden Jahr erfolgen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Bürgerenergie-Projekte dominieren erste Windkraft-Ausschreibung

Die Konsequenzen der aktuellen Ergebnisse der ersten Ausschreibung für Onshore-Windparks sind mehr Wettbewerb, hohe Unsicherheit und weniger Investitionsobjekte. Kommentar von Thomas Seibel, Geschäftsführer der re:cap global investors ag

mehr ...

Recht

Möblierte Wohnungen: Checkliste für Vermieter

Möblierte Wohnungen auf Zeit mieten zu können ist für Mieter und Vermieter praktisch. Auch wenn Mieter und Vermieter in der Regel Privatpersonen sind, müssen sie einige wichtige Punkte beachten. Der Immobilienverband IVD hat eine Checkliste erstellt.

mehr ...