Großteil der deutschen Mieter ist zufrieden

Derzeit dominieren Meldungen über Mietsteigerungen die Berichterstattung über den Wohnimmobilienmarkt. Einer aktuellen Studie zufolge sind jedoch 70 Prozent der Mieter in Großstädten mit ihrem aktuellen Mietniveau zufrieden – befürchten aber Verschlechterungen.

Für die Studie „Bezahlbarer Wohnraum“ im Auftrag von ImmobilienScout24 und dem GdW Bundesverband wurden 1.510 Mieter in deutschen Großstädten ab 100.000 Einwohnern befragt, wie sie selbst ihre Wohnsituation wahrnehmen.

Das Ergebnis: Wer in deutschen Großstädten zur Miete wohnt ist größtenteils zufrieden, hat aber die Befürchtung, seinen jetzigen Wohnstandard in der Rente nicht mehr halten zu können.

85 Prozent sind zufrieden

Demnach sind 85 Prozent der Mieter mit ihrer aktuellen Wohnsituation zufrieden oder sehr zufrieden. Vor allem drei Faktoren tragen maßgeblich dazu bei: Die große Mehrheit (92 Prozent) nennt die Lage der Wohnung an erster Stelle. 85 Prozent sind mit der Wohnungsgröße zufrieden und 85 Prozent mit der Zimmeranzahl.

Zudem zeigten sich mehr als 70 Prozent der Befragten mit ihrem Mietpreis zufrieden, 20 Prozent sogar sehr zufrieden. Auch wenn 73 Prozent der Mieter eine Steigerung der Betriebskosten und 43 Prozent eine Erhöhung der Kaltmiete in den letzten drei Jahren finanziell zu verkraften hatten. In angespannten Mietmärkten trifft letzteres nach Aussage der Studie sogar auf 53 Prozent der Mieter zu.

Für Unmut sorgen die Nebenkosten. Mit Höhe und Entwicklung der monatlichen Ausgaben für Heizung und Warmwasser sind knapp die Hälfte (43 Prozent) der Mieter nicht einverstanden.

„Größter Preistreiber bei den Wohnkosten sind eindeutig die Energiepreise“, so Axel Gedaschko, Präsident des GdW. „So sind die Verbraucherpreise für Gas, Heizöl und andere Haushaltsenergie seit dem Jahr 2000 um 117 Prozent gestiegen. Eine zusätzliche Belastung stellen die steigenden Strompreise dar – eine Nebenwirkung der Energiewende. Sie kletterten seit dem Jahr 2000 um 79 Prozent.“ Die Preise für die kalten Betriebskosten seien um 19 Prozent gestiegen und lägen im Rahmen der allgemeinen Inflationsrate.

Verschlechterungen befürchtet

Auch wenn die große Mehrheit der Befragten mit der gegenwärtigen Wohnsituation zufrieden ist, sind die Mieter zunehmend verunsichert. 65 Prozent erwarten im Falle eines Umzugs eine Verschlechterung ihrer Wohnsituation (in angespannten Mietmärkten: 70 Prozent). 64 Prozent gehen sogar davon aus, keine gleichwertige Wohnung zum selben Mietpreis zu bekommen (in angespannten Märkten 74 Prozent).

Immerhin 68 Prozent der Befragten erwägen zurzeit keinen Umzug (in angespannten Mietmärkten: 73 Prozent), da nach einem Umzug die Miete in jedem Fall teurer sei. Befürchtungen der Mieter gibt es auch im Hinblick auf das Rentenalter. 42 Prozent sind der Ansicht, dass sie sich eine Miete wie heute nicht mehr leisten können (in angespannten Mietmärkten: 48 Prozent).

Politik soll handeln

„Bisher gibt es keine Anzeichen für eine Verdrängung von Mietern in Randlagen oder aufs Land“, kommentiert Marc Stilke, CEO und Sprecher der Geschäftsführung bei Immobilienscout24. „Aber die öffentliche Wahrnehmung über stark steigende Mieten und entsprechende Aussagen seitens der Politik schüren die Befürchtungen der Mieter. Die Folge ist eine zunehmende Immobilität auf dem Wohnungsmarkt. Bezahlbarer Wohnraum ist dringend notwendig. Dafür muss die kommunale Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.“

Dieser Ansicht sind auch die Mieter in deutschen Großstädten. 80 Prozent von ihnen meinen, dass der Staat den sozialen Wohnungsbau stärker fördern sollte. 74 Prozent befürchten, dass die „kleinen Leute“ aus den angesagten Vierteln verdrängt werden. Über 70 Prozent vertreten die Meinung, dass Neubauwohnungen zu teuer sind und über 50 Prozent dass die Politik keine guten Rahmenbedingungen für Neubau schafft. (bk)

Foto: Shutterstock

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