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27. November 2015, 08:07
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“Geopolitische Brandherde könnten heile Welt der Immobilienfinanzierer empfindlich stören”

Professor Dr. Klaus Fleischer, Inhaber des Lehrstuhls für Finanz- und Bankwirtschaft an der Hochschule München, fasst das gegenwärtige Zinsszenario in der Baufinanzierung zusammen.

Prof -Fleischer in Geopolitische Brandherde könnten heile Welt der Immobilienfinanzierer empfindlich stören

Professor Dr. Klaus Fleischer, Hochschule München

Das derzeitige Zinsniveau für Baudarlehen bewegt sich seit Mitte des Jahres stetig leicht nach unten und liegt aktuell nur wenige Zehntelbasispunkte – je nach Zinsfestschreibungsdauer – über den historischen Nachkriegstiefständen. Der Zielkonflikt der Notenbanken in den USA und Europa dominiert die Entwicklung, die von einer gemeinsamen Sorge um ein schwaches Wachstum in China und der Weltwirtschaft und dem erneuten Schlittern Japans in eine Rezession getragen wird. Während die US-Notenbank (FED) den Ankauf von Wertpapieren beendet hat und im Begriff ist, ihre zwischenzeitlich über sieben Jahre andauernde Nullzinspolitik mit einer leichten Leitzinsanhebung zu korrigieren, hält die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrer ultralockeren Geldpolitik weiter fest.

420 Milliarden Euro an Liquidität bereits im Markt

Seit Programm-Start eines umfangreichen Kaufprogramms von europäischen Staatsbonds (QE) wurden bereits ca. 420 Milliarden Euro an Liquidität durch die monatlichen Aufkäufe der EZB in den Markt gepumpt. Geplant ist, dass das Programm bis Ende 2016 laufen soll und insgesamt ein Endvolumen in Höhe von 1,14 Billionen Euro umfassen soll. Die EZB bezweckt mit ihrer Billiggeldpolitik Investitionsanreize für Konsumenten und vor allem für Unternehmen zu setzen. Gleichfalls kämpft sie gegen die bedenklich niedrige Inflationsrate im Euroraum von aktuell 0,1 Prozent an, die Anzeichen für eine Rezessionsgefahr sein könnte und weit von ihrer gesetzten Zielmarke von zwei Prozent liegt.

Programmausweitung in Planung

In diesem Marktumfeld hat der EZB-Präsident Mario Draghi zuletzt die Erwartungen der Märkte an eine Ausweitung ihres QE-Programms gestärkt, indem er signalisierte, notfalls die Geldschleusen im Dezember über das durchschnittlich monatlich geplante Ankaufsvolumen von ca. 60 Milliarden Euro noch weiter zu öffnen. Dies signalisiert für die Kapitalmärkte ein Festhalten an niedrigen Zinsen. Die Renditen für als sicher geltende langfristige Anleihen von Bund und Ländern aber auch von Pfandbriefen, verharren folgerichtig auf niedrigem Niveau. Sie dienen den Bauzinsen als Orientierung. Ein dauerhafter Zinsanstieg für Baukredite – wie vielfach propagiert – ist somit noch nicht in Sicht, selbst bei einer kommenden US-Leitzinssatzerhöhung.

Baufinanzierung ist Ankerprodukt

Bei den Zinsfestschreibungen ist bemerkenswert, dass gerade lange Laufzeiten von 15 und mehr Jahren sehr begehrt sind und dass sich deren Konditionen in den letzten Wochen stärker abgeschwächt haben. Der Druck aus dem Angebotswettbewerb dürfte auch Folge der Negativzinsregelung für Sichteinlagen von Banken sein. Banken und vor allem Versicherungen haben erkannt, dass Baufinanzierung ein Ankerprodukt ist. Sie sind deshalb zunehmend bereit, bei den Margen besonders bei langfristigen Baugelddarlehen Abstriche in Kauf zu nehmen, um dafür ihre Liquidität für lange Zeit und risikoarm unterbringen zu können.

Allerdings könnte die heile Welt für Immobilienfinanzierer durch Aufflackern alter und Aufkommen neuer geopolitischer Brandherde empfindlich gestört werden. Tendenz: Erhalt Niedrigzinsniveau bei abflachender Zinsstrukturkurve und erhöhter Volatilität.

Foto: Klaus Fleischer

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