19. Mai 2015, 15:06
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Wohnbaufertigstellungen müssen forciert werden

Mietpreisbremse und Bestellerprinzip sind beschlossen. Den Wohnungssuchenden in Ballungszentren hilft das nicht, denn dadurch entsteht keine einzige neue Wohnung. Gastkommentar von Wulff Aengevelt, Aengevelt Immobilien

Wohnungsbau Anegevelt

“Die Realisierung von Wohnbauprojekten kann viel zu lange hinausgezögert werden.”

Umso erfreulicher sind deshalb steigende Baugenehmigungszahlen in Wachstumskernen wie zum Beispiel Düsseldorf und Berlin: In Düsseldorf stiegen die Wohnbaugenehmigungen um fast das Fünffache von 625 in 2011 auf 2.880 Wohneinheiten in 2014, allein von 2013 auf 2014 um rund ein Drittel.

In Berlin erhöhten sich die Baugenehmigungen zwischen 2009 und 2013 um das Zweieinhalbfache von 7.358 auf 19.199 Wohneinheiten, von 2013 auf 2014 betrug der Zuwachs markante 53 Prozent.

Fertigstellungen bleiben hinter den Genehmigungen zurück

Schnelle Hilfe also für Wohnungssuchende? Ein Blick auf die Fertigstellungsquoten dämpft die Freude: So stellt sich in Düsseldorf die Fertigstellungsquote für Wohnungen in Relation zu den Genehmigungen im Zeitraum 2009 bis 2013 auf gerade einmal 69 Prozent der insgesamt 6.606 genehmigten Wohnungen, im Jahr 2013 selbst waren es sogar nur 63 Prozent.

Noch drastischer ist die Situation in Berlin: Hier wurden sogar nur 60 Prozent beziehungsweise rund 24.700 Wohneinheiten der im gleichen Zeitraum genehmigten Wohnungen (40.890 Wohneinheiten) fertiggestellt, 2013 waren es lediglich 53 Prozent.

In weniger angespannten Wohnungsmärkten wie beispielsweise Leipzig werden im Vergleich dazu deutlich höhere Quoten von 87 Prozent bei 6.191 genehmigten Wohnungen erreicht, in Magdeburg sind es sogar über 100 Prozent, da hier “Genehmigungsüberhänge” abgebaut statt wie andernorts aufgebaut wurden.

Zu großzügige Gültigkeitsfristen für Baugenehmigungen

Hintergrund für die unterschiedlichen Entwicklungen sind unter anderem zu großzügige Gültigkeitsfristen für Baugenehmigungen von – je nach Bundesland – drei bis vier Jahren sowie die Möglichkeit, Genehmigungen vor Ablauf bei Bedarf und unveränderter Sach- und Rechtslage mehrfach um bundeslandabhängig jeweils ein bis drei Jahre nachverlängern zu lassen.

Dadurch kann die Realisierung von Wohnbauprojekten viel zu lange hinausgezögert werden, bis die Marktsituation aus Sicht des Bauträgers/Investors “stimmt”, und eröffnet damit ausgerechnet in den angespannten Wohnungsmärkten der Wachstumskerne Raum für Spekulationen auf zukünftig steigende Miet- und Kaufpreisniveaus.

Möglichkeiten zur Spekulation reduzieren

Hier müssen Bund, Länder und Kommunen für eine Beschleunigung sorgen und die Möglichkeiten für Spekulationen reduzieren. Beispielsweise, indem sie in den als angespannt definierten Märkten – Stichwort Mietpreisbremse – die Gültigkeit von Baugenehmigungen deutlich verkürzen und gleichzeitig die Verlängerungsoptionen ebenfalls deutlich einschränken, zum Beispiel durch Reduzierung auf eine einzige Verlängerung um ein Jahr.

Das Ergebnis wären erheblich verkürzte Gültigkeits- und damit im Realisierungsfalle schnellere Fertigstellungs- und Marktwirksamkeitszeiträume sowie steigende Realisierungsquoten.

Bei Wohnungsknappheit hilft nur eines: Nicht bremsen, sondern zügig bauen!

Dr. Wulff Aengevelt ist Geschäftsführender Gesellschafter von Aengevelt Immobilien, Düsseldorf.

Foto: Aengevelt

 

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Versicherungsombudsmann: 25 Prozent mehr Beschwerden über Gebäudeversicherungen

Die Verbraucherschlichtungsstelle Versicherungsombudsmann hat am 22. Mai 2019 ihren aktuellen Jahresbericht vorgelegt. Prof. Dr. Günter Hirsch, Ombudsmann bis März 2019, und sein Nachfolger, Dr. h. c. Wilhelm Schluckebier, informierten in Berlin über die Beschwerdetätigkeit, äußerten sich zu aktuellen verbraucherpolitischen Themen und stellten sich den Fragen der Presse.

mehr ...

Immobilien

Verbrauchertipp: Bei Immobilienverrentung auf Unterschiede zwischen Nießbrauch und Leibrente achten

Immobilienverrentung bietet unterschiedliche Formen an. Nießbrauch und Leibrente sind dabei zu unterscheiden. Während Ersteres lebenslanges Wohnrecht umfasst, umfasst Letzteres auch das Recht zur Vermietung. Was Senioren wissen sollten.

mehr ...

Investmentfonds

Baillie Gifford: Investieren ist kein Selbstzweck

Investoren achten zu sehr auf das Verhalten anderer Marktteilnehmer, wenn sie Entscheidungen treffen. Der Erfolg bemisst sich in der Branche zunehmend danach, wie gut es gelingt, sich gegenüber den Wettbewerbern einen Vorteil zu verschaffen. Wer im Ringen um den kurzfristigen Gewinn am besten davonkommt, profitiert von Bonuszahlungen und erhält die besten Karriereaussichten – ein Fehlanreiz. Kundeninteressen ist damit nicht gedient, so das Baillie Giffords Intellectual Capital Team in ihrem Gastbeitrag.

mehr ...

Berater

Personalmarketing: Digitales Marketing besitzt Nachholbedarf

Die Studie “Arbeitgeber Mittelstand: Kommunikation in Zeiten der Digitalisierung” herausgegeben von Prof. Dr. Beck von der Hochschule Koblenz, Potentialpark und TERRITORY Embrace beschäftigt sich mit Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting von mittelständischen Betrieben in Deutschland. Sie zeigt, dass mittelständische Unternehmen die Potenziale der Digitalisierung erkennen und nutzen. Jedoch haben sie im Vergleich zu Großkonzernen viel aufzuholen.

mehr ...

Sachwertanlagen

„INP Deutsche Pflege Invest“: Offener Spezial-AIF erwirbt drei weitere Pflegeimmobilien

Das Immobilienportfolio des für institutionelle Investoren konzipierten offenen Spezial-AIF „INP Deutsche Pflege Invest“ ist um drei weitere Pflegeimmobilien ergänzt worden. Die INP-Gruppe, Asset Manager des Fonds, hat die Pflegeeinrichtung „Seniorensitz am Hegen“ in Hamburg-Rahlstedt, das „Haus St. Antonius“ in Kemnath (Bayern) und die „Altstadtresidenz Wernigerode“ in Wernigerode (Sachsen-Anhalt) für den Fonds erworben.

mehr ...

Recht

Vorsicht bei vorausfahrendem Fahrschulfahrzeug

Im Straßenverkehr müssen Autofahrer den Sicherheitsabstand stets so bemessen, dass sie auch bei plötzlichem Bremsen des Vorausfahrenden halten können. Besondere Vorsicht ist angesagt, wenn ein entsprechend gekennzeichnetes Fahrschulauto vorausfährt. Hier muss man auch damit rechnen, dass es ohne erkennbaren Grund abbremst. Die Württembergische Versicherung (W&W) weist auf ein Urteil des Landgerichts Saarbrücken (13 S 104/18) hin.

mehr ...