Anzeige
7. Juni 2016, 15:26
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Kreditrichtlinie erschwert Immobilienerwerb für Ausländer in Deutschland

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie führt dazu, dass Banken die Bonität eines Kreditnehmers gründlicher prüfen müssen. Zudem enthält sie Regelungen, die es nach Aussage der Kanzlei Bottermann Khorrami für Käufer aus EU-Ländern ohne Euro fast unmöglich machen, ein Darlehen zu erhalten.

 

 

Kredit-nein-shutt 97756682-1 in Kreditrichtlinie erschwert Immobilienerwerb für Ausländer in Deutschland

Am 21. März 2016 wurde in Deutschland die europäische Wohnimmobilienkreditrichtlinie in nationales Recht umgesetzt.
Das Gesetz reguliert die Darlehensvergabe an private Wohnungskäufer deutlich stärker als in der Vergangenheit.

Große Probleme für Käufer aus EU-Ländern ohne Euro

Im Kern verpflichtet das Regelwerk Banken und Kreditinstitute zu einer gründlicheren Prüfung der Bonität privater Kreditnehmer. 

Für Darlehensnehmer aus dem EU-Ausland enthält das Gesetz nach Aussage der Kanzlei Bottermann Khorrami allerdings Bestimmungen, die es künftig sehr schwer machten, einen Kredit für einen Wohnimmobilienerwerb in Deutschland zu bekommen.

„Betroffen sind jene ausländischen Privatkäufer, die aus der EU, nicht aber aus dem Euro-Raum kommen – also beispielsweise Briten, Polen, Schweden, Tschechen und Dänen“, erläutert Uwe Bottermann, Rechtsanwalt und Partner bei der Berliner Kanzlei Bottermann Khorrami, die auf die Beratung ausländischer Käufer von deutschen Immobilien spezialisiert ist. 

Bislang hätten diese Käufer relativ problemlos bei einer deutschen Bank ein Darlehen aufnehmen können.

Banken scheuen das Risiko

Mit der Wohnimmobilienkreditrichtlinie sollen sie künftig vor Währungsschwankungen geschützt werden: Wenn sich der Wechselkurs von Kreditwährung, also Euro, und der Währung des Heimatlandes um mehr als 20 Prozent zuungunsten des Darlehensnehmers verschiebt, hat dieser einen Anspruch auf Umwandlung des Kredits in seine jeweilige Heimatwährung.

„Aus Sicht der Bank bedeutet das ein kaum kalkulierbares Risiko. Denn schließlich möchte die Bank keinen Fremdwährungskredit in ihren Büchern haben“, erklärt Bottermann. Dies hätte zur Folge, dass die Banken das Wechselkursrisiko selbst absichern müssen.

„Die Reaktion der Banken ist vorhersehbar“, so Bottermann weiter. „Sie werden einfach keine Immobilienkredite mehr an Nicht-Euro-EU-Kreditnehmer vergeben.“

Suche nach alternativen Finanzierungswegen

Investoren aus beispielsweise dem Vereinigten Königreich, Schweden, Dänemark, Tschechien oder Polen, die in Deutschland Immobilien kaufen wollen, müssten künftig nach alternativen Wegen suchen. Dies sei schwierig, denn einfach eine Fremdfinanzierung von einer Bank aus dem Heimatland aufzunehmen, sei seit der Finanzkrise nicht mehr möglich.

„Denkbar ist die Gründung einer GmbH in Deutschland, die die Immobilie erwirbt. Dies bringt zwar für Privatkäufer einen gewissen Aufwand mit sich. Aber eine solche Struktur ermöglicht die Darlehensaufnahme bei einer deutschen Bank“, erläutert Bottermann. (bk)

Foto: Shutterstock

Newsletter bestellen Alle News zu Objekten, Standorten und Finanzierungen... werktags 16.30 Uhr!

2 Kommentare

  1. Für deutsche Pendler, die im grenznahen Gebiet oder in Ballungsräumen wohnen, gibt es Banken, die eine Finanzierung begleiten. Man muss jeden Fall im Einzelnen betrachten.

    Kommentar von Siegfried Perini — 10. Oktober 2016 @ 10:22

  2. Das betrifft auch deutsche Pendler, die z.B. in der Schweiz arbeiten, und in der Heimat eine Wohnimmobilie finanzieren wollen. Die Richtlinie verhindert, dass ältere Kreditnehmer auf Kredit ihre selbstgenutzte Immobilie altersgerecht umbauen können. Sie verhindert, dass jüngere Familien selbstgenutzen Wohnraum finanzieren können. Es ist alles unfassbar! Wir hatten m.W. doch bislang keine Probleme mit der Baufinanzierung!

    Kommentar von Dr. Ursula Renner — 7. Juni 2016 @ 16:49

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 07/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Betriebsrente – Wandelanleihen – Ferienimmobilien – Family Offices

Ab dem 21. Juni im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

Schifffahrt wird sicherer – doch die Gefahr durch Cyber-Angriffe wächst

Die internationale Schifffahrt ist deutlich sicherer geworden. Im vergangenen Jahr verloren Reedereien weltweit 94 größere Schiffe mit über 100 Tonnen, geht aus einer Analyse der Allianz-Industrieversicherungstochter Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) hervor.

mehr ...

Immobilien

Städtetag hält Neubau von 400.000 Wohnung pro Jahr für nötig

Angesichts der Wohnungsnot in vielen Ballungsräumen hält der Deutsche Städtetag den Neubau von 400.000 Wohnungen im Jahr für erforderlich. 

mehr ...

Investmentfonds

Acht EU-Staaten fordern Kapitalmarktunion

Acht EU-Staaten dringen darauf, die Kapitalmarktunion zu vollenden. Vor dem EU-Austritts Großbritanniens sollten die europäischen Finanzmärkte besser integriert werden. Einige Teilnehmer wollen zudem ein Gegenwicht zu den EU-Haushaltsplänen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron bilden.

mehr ...

Berater

Scout24 kauft Finanzcheck.de

Strategische Übernahme: Scout24, Betreiber bekannter digitaler Marktplätze wie Financescout24 oder Autoscout24 übernimmt eines der relevantesten deutschen Online-Vergleichsportale für Verbraucherkredite, Finanzcheck.de. Verkäufer sind eine Investorengruppe um Acton Capital Partners, Btov Partners, Highland Europe, Harbourvest Partners sowie die Gründer von Finanzcheck. Den Kaufpreis liegt bei 285 Millionen Euro und wird bar gezahlt.

mehr ...

Sachwertanlagen

P&R: Müssen Anleger erhaltene Zahlungen erstatten?

Unter Anlegern der insolventen Gesellschaften des Container-Anbieters P&R geht die Angst um: Nicht nur ihre Investition ist in Gefahr, sondern nicht selten wird sogar behauptet, sie müssten womöglich bereits erhaltene Zahlungen rückerstatten. Wie verhält es sich damit? Ein Gastbeitrag von Rechtsanwalt Dr. Jan Schoop, GGV

mehr ...

Recht

Unerlaubte Geschäfte: Zieht Olaf Scholz die Zügel an?

Die Anzahl der Verfügungen der Finanzaufsicht BaFin wegen unerlaubter Geschäfte hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Die Gesamtzahl des Jahres 2017 wurde bereits überschritten.

mehr ...