29. November 2016, 14:05
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Stiftungen: Es zählt nicht nur die Rendite

Für Anbieter von Anlageprodukten im Immobilienmarkt stehen oft eine hohe Rendite und niedrige Verwaltungskosten im Vordergrund. Wer sich allerdings nur darauf konzentriert, wirtschaftet am Bedarf einer großen Zielgruppe vorbei. Gastbeitrag von Thomas Meyer, Wertgrund Immobilien AG

Thomas-Meyer Westgrund-AG in Stiftungen: Es zählt nicht nur die Rendite

“Für Stiftungen sind Rendite und Sicherheit zwar wichtig, aber nicht die einzigen Entscheidungskriterien.”

Eine hohe Rendite und niedrige Verwaltungskosten: Wenn es um die Konzeption von Anlageprodukten auf dem Immobilienmarkt geht, stehen diese beiden Aspekte meist im Vordergrund – zu Recht. Wer sich als Anbieter allerdings nur darauf konzentriert, wirtschaftet am Bedarf einer großen Zielgruppe vorbei.

Stiftungen achten auf das Gesamtpaket

Stiftungen legen beim Investment nicht nur auf wirtschaftliche Aspekte Wert. Für sie muss das Gesamtpaket stimmen. So zeigt eine aktuelle Studie von Maecenata und Wertgrund zum Investmentverhalten von deutschen Stiftungen: 60 Prozent haben Immobilien in ihrem Portfolio.

Bei rund 25 Prozent der Stiftungen macht das Immobilienvermögen aber lediglich ein Viertel des Gesamtvermögens oder weniger aus. Das ist zwar per se ein beachtlicher Anteil. Angesichts der wenigen lohnenswerten Alternativen auf dem Kapitalmarkt überrascht es aber, dass Stiftungen nicht noch mehr auf die relativ renditestarken und sicheren Immobilien setzen.

Reputation an erster Stelle

Der Grund für die Zurückhaltung: Für Stiftungen sind Rendite und Sicherheit zwar wichtig, aber nicht die einzigen Entscheidungskriterien.

Beim Investment geht es bei ihnen nicht nur ums Geld. Ihr Ruf steht auf dem Spiel. Der Studie zufolge ist es 74 Prozent der deutschen Stiftungen wichtig oder sehr wichtig, bei Investitionen kein Reputationsrisiko einzugehen. Für ihre Arbeit sind sie schließlich auf Spendengelder und Zustiftungen angewiesen.

Etwas mehr als ein Drittel der Stiftungen wollen mit Investments nicht nur ihren guten Ruf erhalten, sondern verfolgen aktiv gemeinnützige oder philantropische Ziele: 38 Prozent legen Wert auf sogenanntes Mission Investing. Das sind Investitionen, die Gewinn erwirtschaften und gleichzeitig einem sozialen oder umweltrelevanten Zweck dienen.

Diesen Zweck erfüllen Immobilien – auch das zeigt die Studie – für viele Stiftungen nur bedingt. So sind nur 27 Prozent der Meinung, dass sich mit Immobilien ein Mission Investment realisieren lässt.

Zugeständnisse bei der Rendite

Zwar legen die meisten Stiftungen auf eine attraktive Rendite Wert: 95 Prozent halten eine stabile Rendite für wichtig oder sehr wichtig. Viele sind dennoch bereit, Renditeabschläge zu akzeptieren, wenn ein Immobilieninvestment gemeinwohlorientiert ist. 73 Prozent machen Zugeständnisse, 23 Prozent würden auf bis zu zwei Prozentpunkte verzichten und elf Prozent auf mehr als zwei.

Neben einem guten Zweck beziehungsweise dem Schutz ihres Rufes hat die Studie niedrige Verwaltungskosten und Entscheidungsfreiheit als wichtige Kriterien identifiziert, wenn es um Anlageentscheidungen von Stiftungen geht.

Da überrascht es nicht, dass Stiftungen sich schwer damit tun, geeignete Investmentobjekte zu finden. Mehr als acht von zehn Stifungen halten es für schwierig, passende Immobilien aufzuspüren.

Hinzu kommt die Angst vor Überforderung. Mehr als 30 Prozent bejahen deutlich, dass Immobilien ein aufwendiges Management erfordern, knapp die Hälfte stimmt eher zu. Nur 16 Prozent sind der Meinung, dass sich eine Immobilie sehr gut durch eine Stiftung verwalten lässt.

Anreiz für Anbieter von Anlageimmobilien

Fazit: Stiftungen stellen besonders hohe Anforderungen an ein Immobilieninvestment und sind deutlich wählerischer als die meisten anderen Investoren. Für Anbieter von Anlageprodukten im Immobilienmarkt kann das aber ein Anreiz sein, auch einmal über den Tellerrand zu blicken – und sich bei Konzeption und Angebot nicht nur auf rein wirtschaftliche Aspekte zu konzentrieren.

Umweltaspekte oder auch soziale und demografische Faktoren etwa bei der Mieterauswahl zu berücksichtigen, kann sich nicht nur für den Anbieter auszahlen – letztlich profitiert dabei unsere gesamte Gesellschaft.

Autor Thomas Meyer ist Vorstand der Wertgrund Immobilien AG.

Foto: Wertgrund

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Digital Week by CASH.: 11 Webinare für Ihren digitalen Vertriebserfolg

Vom 28.9. bis 2.10. 2020 veranstaltet Cash. die Digital Week. In 11 Webinaren geht es um die richtige Digital-Strategie, um so die Chance für Makler und Vermittler auf mehr Umsatz zu erhöhen. Melden Sie sich an und nutzen Sie diesen Mehrwert für Ihre vertriebliche Praxis.

mehr ...

Immobilien

Immobilienpreise in Stadionnähe im Vergleich

Ab heute rollt der Ball wieder über den grünen Rasen: Die Bundesliga startet Corona-bedingt verzögert – statt wie geplant schon im August. Immoscout24 hat hierfür die Kauf- und Mietpreise der Wohnungen rund um die Fußball-Stadien von Berlin, Bremen, Hamburg und Leipzig untersucht.

mehr ...

Investmentfonds

Grün hat viele Schattierungen

Nachhaltiges Anlegen ist facettenreich. Die Spanne der Strategien reicht dabei von diversifizierten Ansätzen mit einem grünen Twist bis hin zu Strategien, die das Erreichen der Pariser Klimaziele anvisieren. Heute gibt es für annähernd jede Grünschattierung das passende Indexprodukt. Ein Beitrag von Hermann Pfeifer, Leiter Amundi ETF, Indexing & Smart Beta, Deutschland, Österreich und Osteuropa

mehr ...

Berater

Bundestag beschließt Verlängerung für Anleger-Musterverfahrensgesetz

Der Bundestag hat eine verlängerte Gültigkeit des Kapitalanleger-Musterverfahrensgesetzes zum Schutz von Aktionären und Anlegern beschlossen. Das Gesetz gilt nun bis zum 31. Dezember 2023.

mehr ...

Sachwertanlagen

Lutz Kohl wechselt in die Geschäftsführung der HKA 

Mit Wirkung vom 9. September 2020 wurde Lutz Kohl (54) zum Mitglied der Geschäftsführung der HKA Hanseatische Kapitalverwaltung GmbH berufen, der KVG der Immac. Mit seiner Bestellung wird das Führungsteam der HKA um Geschäftsführer Tim Ruttmann planmäßig erweitert.

mehr ...

Recht

Fondsbranche weist BaFin-Kritik zurück

Der deutsche Fondsverband BVI weist die Kritikder BaFin an den Fondsanbietern entschieden zurück, dass die Umsetzung der neuen Liquiditätswerkzeuge (Rücknahmegrenzen, Swing Pricing, Rücknahmefristen)bei ihnen in den Hintergrund gerückt sei, je weiter die Kursturbulenzen im März zurückliegen.

mehr ...