Studie: Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft mit zwei Geschwindigkeiten

Große Teil der Immobilienwirtschaft waren bis vor Kurzem eher zurückhaltend beim Thema Digitalisierung, so eine aktuelle Untersuchung. Mittlerweile hätten jedoch 90 Prozent das Thema auf der Agenda.

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Traditionelle Unternehmen stehen beim Thema Digitalisierung im Wettbewerb mit zahlreichen neuen Property-Tech-Unternehmen.

Hightech-Informations- und -Kommunikationstechnik ist aus vielen Branchen schon lange nicht mehr wegzudenken. Für die Immobilienwirtschaft, die jeden zehnten Arbeitsplatz hierzulande stellt, galt dies nach Aussage des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) lange nur sehr bedingt.

Zwar hätten einige Unternehmen schon früh auf Vermittlungsplattformen für Wohnungen im Netz oder auf crowdbasierte Immobilien-Investments für Kleinanleger gesetzt. Das Gros der Unternehmen blieb jedoch eher traditionellen Geschäftsmodellen treu.

Aufholprozess ist in Gang

Aber auch sie würden mittlerweile aufholen. Mittlerweile seien mobile Arbeitsgeräte beim Ablesen von Energieverbrauchsdaten oder Mieterdaten in virtuellen Datenräumen auch dort Standard.

Eine Umfrage des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, die gemeinsam mit der Unternehmensberatung Ernst & Young Real Estate (EY Real Estate) durchgeführt wurde, zeige: Nicht nur technologieorientierte Start-ups der Branche (Prop-Tech-Start-ups), sondern auch die traditionellen Immobilienunternehmen haben das Thema Digitalisierung auf der Agenda. 90 Prozent der Befragten bestätigten dies.

Big Data kann Trends aufzeigen

Dabei sehen die etablierten Vertreter und die jungen Technologieunternehmen der Immobilienwirtschaft nach Aussage des ZIA erstaunlich ähnliche Trends. Ein Beispiel: „Beide Gruppen halten Big Data und Datenstrukturierung allgemein für wichtige Zukunftsthemen“, sagt Martin Rodeck, Innovationsbeauftragter beim ZIA und Geschäftsführer der OVG Real Estate in Deutschland.

Datenstrukturierung hätten beachtliche 95 Prozent der Befragten in beiden Gruppen genannt, beim Thema Big Data seien es kaum weniger. „Ziel ist es, Rückschlüsse auf das Verhalten der jeweiligen Kunden zu schließen“, so Rodeck. „Warum klicken viele Nutzer eine bestimme Immobilie an, eine andere aber nicht?“

Die jungen Technologieunternehmen der Immobilienwirtschaft setzen bereits jetzt mehrheitlich auf Big Data (55 Prozent). „Oder aus Sicht eines klassischen Immobilienfonds: Ziehen auffällig viele ähnliche Büromieter in einen bestimmten Stadtteil oder einen bestimmten Immobilientypus wie beispielsweise sanierte Fabriketagen?“

Zwar seien Immobilienfonds und andere etablierte Unternehmen der Branche beim Thema Big Data noch zurückhaltender (42 Prozent), wollten aber aktiver werden. „Eine automatisierte Auswertung großer Datenmengen kann in vielen Fällen Trends aufzeigen, möglicherweise auch Wanderungsbewegungen innerhalb einer Stadt sichtbar machen“, erläutert Rodeck.

Unterschiedliche Bewertung von Trends

So ähnlich die Ziele der beiden Gruppen in vielen Feldern seien – nicht alle Zukunftsvisionen würden geteilt.

„Ein Großteil der Befragten geht davon aus, dass sein Kerngeschäft durch den digitalen Wandel und durch die jungen Technologie-Unternehmen nicht in Gefahr ist. Auch die Immobilienwirtschaft wird mit einer neuen Realität konfrontiert werden, clevere Outsider drohen mit neuen Businessmodellen ins angestammte Geschäft einzudringen“, kommentiert Christian Schulz-Wulkow, Leiter des Immobiliensektors in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei EY die Befragungsergebnisse.

Seite 2: Kooperationen bieten Chancen

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