„Viel zu knappes Angebot“

Über die Entwicklung am Wohnimmobilienmarkt und die Gefahr einer Immobilienblase sprach Cash. mit Jan Hebecker, Leiter Märkte und Daten bei Immobilienscout24.

 Jan Hebecker, Immobilienscout24
Jan Hebecker, Immobilienscout24: „In Städten wie München, Hamburg und Berlin kann man in gewissen Lagen durchaus Symptome für eine Blasenbildung erkennen. „

Cash.: Wie stellt sich die aktuelle Situation am deutschen Wohnimmobilienmarkt dar?

Hebecker: Momentan beobachten wir, dass die Mieten in deutschen Städten weiter steigen. Vor allem in den begehrten innerstädtischen Lagen liegen die Preise bei Wiedervermietungen fast überall über dem Mietspiegel. Denn ein großer Preistreiber ist die hohe Nachfrage, der ein viel zu knappes Angebot gegenüber steht.

Trotz hoher Mietpreise wollen Immobiliensuchende in die Metropolen – oder gar nicht erst von der City an den Stadtrand oder aufs Land ziehen. Aktuelle Eingriffe seitens der Politik, wie zum Beispiel die Mietpreisbremse, werden wohl nicht dazu führen, dass mehr Wohnraum entsteht. Aber genau das ist dringend notwendig, um die angespannte Situation in den Städten zu entzerren.

Ist es für Privatanleger, die eine Wohnung kaufen und anschließend vermieten möchten, derzeit angesichts des stark gestiegenen Preisniveaus noch ratsam, in den Metropolen zu investieren?

Grundsätzlich gilt: Je besser die Lagequalität, desto besser die Wertsicherheit für die Käufer. Sehr gute und gute Lagen vereinen die größte Nachfrage auf sich und sind daher gut vermietbar oder können wieder veräußert werden. Große Renditen lassen sich in den Metropolen aber nicht mehr erwirtschaften.

Könnte an manchen Standorten eine Immobilienblase drohen?

In Städten wie München, Hamburg und Berlin kann man in gewissen Lagen durchaus Symptome für eine Blasenbildung erkennen. Der Kaufpreis von Immobilien hat sich dort bereits von den Mietpreisen abgekoppelt und viele Investoren werden wohl allein von der Aussicht auf steigende Preise angelockt.

Solange allerdings die Nachfrage weiterhin ungebrochen hoch ist, wird sich nicht viel verändern. Allerdings sehen wir keine deutliche Zunahme der Kauffälle, sodass wir auch nicht von einem höheren Umschlag von Immobilien ausgehen, der typischerweise mit einer Blasenbildung einhergeht.

Wichtig: Die Schaffung von Wohnraum ist dort dringend notwendig, wo die Nachfrage groß ist, um die angespannte Situation auf dem Mietmarkt zu beruhigen. Dafür muss der Wohnungsneubau stärker gefördert werden, statt den Markt durch restriktive Maßnahmen zu regulieren.

Seite zwei: „Kapitalanleger müssen sehr gezielt nach einem geeigneten Standort suchen

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