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30. Januar 2018, 14:32
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“Abbau von bezahlbarem Wohnraum”

BFW und IG Bau fordern neue Konzepte, um den sozialen Wohnungsbau in Deutschland voranzutreiben. Die bisher im Sondierungspapier von Union und SPD vorgesehenen Maßnahmen würden dazu führen, dass die Zahl dieser Wohnungen weiter sinke. Dabei gebe es geeignete Instrumente zur Förderung.

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Die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland sinkt seit Jahren kontinuierlich.

Das „Weiter so“ beim Sozialen Wohnungsbau im Sondierungspapier bedeute nicht nur Stillstand, sondern Abbau von bezahlbarem Wohnraum. Jedes Jahr fallen mehr Wohnungen aus der Bindung, als neue Sozialwohnungen gebaut werden.

„Das konnte die bisherige Förderung nicht aufhalten – und das wird sich auch nicht ändern, wenn diese nun in ähnlicher Höhe zwei Jahre fortgesetzt wird“, warnten der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) Robert Feiger und Andreas Ibel, Präsident des BFW Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, heute anlässlich der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD.

Verbände: Staat verdient sogar am Bau von Sozialwohnungen

„Wie schon bei der Grunderwerbsteuer, der Grund- oder Mehrwertsteuer gilt auch beim Sozialen Wohnungsbau: Bund, Länder und Kommunen verzichten auf keine ihrer Einnahmequellen – nicht einmal bei der Wohnraumschaffung für die Bedürftigsten. Mehr noch: Der Staat gibt seine Einnahmen durch die Förderung nicht einmal vollständig zurück“, kritisierte Ibel.

In den Jahren 2020/2021 würden circa 160.000 neue Sozialmietwohnungen gebraucht, um den derzeitigen Bedarf zu decken (Quelle: Pestel Studie). Deren Bau würde allein ein Mehrwertsteueraufkommen von vier Milliarden Euro generieren, rechnete Feiger vor. Die Förderung für diesen Zeitraum solle laut Sondierungsvereinbarung insgesamt zwei Milliarden Euro betragen.

Reduzierte Mehrwertsteuer gefordert

„Die aktuelle Lage auf dem Wohnungsmarkt lässt es nicht zu, dass sich Bund und Länder im Windschatten des Neubaus ihre Kassen auch noch mit zusätzlichen Mehrwertsteuereinnahmen füllen. Deutschland muss jetzt die von der EU Kommission soeben nochmals bestätigte Möglichkeit ergreifen, niedrigere Mehrwertsteuersätze zu erheben“, forderte Feiger. Neben den Fördermitteln brauche es darüber hinaus auch einen reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Bauleistungen für den sozialen Wohnungsbau, so der IG Bau-Bundesvorsitzende.

BFW und IG Bau verweisen auf einen aktuellen Gesetzentwurf der EU-Kommission, der es den Mitgliedsstaaten künftig ermögliche, niedrigere Steuersätze festlegen zu können. Mit den neuen Regeln sollen die EU-Staaten sicherstellen, dass diese ermäßigten Steuersätze „zugunsten des Endverbrauchers“ seien und „ein Ziel von allgemeinem Interesse“ darstellen.

„Von der künftigen Bundesregierung brauchen wir radikales Neues Denken statt ,Weiter so’ – und zwar auch beim Sozialen Wohnungsbau. Mit einem niedrigeren Satz würde der soziale Wohnungsbau attraktiver für Investoren und würde den Schub bekommen, den er so dringend benötigt“, resümierte BFW-Präsident Ibel. (bk)

Foto: Shutterstock

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1 Kommentar

  1. Will man bezahlbaren Wohnraum in den Regionen schaffen, in denen das nötig ist, gibt es bessere, effizientere Möglichkeiten als staatliche Sozialwohnungen: gezielt hilft Wohngeld. Oder, wenn bei Mehrfamilienneubauten x % der Wohnfläche für reduzierte Mieten vorgesehen werden müssen – dann bitte für diese Wohnflächen mit entweder höherem Afa-Satz oder niedrigerer Mehrwertsteuer oder reduzierter Grundsteuer arbeiten lassen. Hilfreich wäre es auch bei Bestandswohnungen, den völlig außer Rand und Band geratenen Brandschutz zugunsten pragmatischer, bezahlbarer Lösungen wieder einzufangen. Oder Stichwort Bürokratisierung: Wenn bei jeder Heizungserneuerung das gesamte Haus zwangsweise energetisch durchrenoviert werden muss (anstatt nur zB die beiden effizienzmäßig relevantesten Maßnahmen zu fordern), motiviert das den klammen Eigentümer auch nicht gerade zur Nachsicht bei der Miete. Am meisten helfen viele neue Wohnungen den Mietern.

    Kommentar von Dr. Ursula Renner — 30. Januar 2018 @ 16:40

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