Auf Supermärkten könnten in Hessen 5000 neue Wohnungen entstehen

Bis zu 5000 zusätzliche Wohnungen könnten laut einer aktuellen Berechnung des Regionalverbandes Frankfurt auf Supermarktdächern im Rhein-Main-Gebiet entstehen. Den Platz auf den typischerweise einstöckigen Gebäuden solle man für den Wohnungsbau nutzen, sagte der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Montag in Wiesbaden.

Wohnungsneubau bleibt das Sorgenkind.

In den Plänen sehe er eine „Teillösung“ für neuen und bezahlbaren Wohnraum. „Supermärkte sind oft gut gelegen, sie haben häufig viel Platz obendrüber und es müssen keine neuen Flächen versiegelt werden“, sagte Al-Wazir.

„Was passiert mit der Nahversorgung?“

Das Problem: Die bestehenden Märkte ließen sich nicht einfach mit zusätzlichen Stockwerken bebauen. Die Geschäfte müssten in den meisten Fällen geschlossen und etwa zwei Jahre lang umgebaut werden, sagte der Minister. „Das ist aus mehreren Perspektiven schwierig: Was passiert mit der Nahversorgung, mit den Angestellten und mit den Betreibern?“

Die endgültige Entscheidung könne sich mitunter über Jahre ziehen, sagte Al-Wazir am Rande des „Supermarktgipfel“ – einer Konferenz mit Vertretern aus Handel, Immobilienwirtschaft und Städteplanung.

Der Geschäftsführer des Handelsverbandes Hessen, Sven Rohde, gab zu bedenken: Das oberste Gebot des Handels sei nicht die Immobilienversorgung. Daher sei es wichtig, Anreize für die Eigentümer zu schaffen, auf ihren Märkten Wohnungen zu bauen.

Konzerne müssten Immobilienverwaltung neu ausrichten

Als eine potenzielle Lösung könne man die Supermärkte vorübergehend in einem Zelt auf einer nahe gelegenen Fläche unterbringen, schlug Rohde vor. Um die Umsatzausfälle möglichst gering zu halten, sollten vorrangig solche Geschäfte umgebaut werden, die ohnehin modernisiert werden sollen, fügte Minister Al-Wazir hinzu.

Für viele Markteigentümer könne sich mit der Bebauung ein ganz neues Geschäftsfeld eröffnen, sagte die Referatsleiterin für Architektur- und Bautechnik der Bundesarchitektenkammer, Barbara Schlesinger, auf dpa-Anfrage. Allerdings müssten dann die Supermarkt-Konzerne wie Aldi und Lidl ihre Immobilienverwaltung neu ausrichten.

„Gelungene Nutzungskombination“

Die Landtagsabgeordnete Elke Barth (SPD) kritisierte, auf dem Supermarktgipfel werde „alter Wein in neuen Schläuchen“ verkauft. Sie betonte, auch ohne Gipfeltreffen verfolgten die Handelsketten ihre Bauvorhaben zusammen mit den kommunalen Baubehörden schon jetzt zielstrebig und erfolgreich.

Die wohnungsbaupolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag, Hildegard Förster-Heldmann, sprach sich dafür aus, auch an Arztpraxen, Büros oder soziale Einrichtungen zu denken. „Mit einer gelungenen Nutzungskombination kann ein Lebensmittelhändler seine Treffpunkt- und Zentrumsfunktion in einem Quartier noch besser wahrnehmen. Das schafft positive Impulse in Hessens Städten“, erklärte sie. (dpa/AFX)

 

Foto: Shutterstock

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