20. Juni 2019, 14:00
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Digitalisierung der Baufinanzierung: Das Ende der Filialbanken?

Die Hausbank, wie wir sie kennen, ist am Straucheln. Ein regionaler Bankberater und der wöchentliche Gang zum Schalter sind Relikte der Vergangenheit. Gastbeitrag von Valentin Drießen, Hausfrage.

Valentin-Driessen-Portrait in Digitalisierung der Baufinanzierung: Das Ende der Filialbanken?

Valentin Drießen, Gründer der Plattform Hausfrage.

Die Digitalisierung revolutioniert alles und jeden – unsere Finanzen sind dabei keine Ausnahme. Überweisungen werden fast nur noch online getätigt, die digitale Baufinanzierung ist der nächste Schritt. In den letzten Jahren hat sich hier eine rasante Entwicklung abgezeichnet.

Die allermeisten von uns beschäftigen sich mit der Finanzierung eines Eigenheims genau einmal im Leben. Früher bedeutete dies einen wahren Gesprächs-Marathon von Bankberater zu Bankberater. Doch heutzutage läuft das Internet den klassischen Hausbanken mehr und mehr den Rang ab.

Erwachsene Digital Natives schätzen Onlineangebote

Hier wird deutlich, worin das Problem der Filialbanken liegt: Schnell soll es gehen in unserer digitalen Welt. Die “time to credit” soll minimiert werden – ein zeitaufwendiger Gesprächstermin findet da kaum noch Platz. Stattdessen soll die Baufinanzierung vom Sofa aus geklärt werden.

Die Digitalisierung hat noch einen weiteren großen Vorteil: Dank Online-Vergleichsportalen bekommen Interessierte mit wenigen Mausklicks gleich mehrere Angebote von unterschiedlichen Kreditgebern vorgeschlagen. Der „Wie-für-mich-gemacht“-Kredit braucht keine stundenlange Beratung mehr.

Die “Digital Natives” sind erwachsen geworden. Die heutige Hauskäufer-Generation will vor allem eines: schnelle Informationen, so einfach wie möglich – und das jederzeit. Was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert. Es ist nur eine Frage der Zeit. Online-Banking ist längst Normalität geworden, warum sollte das bei der Baufinanzierung anders sein?

Vertrauen ist kein Stolperstein mehr

Die Baufinanzierung der Zukunft ist eine Generationsfrage. Die langjährige Verbundenheit mit der Filialbank um die Ecke ist bei heute nicht mehr die Normalität.

Das gesellschaftliche Vertrauen in den Online-Sektor wächst täglich. Die letzte Bastion der Filialbanken, der kompetente Bankberater, verliert an Bedeutung. In kurzer Zeit bekommt man heute die gleichen Informationen, für die man früher eine Bank nach der anderen abklappern musste. Google und Videocall machen’s möglich.

Videolegitimation und elektronischen Signatur sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Der Zeitpunkt der totalen Digitalisierung der Baufinanzierung steht vor der Tür – die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind dafür längst geschaffen. Will die Hausbank überleben, muss sie diese Entwicklung konsequenter mitgehen.

Direkter Kundenkontakt statt billigstes Angebot

Eine Online-Finanzierung ist keine Entscheidung gegen die Hausbank, sondern für die Digitalisierung. Woher das Geld kommt, ist nicht entscheidend. Im Fokus steht, wie viel Zeit der Prozess in Anspruch nimmt und wie einfach dem Kunden der Weg zur Wunschimmobilie gemacht wird.

Doch ein Problem bleibt bestehen: In der Masse der Kreditangebote auf den großen Vergleichsportalen geht die Hausbank schnell unter. Mit den günstigen Konditionen einer reinen Online-Bank kann sie gar nicht mithalten.

Das Steckenpferd der Hausbank ist der direkte Kundenkontakt. Hier wollen die Kunden auch weiterhin keine Abstriche machen. Die persönliche Beratung ist nicht tot, sie findet nur digital statt.

Der Spagat zwischen einer seriösen Beratung und einem digitalen Prozess bedeutet für die Hausbank eine Umstellung. Die Generation der kommenden Hauskäufer setzt die Maßstäbe für die Zukunft der Baufinanzierung. Wer sich nicht anpasst, wird auf der Strecke bleiben.

Autor Valentin Drießen ist Gründer der Plattform Hausfrage.

Foto: Hausfrage

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