Großprojekt in Osnabrück Opfer explodierender Baupreise

Die steigenden Immobilien- und Baupreise machen der Immobilienwirtschaft seit Monaten zu schaffen. Jetzt ist ein volumenstarkes Bauprojekt in Osnabrück geplatzt, obwohl der Investor bereits Millionen investiert hatte.

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass Investor Unibail-Rodamco-Westfield am 22. Juni 2018 den Bauantrag für ein Shopping-Center am Neumarkt in der Osnabrücker Bauverwaltung eingereicht hat. Der Zuversicht des Investors entsprach die Freude in Osnabrück darüber, dass nun der sichtlich in die Jahre gekommene, hinter der Johannisstraße liegende Bereich zwischen dem Neumarkt und der Großen Rosenstraße ein neues Gesicht erhalten würde. Die alten Gebäude würden abgerissen und endlich auch ein attraktiver Neumarkt entstehen. Die Sicherheit des Investors war so groß, dass sogar ein Datum für Baubeginn und Eröffnung genannt wurde.

Refinanzierung in Frage gestellt

Nun die Vollbremsung. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert erklärt: „In einem Telefongespräch hat mich Andreas Hohlmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Unibail-Rodamco-Westfield Germany, am Donnerstag darüber informiert, dass das geplante Shopping-Center in Osnabrück nicht realisiert werde, obwohl schon eine mittlere zweistellige Millionensumme investiert sei.“ Unter anderem seien die Baupreise in einer Weise explodiert, dass eine Refinanzierung durch die Mieten im Center nicht mehr zu erwarten sei. Damit sei das Projekt unrentabel.

„Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass der Investor, der auch Eigentümer der Grundstücke ist, von einem der wichtigsten Projekte der Stadtentwicklung abrückt“, erklärt der Oberbürgermeister. „Leider bestätigen sich mit dieser Entscheidung meine frühzeitigen Zweifel an der Realisierung des Centers, für deren Grundstücke der Rat schon vor fünf Jahren den Bebauungsplan Nr. 600 beschlossen hat. Ich war allerdings nach Abschluss des Durchführungsvertrages gehindert, meine Zweifel öffentlich zu machen, auch wenn ich dem Vertrag im Rat nicht zugestimmt habe. Tatsache ist und bleibt aber, dass wir über Grundstücke sprechen, die nicht der Stadt, sondern Unibail Rodamco-Westfield gehören. Wir müssen nun also sehr kurzfristig mit der Eigentümerin darüber sprechen, was auf und mit diesen zentralen Flächen in Osnabrück geschehen soll. Dazu wird der Rat dann auch einen neuen Bebauungsplan aufstellen müssen.“

Verständnis für die Kritiker

„Ich werde den Rat in der nächsten Sitzung über den aktuellen Stand der Dinge informieren und das weitere Verfahren darstellen“, sagt Griesert. „Festhalten müssen wir aber daran, dass wir den Neumarkt als zentralen innerstädtischen Platz seiner Bedeutung entsprechend herrichten müssen. Es ist aus heutiger Sicht umso richtiger, dass wir schon vor längerem entschieden haben, unabhängig vom Investor mit der Umgestaltung der Verkehrsflächen am Neumarkt schnellstmöglich zu beginnen.

Ich hoffe, dass Rat und Verwaltung mit dieser neuen Situation ebenso konstruktiv umgehen, wie das in den vergangenen Jahren schon geschehen ist. Ich habe sowohl Verständnis für die Kritiker, die sich nun im Recht sehen, aber auch für die Befürworter des Centers, die nun enttäuscht darüber sind, dass diese große und wichtige Investition in Osnabrück nicht realisiert wird. Nun gilt es, nach vorne zu blicken und nicht zu kritisieren. dass große Teile des Rates wohl doch zu blauäugig waren und auch der Investor sich verrechnet hat“, so Griesert. (fm)

Foto: Shutterstock

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