Immobilientransaktionen – die Grenzen der Plattformwirtschaft

Genau dieses Szenario ist jedoch unwahrscheinlich, da Anlage- und Kaufentscheidungen wesentlich komplexer sind, als beispielsweise eine Ferienwohnung für mehrere Tage zu finden. Auch tauchen deutlich mehr Fragen auf als bei Mietern auf Wohnungssuche. Investoren interessieren sich nicht nur für Energieverbrauch, Lärmschutzstandard, Zimmeraufteilung und Badewanne oder Dusche.

Probleme durch Informationslücken

Oft sind aber die Unterlagen wie Mietverträge, Gutachten und die weiteren Due-Dillience- Informationen unvollständig oder/und werfen bei der Durchsicht viele Fragen auf. Genau an dieser Stelle fehlt dann ein qualifizierter Ansprechpartner.

Inhaltliche Probleme oder Unklarheiten zum Objekt bleiben so unbeantwortet, da der Eigentümer der Immobilie den Vertrieb abgeben möchte, und ohne Makler kein Ansprechpartner verfügbar ist. Zudem
helfen die Plattformbetreiber nur bei technischen, aber selten bei inhaltlichen Fragen weiter. Ohne Ansprechpartner für diese Fragen können die scheinbaren Vorteile digitaler Plattformen schnell zu großen Nachteilen werden.

Auftraggeber sollen wenig Angriffsfläche bieten

Wäre es somit im Interesse des Verkäufers mehr Informationen in den Datenraum zu laden? Nein. Im Gegenteil: Aus Sicht der Auftraggeber sollen die Unterlagen und Informationen möglichst wenig Angriffsfläche bieten, sodass harte Fakten oft fehlen. Gutachten sind häufig unvollständig, beispielsweise weil der Gutachter keinen Zugang zu Dach oder Keller hatte.

Informationen über die letzte Mietanpassung oder den tatsächlichen Durchschnittsverbrauch von Wasser und Heizöl können genau so fehlen wie Antworten auf steuerrechtliche Fragen. In diesen Fällen stehen Investoren vor offenen Fragen, ohne Ansprechpartner. Spätestens an diesem Punkt fehlt der Investmentberater oder Makler.

Wenn Vorteile zu Nachteilen werden

Einer der größten Vorteile der Plattformen wird dann zu ihrem größten Nachteil. Sie sollen effizient und transparent sein, weil sämtliche Zwischenschnittstellen ausgeschaltet und die Informationen gesammelt an einem Punkt einsehbar sind. Gleichzeitig wird es dadurch deutlich schwieriger, die Quelle der Informationen zu finden und auftauchende Probleme zu lösen. Das ist das Gegenteil von Effizienz.

Was nicht heißt, dass die Plattformwirtschaft an sich für Immobilientransaktionen ungeeignet ist. Die Plattformbetreiber sollten sich aber an die Bedürfnisse ihrer Nutzer anpassen.

Was sie anbieten müssen, ist ein gut erreichbares Expertenteam, das auch inhaltliche Fragen zu den Objekten beantworten kann, weil es direkten Zugang zu Quelle oder Urheber aller Informationen hat. Nur dann sind Plattformen wirklich transparent und effizient.

Foto: Shutterstock

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