16. Juli 2019, 14:00
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Trendbarometer 2019: Es wird nicht so gut bleiben, wie bislang

Der deutscher Gewerbeimmobilienmarkt ist im europäischen Vergleich attraktiv. Stagnierende Margen und die Neugeschäftsentwicklung zeichnen eine leichte Eintrübung. Deshalb rücken nun zunehmend mehr B-Städte in den Fokus. Welchen Einfluss zudem die Digitalisierung besitzt. 

Trendbarometer Header 2019-1 in Trendbarometer 2019: Es wird nicht so gut bleiben, wie bislang

Rund 210 Immobilienexperten aus dem In- und Ausland haben bei der Expertenumfrage „Trendbarometer“ der Berlin Hyp „ ihre Einschätzung zu den Trends der deutschen Immobilienbranche abgegeben.

Erste Eintrübungen bei der Attraktivität des deutschen Immobilienmarkts

67% der Umfrageteilnehmer halten den Deutschen Gewerbeimmobilienmarkt im europäischen Vergleich immer noch für etwas bzw. viel attraktiver. Dies bedeutet einen Rückgang von 13% zu den Zustimmungswerten aus 2018 (80% viel und etwas attraktiver) und von 15% zu den Werten des 2. Halbjahres 2017.

Eine mögliche Ursache für diese Eintrübung könnte in der aktuell geführten Enteignungsdiskussion liegen, die insbesondere auf ausländische Investoren abschreckend wirkt.

War Deutschland immer ein Garant für freie Marktwirtschaft, so konnte man zwischenzeitlich den Eindruck gewinnen, eine Verstaatlichung großer Wohnungsbestände sei nicht nur theoretisch möglich, sondern von politischen Gruppen auch gewollt. Da ist es nicht verwunderlich, wenn Deutschland im europäischen Vergleich nicht mehr mit großem Abstand vorne liegt.

Zinsniveau weiterhin bestimmender Faktor

Mit weitem Abstand vorn als bestimmender Faktor: das Zinsniveau. Obwohl niemand mehr ernstlich von einer Leitzinserhöhung in den kommenden 12 Monaten ausgeht, ist das Zinsniveau für 24% der Umfrageteilnehmer weiterhin wichtigste Größe für den gewerblichen Immobilienmarkt.

Weitere bestimmende Faktoren sind nach Meinung der Umfrageteilnehmer Deutschland als „sicherer Hafen“ (20%), die Kaufpreisentwicklung (19%) sowie ausländische Investoren (17%).

Besonders auffällig: Demografie als einer „der“ Megatrends der vergangenen Jahre liegt mit nur 4% Zustimmung abgeschlagen auf Platz 6. Dabei haben die absehbaren demografischen Veränderungen der kommenden Jahrzehnte direkte Auswirkungen auf alle Assetklassen.

Ob Wohnen, Einzelhandel oder Logistik, die Bedürfnisse werden sich ändern. Und wer nachhaltige Objekte kaufen, finanzieren oder bauen will, muss diese so konzipieren, dass sie auch in den kommenden Jahren den Bedürfnissen gerecht werden.

Digitalisierung wird den gewerblichen Immobilienmarkt verändern

Die Digitalisierung, seit einiger Zeit auch in der Immobilienbranche beherrschendes Thema wird nach Meinung von 29% der Umfrageteilnehmer einen großen Einfluss auf den gewerblichen Immobilienmarkt ausüben.

Zweiter wichtiger Einflussfaktor mit 26% Zustimmung sind die modernen Arbeitswelten. Urbanisierung (18%), Mobilität (15%), Demografie (7%) und Konnektivität (5%) landen auf den Plätzen dahinter.

Interessantes Ergebnis: Konnektivität bildet das Schlusslicht. Dabei ist Konnektivität einer der wirkungsmächtigsten Trends unserer Zeit. Digitalisierung verändert unsere Welt, schafft neue Kommunikationswege und verändert die Gesellschaft. Um diesen Umbruch bewältigen zu können, benötigen wir neue Netzwerkkompetenzen, die Konnektivität. Ein in der Branche unterschätzter Megatrend?

Stagnation bei Margen und Neugeschäftsentwicklung

Laut 53% der Befragungsteilnehmer werden die Margen in den kommenden 24 Monaten stagnieren. 31% der Teilnehmer gehen davon aus, dass die Margen bei der Immobilienfinanzierung leicht bis stark sinken und lediglich 16% gehen von einem Anstieg aus. Doch wie risikoadäquat sind die Margen?

Sie können dies nur sein, wenn der Bedarf nach Risikovorsorge nachhaltig niedrig bleibt. Sprunghafte Änderungen der Rahmenbedingungen, sei es politisch, konjunkturell oder objektbezogen können den Bedarf nach Risikovorsorge ungeplant steigen lassen.

“Eine konservative Risikopolitik und ein wachsendes Bewusstsein für „Qualität statt Quantität“ sind Garanten für eine sichere Zukunft”, so Gero Bergmann, Vorstandsmitglied der Berlin Hyp. Ähnlich sieht es bei der Prognose für die Neugeschäftsentwicklung aus.

Nach Meinung der Experten, wird das Neugeschäft stagnieren (50%). Rund 28% der Umfrageteilnehmer gehen sogar davon aus, dass das Volumen steigen bzw. stark steigen wird. 22% gehen von einem abnehmenden Neugeschäft aus.

Nach dem Run auf die A-Städte jetzt die B-Städte im Fokus

Für 56% der Umfrageteilnehmer ist der Gewinner unter den Büro-Standorten ein ganz klarer Fall: Sie würden in B-Städten eine Büroimmobilie erwerben. Mit 37% und damit auch deutlich dahinter liegen die A-Städte. Uninteressant für Investoren in Büroimmobilien sind C-Städte (6%) und D-Städte (1%). Auf der Suche nach mehr Rendite bevorzugen Investoren die B-Städte.

Diese punkten zumeist mit renommierten Universitäten und Hochschulen und verfügen über eine wettbewerbsfähige und durchmischte Wirtschaft. Die Nähe zu großen A-Städten und eine gute Anbindung machen B-Städte noch attraktiver.

Seit nunmehr sechs Jahren veröffentlicht die Berlin Hyp die Expertenumfrage „Trendbarometer“. Immobilienfachleute aus dem In- und Ausland nehmen zu ihren Erwartungen für das kommende Immobilienjahr Stellung. Die Umfrage gibt eine Einschätzung des deutschen Immobilienmarkts im laufenden Immobilienjahr und eine Perspektive für die weitere Entwicklung.

 

Foto: BerlinHyp

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Studie zur IAA: Deutsche Twitter-Nutzer sind echte Autofans

Immer öfter beginnt die Suche nach einem fahrbaren Untersatz nicht im Autohaus, sondern auf Twitter. Hier tummeln sich Deutschlands Autofans, um sich über die neuesten Modelle zu informieren und auszutauschen. Zur Verdeutlichung: 62 Prozent der deutschen Twitter-Nutzer wollen stets über alle News der Autobranche auf dem Laufenden bleiben.

mehr ...

Immobilien

Neue Strategien fürs Energiesparen

32 Prozent der Heizungen in deutschen Kellern sind 20 Jahre oder älter. Sie verursachen höhere Heizkosten und stoßen mehr CO2 aus als moderne Geräte. Steigende Energiepreise sorgen seit Jahren für Frust bei Immobilienbesitzern. Doch der Staat unterstützt energetische Sanierungen mit Fördermitteln. Höchste Zeit, veraltete Anlagen zu ersetzen oder zu modernisieren.

mehr ...

Investmentfonds

NordLB: Finanzspritze verzögert sich – Umsetzung erst im 4. Quartal

Die Rettung der angeschlagenen Norddeutschen Landesbank (NordLB) mit einer vereinbarten Milliarden-Finanzspritze verzögert sich. Wie das Institut am Donnerstagabend in Hannover mitteilte, kann die bisher für das 3. Quartal geplante Umsetzung der Kapitalmaßnahmen erst im 4. Quartal dieses Jahres erfolgen.

mehr ...

Berater

Neuer Trend mit Potenzial: Design Thinking hilft Unternehmen, effizienter zu arbeiten

Die Entwicklung von neuen Ideen, Konzepten und Produkten gehört zu einem der schwersten Arbeitsprozesse. Auf Knopfdruck kreativ und innovativ zu sein, gelingt den wenigsten Menschen. Die Agile Coaches und Unternehmensberater des Darmstädter Unternehmens 4craft packen das Problem an der Wurzel: Für alle, egal ob Angestellten, Produktentwickler oder Führungskräfte, die in der Entwicklung neuer Produkte auf Granit beißen, bieten sie Workshops in Design Thinking an.

mehr ...

Sachwertanlagen

Speziell für Stiftungen und institutionelle Anleger: Vollregulierter Zweitmarktfonds mit günstigem Risikoprofil

Die Bremer Kapitalverwaltungsgesellschaft HTB Fondshaus bringt nach einer Reihe von Publikums-AIF erstmals einen Spezial-AIF für Stiftungen und institutionelle Anleger heraus. Neben sogenannten semiprofessionellen Anlegern können sich auch institutionelle Investoren ab einer Summe von 200.000 Euro am Spezial-AIF beteiligen.

mehr ...

Recht

Gesetzlicher Unfallschutz greift auch bei Probearbeit

Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung gilt auch an Probearbeitstagen. Das geht aus einem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) in Kassel von Dienstag hervor.

mehr ...