Zum Wohnungsbau: „Diese Zahlen drücken eines aus: Es fehlt an allen Ecken und Enden“

Die heute mitgeteilten Zahlen zum Anstieg der neu gebauten Wohnungen durch das Statistische Bundesamt (Destatis) rufen Widerspruch aus der Bau- und Immobilienbranche hervor: Zu lange Wartezeiten bei Anträgen, zu wenig Neubau insgesamt und politische Hürden lauten die seit Wochen wiederholten Vorwürfe. Was ZIA, GdW und BFW als Branchenverbände zu sagen haben.

Auch der Neubau kann die Wohnungsnot in Berlin nicht lindern.

„Keine klare politische Linie beim Wohnungsbau, zu langwierige Planungsprozesse und zu wenig Kapazitäten bei den Unternehmen. Auch die ausufernden Baukosten und die überbordende Regulierung der vergangenen Jahre sind ein erheblicher Grund dafür, dass wir hier zu langsam vorankommen. Energetische Anforderungen, kommunale Auflagen und die Grundstückspreise sind starke Kostentreiber im Wohnungsbau.“ sagt Dr. Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA).

„Die Grundstücksverknappung ist der Flaschenhals beim bezahlbaren Bauen. Dafür benötigen wir schneller und günstiger Bauland. Von den jährlich notwendigen Fertigstellungszahlen sind wir weit entfernt. Um das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, müssten jedes Jahr mindestens 375.000 Wohnungen nicht nur genehmigt, sondern auch fertiggestellt werden. Wir sind knapp 100.000 Wohnungen unter dem Niveau, das wir brauchen“, so Mattner weiter.

Senkung der Baukosten führt zu mehr Investitionstätigkeit in Bau und Sanierung 

Die Zahl der in Deutschland fertiggestellten Wohnungen reicht bei Weitem nicht aus. Im letzten Jahr wurden 285.900 Wohnungen fertiggestellt. Verglichen mit dem Ziel der Bundesregierung sind das rund 90.000 zu wenig. So zementiert Deutschland die Wohnungsknappheit in Ballungsregionen“, erklärte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW.

Hinzu kommt: Die kürzlich veröffentlichten Baugenehmigungszahlen lassen nichts Positives hoffen, sie sind im ersten Quartal 2019 sogar gesunken. Dabei ist genehmigt noch lange nicht gebaut – das deutet darauf hin, dass beim Wohnungsneubau eine Abkühlung bevorsteht. „Wir brauchen mehr Wohnungen statt ideologischer Diskussionen und immer mehr Regulierung. Nur mit mehr Wohnungsbau lässt sich die seit Jahren angespannte Situation in den Großstädten lösen“, so Gedaschko.

Einheitliche Standards sind gefordert

Die Lösungen: Das Planungs- und Baubeschleunigungsgesetz muss zügig kommen. Es muss dauerhafte steuerliche Verbesserungen für den Wohnungsbau geben. Die Branche benötigt eine aktive und vorausschauende Liegenschafts- und Bodenpolitik der Städte und Kommunen ebenso wie interkommunale Lösungen und Stadt-Umland-Kooperationen als neue Ansatzpunkte.

 

Seite 2: Wieso das Absenken der Bürokratiebarriere notwendig ist

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