Chancen in der Krise

Foto: Suzana Holtgrave
Vreni Frost

Die Coronakrise hat für uns alle Unsicherheiten mitgebracht. Vor allem finanzielle Sorgen machen vielen zu schaffen. Zahlreiche Angestellte sind in Kurzarbeit, Selbstständige bangen um Aufträge und überhaupt sieht es auf dem Konto alles andere als rosig aus. Gastbeitrag von Vreni Frost, Bloggerin und Autorin

Die Coronakrise hat für uns alle Unsicherheiten mitgebracht. Vor allem finanzielle Sorgen machen vielen zu schaffen. Zahlreiche Angestellte sind in Kurzarbeit, Selbstständige bangen um Aufträge und überhaupt sieht es auf dem Konto alles andere als rosig aus. Gastbeitrag von Vreni Frost, Bloggerin und Autorin 

Jetzt ist also ein guter Zeitpunkt, um einmal den finanziellen Status Quo zu beleuchten. Wie sieht meine aktuelle Lage aus und wie kann ich sie verbessern? Ich habe mich immer gegen ein Haushaltsbuch gesperrt – langweilig, zeitaufwändig und überhaupt durchblicke ich das auch ohne… Wirklich? In meinem neuen Podcast Summa Summarum – Finanzen verstehen” wurde ich eines Besseren belehrt.

Für die einzelnen Folgen lade ich Profis zum Gespräch, die ich dann zu den unterschiedlichsten Themen löchern darf. Als Finanz-Laie sprach ich in der ersten Folge mit zwei Finanzcoaches, die mir grundlegende Vermögensfragen beantworteten. Neben dem berühmten Notgroschen von rund drei Gehältern kamen wir auch zum Thema Haushaltsbuch. Und so führe ich nun seit Wochen eines. Ganz easy per App. Und jetzt habe ich es auch schwarz auf weiß, dass ich im Corona Shutdown etwas exzessiv in Online-Shops unterwegs war. Es ist gut, das einmal in Zahlen zu sehen, und nicht nur zu vermuten und als “ach, wird nicht so schlimm sein” abzutun.

Außerdem habe ich festgestellt, dass ich endlich die ungenutzten Streaming-Abos kündigen sollte, genauso wie den viel zu teuren Handyvertrag, den ich vor 15 Jahren abgeschlossen habe. Alles Dinge, die mir schon lange unterbewusst klar sind, die ich bis jetzt aber nicht angegangen bin. Wenn jedoch die Auflistung in meiner Haushaltsbuch-App mir das immer wieder klar auflistet, dann hilft das, endlich zur Tat zu schreiten.

Routinen überdenken

Weiterhin hilft es, sich bestehende Versicherungen anzusehen und notfalls zu wechseln. Gerade die Krankenversicherung ist zu Coronazeiten (und auch sonst) natürlich wichtig. Gesundheit ist das Wertvollste, das wir besitzen. Hier lohnt es, sich über mögliche Zusatzleistungen zu informieren. Wer keine Lust darauf hat, sich alleine durch den Papierkram zu wühlen, der kann sich einen Finanzcoach suchen, der einem viel Mühe und Last abnimmt.

Abseits der eigenen Finanzen finde ich es gerade großartig, bestehende Routinen und Gewohnheiten zu überdenken. Zeit ist wertvoll und schon immer haben mich Meetings geärgert, für die ich durch halb Deutschland getingelt bin, um danach festzustellen, dass ich das alles easy auch am Telefon hätte besprechen können. Und Hallelujah, endlich haben das auch viele andere begriffen, Skype und Co. sei Dank. Das spart nicht nur Reisekosten, sondern schenkt auch Stunden, die besser genutzt werden können.

Worauf ich auch schon lange warte, ist, dass Arbeitgeber endlich lernen, die Potentiale ihrer Mitarbeiter optimal auszuschöpfen. Ich glaube ja fest an den Vier-Stunden-Arbeitstag – wenn ich mir überlege, wie viel meine Kollegen und ich damals zu meinen Beraterzeiten in der Agentur prokrastiniert, Facebook aktualisiert, geraucht oder Kaffee gekocht haben, dann wäre ich easy in vier Stunden mit allen Aufgaben fertig geworden.

Im Jahr 2015 gab eine Firma aus Großbritannien eine Studie in Auftrag, um zu ermitteln, wie viel Zeit Arbeitnehmer an einem Acht-Stunden-Tag tatsächlich effektiv arbeiten. Befragt wurden rund 2.000 Angestellte. Das Ergebnis stützt meine These. Die Befragten arbeiteten nicht sechs, nicht vier, nein, sie arbeiteten zwei Stunden und 53 Minuten effektiv. Man wird also fürs Absitzen bezahlt. Und das ist auf Dauer unglaublich demotivierend.

Wer stolz gestresst vor mir steht und mir erzählt, was für ein Workaholic er sei und wie viele Stunden er über die Arbeitszeit hinaus im Büro verbringe, den kann ich nur mitleidig anlächeln angesichts dieser maßlosen Selbstüberschätzung und Tristesse. Viele Menschen trauen sich schlichtweg nicht, Kontrolle abzugeben. Sie lassen sich immer noch an Zeiten messen und knüpfen das fatalerweise an Erfolg. So plagen sie sich Tag für Tag weiter in ihrem Hamsterrad. Erfolg hängt jedoch nicht von einer zeitlichen Investition ab, wie viele Arbeitgeber in veralteten Strukturen noch meinen, es sei denn, du bist Pfleger, Ärztin, Supermarktbetreiber, Müllentsorger oder hast sonst irgendeinen Beruf, der an deren Menschen (in der Not) konkret hilft.

Home Office ist nichts Böses

Für alle anderen gilt: Nimm dich nicht zu ernst. Mach Pausen. Wer Ausgleich hat, füttert das Gehirn, denn nur wenn wir entspannen, können wir kreativ sein. Ideen und Konzepte entstehen dann, wenn wir Ruhe zulassen. Da musste erst Corona kommen, um Arbeitgebern endlich zu zeigen, dass Home Office nichts Böses ist, dass freiere Strukturen zu mehr Zufriedenheit führen können. Einige Unternehmen wie zum Beispiel Twitter haben angekündigt, dass die Mitarbeiter selbst entscheiden können, ob sie nach Corona weiterhin zu Hause bleiben möchten, oder ins Büro kommen. Eine weise Entscheidung.

Für die Zukunft wünsche ich uns allen finanzielle Gelassenheit, kreative Ruhepausen und weiterhin die Solidarität, die ich während der Krise erfahren durfte.

Vreni Frost ist Bloggerin, Autorin und Moderatorin aus Berlin. Ihr neues Buch “Glanz und Gloria” ist im Lübbe Verlag erschienen: www.luebbe.de/luebbe-life/buecher/lifestyle/glanz-und-gloria/id_7754054

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