10. März 2020, 11:27
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Mietendeckel: Vermieter halten Studentenwohnungen in Berlin zurück

Semesterstart ungewiss: Mietendeckel setzt Berliner Studierende und Young Professionals bei der Wohnungssuche unter Druck. Mehr zu den Hintergründen und den möglichen weiteren Auswirkungen auf den Berliner Mietmarkt von Djordy Seelmann, CEO von HousingAnywhere.

Djordy-Seelmann C HousingAnywhere in Mietendeckel: Vermieter halten Studentenwohnungen in Berlin zurück

Djordy Seelmann, HousingAnywhere

Unmittelbar nachdem der Mietendeckel in Berlin in Kraft getreten ist, sehen wir drastische Auswirkungen auf die Vergabe von Wohnungen über unsere Plattform HousingAnywhere.com. Betroffen sind in erster Linie Studierende, Young Professionals und Berufsstarter, die es nach Berlin zieht. Wir sehen auf unserer Plattform einen Anstieg der Such- und Buchungsanfragen: In den letzten Wochen betrug dieser etwa 40 Prozent. Dennoch kommt es meist nicht zu einem Mietvertrag, weil die Berliner Vermieter rund die Hälfte der Anfragen zurückweisen oder nicht reagieren. Die Vermieter begründen ihr Zögern damit, dass sie derzeit verunsichert sind und die weiteren Auswirkungen des Mietendeckels abwarten wollen – etwa, wie sich das Bundesverfassungsgericht hinsichtlich der kürzlich eingereichten Eilanträge entscheidet.

Leerstand und Verkaufsüberlegungen statt fester Bleibe für Studierende

Die aktuelle Situation ist für Studierende und Berufseinsteiger – insbesondere aus dem Ausland – äußerst kritisch, denn das neue Semester steht vor der Tür. Dafür braucht der Großteil zunächst eine befristete Wohnung, um den weiteren Aufenthalt zu organisieren. Jetzt noch nicht zu wissen, ob sie eine Bleibe im neuen Wohnort finden ist eine immense Drucksituation für jeden, der seinen Auslandsaufenthalt vorbereitet. Es könnte passieren, dass zahlreiche Interessenten entweder gar nicht kommen können oder auf sehr teure Unterkünfte wie Hotels ausweichen müssen.

Weitere Auswirkungen sind auch auf die Universitäten und Unternehmen abzusehen, die auf junge Talente aus dem In- und Ausland warten und angewiesen sind. Dabei kann niemand sagen, wann das Bundesverfassungsgericht sein Urteil fällen wird – die betroffenen Unterkünfte werden bis dahin wahrscheinlich leer stehen.

Mietendeckel könnte junge Talente von Berlin fernhalten

Es zeigt sich, dass die Kritik am Mietendeckel gerechtfertigt ist. HousingAnywhere steht international dafür, Angebot und Nachfrage bei der Vermietung zusammenzubringen. Unsere Zahlen zeigen jetzt aber deutlich, dass der Eingriff durch den Mietendeckel das Angebot in Berlin temporär verringert. Auf lange Sicht könnten die betroffenen Vermieter ihre Immobilien verkaufen, da dies rentabler für sie ist. Damit stünden sie dieser jüngeren Zielgruppen nicht mehr zur Verfügung. Mit jungen engagierten Studierenden und Young Professionals trifft es leider eine Gruppe, die für eine Start-up-Metropole besonders wichtig ist. Es ist entscheidend, mittel- und langfristige Folgen abzuwägen, bevor ein Markt reguliert wird. Die einzige Lösung für alle Betroffenen ist die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum, was sich auch positiv auf den Mietpreis auswirken wird, wie sich beispielsweise in Brüssel beobachten ließ. Mit harten Regularien, um den Mietpreis zu korrigieren, sind bereits Städte wie Stockholm und Genf gescheitert. Berlin könnte zu einer Insel werden, die wertvolles Zukunftspotenzial aussperrt – nämlich talentierte junge Menschen aus aller Welt.

Fotos: HousingAnywhere, Shutterstock

4 Kommentare

  1. Leider überhaupt nicht überraschend. Auch R2G war sich dessen bewusst, aber spielt die Rechnung: Wenn der Deckel vom Verfassungsgericht kassiert wird zeigen wir trotzdem der Bevölkerung, dass wir es probiert haben. Der Berlin Senat war, ist und bleibt eine inkompetente Katastrophe.

    Kommentar von Jonas Tilpruth — 11. März 2020 @ 10:57

  2. ich habe am Wochenende eine Wohnung vermietet, bzw. einen Mieter ausgesucht. Den übrigen Bewerbern habe ich abgesagt. Daraufhin erhielt ich von drei “Abgesagten” Geldangebote,wenn ich Ihnen die Wohnung doch noch vermieten würde. Ich bin total erschrocken,- soweit ist es, dass bereits Schmiergeld für Wohnungen gezahlt wird. Der Mietendeckel ist schlicht eine Katastrophe. Es sollten Wohnungen gebaut werden und zwar solche, die sich die Bevölkerung auch leisten können. Aber irgendwie bekommt der Berliner Senat nur leeres Gerede zustande. Ach ja, meine Wohnung die ich inzwischen vermietet habe stand länger als 3 MOnate leer, da in dieser vorher eine ältere Dame 49 Jahre lebte und diese saniert werden musste, prompt wurde ich von irgendwem aus der Nachbarschaft beim Bezirksamt angeschwärzt, dass die Wohnung zu lange leer stünde und das Bezirksamt droht mir nun mit Strafzahlungen etc. Offensichtlich fördern die neuen Gesetze des Berliner Senates auch das Denunziantentum.

    Kommentar von Sabine — 10. März 2020 @ 16:20

  3. Es war klar, dass der Mietendeckel zu solchen Konsequenzen führen würde. Von nun an sind die meisten Mietwohnungen nur noch mehr zu überhöhten Preise auf dem Schwarzmarkt zu finden. Und bei vielen Bestandsmietern wird in Zukunft eine Eigenbedarfskündigung eingereicht, da es sich finanziell einfach nicht mehr für Vermieter lohnt, die Wohnung zu vermieten.

    Kommentar von Stephan G — 10. März 2020 @ 16:03

  4. Die Einschätzung entspricht der Realität, die typischen Folgen einer staatlich verordneten Deckelung, oder auch Planwirtschaft so wie es die DDR – Regierung hervorgebracht hat. Anscheinend soll auch ein großteil der Wohnungen bezahlbar sein für Leutchen die aus der Provinz kommen um hier Party abzusolvieren. Das Ganze, wie Margot Honecker so treffend sagte, in Chile,” die Saat wird noch aufgehen ” Besser die intelligenten jungen Studierenden werden umgeleitet nach London . z. B.

    Kommentar von Hans-Joachim Kleist — 10. März 2020 @ 15:57

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