Mietendeckel: Vermieter halten Studentenwohnungen in Berlin zurück

Semesterstart ungewiss: Mietendeckel setzt Berliner Studierende und Young Professionals bei der Wohnungssuche unter Druck. Mehr zu den Hintergründen und den möglichen weiteren Auswirkungen auf den Berliner Mietmarkt von Djordy Seelmann, CEO von HousingAnywhere.

Djordy Seelmann, HousingAnywhere

Unmittelbar nachdem der Mietendeckel in Berlin in Kraft getreten ist, sehen wir drastische Auswirkungen auf die Vergabe von Wohnungen über unsere Plattform HousingAnywhere.com. Betroffen sind in erster Linie Studierende, Young Professionals und Berufsstarter, die es nach Berlin zieht. Wir sehen auf unserer Plattform einen Anstieg der Such- und Buchungsanfragen: In den letzten Wochen betrug dieser etwa 40 Prozent. Dennoch kommt es meist nicht zu einem Mietvertrag, weil die Berliner Vermieter rund die Hälfte der Anfragen zurückweisen oder nicht reagieren. Die Vermieter begründen ihr Zögern damit, dass sie derzeit verunsichert sind und die weiteren Auswirkungen des Mietendeckels abwarten wollen – etwa, wie sich das Bundesverfassungsgericht hinsichtlich der kürzlich eingereichten Eilanträge entscheidet.

Leerstand und Verkaufsüberlegungen statt fester Bleibe für Studierende

Die aktuelle Situation ist für Studierende und Berufseinsteiger – insbesondere aus dem Ausland – äußerst kritisch, denn das neue Semester steht vor der Tür. Dafür braucht der Großteil zunächst eine befristete Wohnung, um den weiteren Aufenthalt zu organisieren. Jetzt noch nicht zu wissen, ob sie eine Bleibe im neuen Wohnort finden ist eine immense Drucksituation für jeden, der seinen Auslandsaufenthalt vorbereitet. Es könnte passieren, dass zahlreiche Interessenten entweder gar nicht kommen können oder auf sehr teure Unterkünfte wie Hotels ausweichen müssen.

Weitere Auswirkungen sind auch auf die Universitäten und Unternehmen abzusehen, die auf junge Talente aus dem In- und Ausland warten und angewiesen sind. Dabei kann niemand sagen, wann das Bundesverfassungsgericht sein Urteil fällen wird – die betroffenen Unterkünfte werden bis dahin wahrscheinlich leer stehen.

Mietendeckel könnte junge Talente von Berlin fernhalten

Es zeigt sich, dass die Kritik am Mietendeckel gerechtfertigt ist. HousingAnywhere steht international dafür, Angebot und Nachfrage bei der Vermietung zusammenzubringen. Unsere Zahlen zeigen jetzt aber deutlich, dass der Eingriff durch den Mietendeckel das Angebot in Berlin temporär verringert. Auf lange Sicht könnten die betroffenen Vermieter ihre Immobilien verkaufen, da dies rentabler für sie ist. Damit stünden sie dieser jüngeren Zielgruppen nicht mehr zur Verfügung. Mit jungen engagierten Studierenden und Young Professionals trifft es leider eine Gruppe, die für eine Start-up-Metropole besonders wichtig ist. Es ist entscheidend, mittel- und langfristige Folgen abzuwägen, bevor ein Markt reguliert wird. Die einzige Lösung für alle Betroffenen ist die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum, was sich auch positiv auf den Mietpreis auswirken wird, wie sich beispielsweise in Brüssel beobachten ließ. Mit harten Regularien, um den Mietpreis zu korrigieren, sind bereits Städte wie Stockholm und Genf gescheitert. Berlin könnte zu einer Insel werden, die wertvolles Zukunftspotenzial aussperrt – nämlich talentierte junge Menschen aus aller Welt.

Fotos: HousingAnywhere, Shutterstock

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