Lotto spielen oder investieren?

Circa 53 Prozent der Deutschen spielen zumindest gelegentlich Lotto. Circa fünf Milliarden Euro kommen jedes Jahr an Lottoeinnahmen zusammen. Aber wie hoch ist eigentlich die Wahrscheinlichkeit, überhaupt etwas zu gewinnen?

Gastkommentar: Hans-Jörg Naumer, AGI

Hans-Jörg Naumer, AGI
Hans-Jörg Naumer, AGI

In 98 Prozent der Fälle gibt es Nieten, da weniger als drei richtige Zahlen getippt werden. Und der Traum vom großen Geld ist noch unwahrscheinlicher. Die Chance, sechs Richtige mit Zusatzzahl zu tippen, liegt bei rund 1:140 Millionen.

Spielt jemand Lotto, dann ist sein Erwartungswert systematisch im negativen Bereich. Nur die Hälfte aller Einnahmen wird in Form von Gewinnen ausgezahlt. Der Rest fließt vor allem an wohltätige Einrichtungen oder als Steuer an den Staat. Bei Aktien ist der Erwartungswert positiv. Von 1825 bis heute erzielte der (amerikanische) Aktienmarkt in über zwei Drittel aller Fälle positive Renditen.

Ergebnisse überzeugen

Der deutsche Aktienmarkt schaffte seit 1954 knapp acht Prozent Rendite per annum und da gingen auch Krisenjahre wie 2008 ein. Nicht zu vergessen: Beim Lotto heißt es mit jeder neuen Ziehung: neues Spiel, neues Glück, denn die Einzahlungen der Vorperiode sind erst mal weg. Und die Ergebnisse jeder weiteren Ziehung sind vollkommen unabhängig davon, wie lange der Spieler bereits tippt und was er in den Ziehungen davor angekreuzt  hat.

Lotto hat kein Gedächtnis. Beim Inves-tieren in Wertpapiere besitzt der Anleger auch nach einem starken Kursrückgang immer noch die Wertpapiere und damit die Chance, dass diese wieder an Wert gewinnen. Die Investition ist noch da, nur die Bewertung hat sich geändert. Anders als beim Lotto kann ein Anleger beim Investieren auch das Risiko nach seinem eigenen Profil steuern: Geht er lieber in wertstabilere Anlageformen mit geringeren Renditeaussichten oder lieber in chancen-, dafür aber auch risikoreichere?  Warum das Geld nicht lieber in einen Fondssparplan investieren? Wer wöchentlich sechs Kästchen zu je 0,75 Euro ausfüllt, könnte alternativ 18 Euro pro Monat in einen Sparplan einzahlen.

Über 30 Jahre wären das 6.480 Euro. Bei einer Rendite von drei Prozent kämen am Ende 10.417 Euro dabei heraus, bei einer Rendite von sieben Prozent wären es 21.058 Euro. Über den gleichen Zeitraum hätte ein Lottospieler eine Chance von 0,00669345 Prozent auf einen Sechser mit Zusatzzahl. Warum also Lotto?

Hans-Jörg Naumer schreibt als Kolumnist im Cash.-Magazin über aktuelle Themen der Kapitalmärkte. Naumer ist seit 2000 Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Allianz Global Investors KAG (AGI), Frankfurt.

Foto: AGI

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