2. November 2009, 19:56
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Staatsverschuldung – Nie war sie so wertvoll wie heute!

Die Halver-Kolumne

Schulden machen ist kein Privileg mehr nur der USA oder der anderen üblichen Verdächtigen. Mit einer Neuverschuldung von über 300 Milliarden Euro bis 2013 gesellt sich mittlerweile auch der langjährige Stabilitätsmusterschüler Deutschland zu diesem erlauchten Kreis.

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Cash.-Kolumnist Robert Halver

Für uns Deutsche, die wir den Stabilitätsgedanken ja bereits mit der Muttermilch aufgenommen haben, ist dies zwar eine schmerzliche Erfahrung. Jedoch ist die ganz einfache Frage: Was ist die Alternative?

Es gibt keine, wenn ein deflationärer Konjunkturschock verhindern werden soll, der zwangsläufig auch die soziale Ruhe gefährden würde. Der Staat ist also gezwungen, solange in die Bresche zu springen, bis die Privatwirtschaft wieder von alleine laufen kann. Heute eine zu solide Finanzpolitik würde morgen nur die Krise verschärfen und dann den Staat noch mehr finanziell fordern. Von vornherein also darf sich Deflation niemals in den Köpfen festsetzen, da sie eine kaum mehr aufzuhaltende Abwärtsspirale in Gang setzt.

Im Übrigen sollte das Thema Staatsverschuldung nicht nur durch die nationale Brille betrachtet werden. Als Euro-Mitgliedsland würde eine jetzt einseitig von Deutschland verfolgte Stabilitätspolitik nicht mehr zu jenen Erfolgen führen können, die sich zur DM-Zeit noch in einer Währungsaufwertung sowie im Vergleich zu unseren Nachbarn in niedrigeren Inflationsraten und Zinsen gezeigt hätten.

Im Gegenteil, unzureichende staatliche Stützungsaktionen zum Beispiel für Industrie und Wirtschaftsinfrastruktur führten standortpolitisch zu dramatischen Wettbewerbsnachteilen gegenüber unseren internationalen Konkurrenten. Wir müssten mit der Muffe gepufft sein, wenn wir diesen Weg als große Exportnation ernsthaft ins Auge fassten.

Damit kein falscher Zungenschlag aufkommt: Stabilität ist grundsätzlich ein hohes Gut, dass nach konjunktureller Besserung wieder strikt befolgt werden muss. Aber die Schaffung von Perspektiven hat jetzt Vorrang. Denn Sparen macht niemanden satt.

Wollen wir hoffen, dass uns die neuen Schulden auch in Form von Steuerentlastungen zugute kommen. Angesichts des früher oder später zu zahlenden Preises für die Rettung der deutschen Konjunktur wäre diese Variante eines Konjunkturprogramms zumindest ein Trostpflaster.

Robert Halver leitet die Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Mit Wertpapieranalyse und Anlagestrategien beschäftigt er sich seit Abschluss seines betriebswirtschaftlichen Studiums 1990. Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernseh- und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie durch Fachpublikationen präsent.


4 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Halver,

    Sie sagen dass, was viele nicht hören wollen! Bravo! Endlich wird Deutschland erwachsen und hat etwas zum Thema Finanzen gelernt. Es ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. – Aber Sie machen das schon! Danke.

    Kommentar von cornelia valtin-nowak — 18. November 2009 @ 04:41

  2. In bestimmten Situationen wie der aktuellen ist es sicher notwendig, dass Schulden gemacht werden, um den Abschwung abzufedern. Die Frage ist dann allerdings, für was das Geld aufgewendet wird. Ob Maßnahmen wie Abwrackprämie oder Bankenrettung da Priorität haben sollten, ist sicher zu hinterfragen. Bedauerlich ist aber vor allem, dass die Gunst der Stunde mal wieder nicht genutzt wurde, um die internationale Spekulationsströme in geregelte Bahnen zu lenken (Stichwort Börsenumsatzsteuer).

    Es ist aber leider kurzsichtig, zu meinen, man hätte den Finanz- oder auch den Autosektor selbst die Zeche für die Konsequenzen von Turbo-Kapitalismus oder das Verschlafen von Innovationen zahlen lassen können. Um das Verursacherprinzip walten zu lassen, war die Situation dann doch zu kritisch – zumindest aus der Sicht von Politikern, die wiedergewählt werden wollen. Am Ende war dann eben doch die Sicherung von Sparkonten und Arbeitsplätzen entscheidend.

    Insgesamt sind die Mechanismen jedoch wesentlicher komplexer, als es die in den Medien verbreitete Darstellung, die bösen Bonus-Banker seien an allem schuld, vermuten lässt. Letztlich wird es immer zu Übertreibungen und Blasenbildungen kommen, solange große globale Handelsungleichgewichte bestehen.

    Wichtig wäre es deshalb, wirtschaftspolitisch einen Kurs einzuschlagen, der von der Exportausrichtung wegführt und den Binnenkonsum stärkt – genau das Gegenteil also von dem, was Schwarz-Gelb macht. Den Staat zu verschulden, um Standortpolitik zu betreiben, international Marktanteile durch Reallohnzurückhaltung abzugreifen, und im Gegenzug einkommensstarke Schichten mit geringer Konsumquote weiter zu entasten, führt in die Abhängigkeit von internationalen Kapitalströmen bei gleichzeitiger Destabilisierung des globalen Finanzsystems.

    Kommentar von Kritischer Beobachter — 8. November 2009 @ 12:13

  3. Nach meiner Meinung hat die Staatsverschuldung sowohl mittel- als auch langfristig nur Nachteile. Zunächst einmal engt sie den Handlungsspielraum, durch die erhöhten Zinszahlungen, für die Politik ein. Zum anderen wurde der größte Teil für Spekulationsgewinne (Stützung der Banken) als auch Konsum (Konjunkturprogramme) ausgegeben und nur ein kleiner Teil in die Zukunft (Bildung) investiert.
    Und es gibt sehr wohl eine Alternative:
    Man hätte die Kapitalbesitzer, welche jahrelang sehr gut an den Spekulationen verdient haben, dazu verpflichten müssen, den Schaden aus eigener Tasche wieder zu richten.

    Kommentar von Gisbert — 5. November 2009 @ 11:25

  4. Also ich kann der enormen Staatsverschuldung nichts Positives abgewinnen. Viel mehr belastet es unsere und die Zukunft unser Kinder.
    Und es kann die Stabilität der Währungen zu einander gefährden. Um in der Bevölkerung mehr Aufmerksamkeit zu lenken, haben wir diese stets aktuelle Schuldenuhr programmiert. Falls ich den Link posten darf? http://www.ag-edelmetalle.de/charts/schuldenuhr/

    Kommentar von Tanja — 3. November 2009 @ 21:04

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