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22. Februar 2010, 11:35
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Vom Heilen und Verdienen

Von Dirk Müller

Unsere Gesellschaft altert merklich vor sich hin und das ist jetzt keineswegs kabarettistisch sondern sehr wörtlich gemeint. Der rapide Fortschritt in der Medizin, aber auch das Ausbleiben großflächiger kriegerischer Handlungen in den USA und Europa führen zu einer deutlich ansteigenden Lebenserwartung.

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Dirk Müller

Einfacher ausgedrückt: Es werden in Zukunft immer mehr Menschen leben, die wir heute als „betagt“ ansehen. Vor einigen hundert Jahren wären darunter bereits die 30-Jährigen gefallen. Die Lebenserwartung im römischen Reich lag bei durchschnittlich 25 Jahren, wobei natürlich eine hohe Säuglingssterblichkeit den Schnitt versaute. Dennoch erreichten im Mittelalter nur zehn Prozent der Menschen ein Alter von über 60 Jahren. Heute schaffen dies über 90 Prozent der Bevölkerung. Diese Entwicklung wird sich von Jahr zu Jahr fortsetzen.

Man geht davon aus, dass pro Jahr die statistische Lebenserwartung um drei Monate verlängert wird. Durch den medizinischen Fortschritt ist diese zusätzlich gewonnene Lebenszeit auch noch eine sehr lebenswerte, da immer mehr altersbedingte Krankheiten gelindert werden können. Ich schreibe ganz bewusst „gelindert“, denn hier ist ein fetter Hund unseres Gesundheitssystems begraben, der leider viel zu wenig Beachtung findet. Das zeigt auch das Thema „Diabetes“.

Heilung unerwünscht

Die Kosten, die Diabetespatienten in Deutschland im Jahr 2001 laut einer einmaligen Großstudie verursacht haben, lagen bei 4.420 Euro pro Person und Jahr. Und die kommen zu großen Teilen der Pharmaindustrie zu Gute. Etwa zehn Millionen Deutsche leiden nach aktuellen Schätzungen unter dieser Krankheit. Jedes Jahr wächst die Zahl der Diabetespatienten um fünf Prozent. Jeder dieser chronisch kranken Patienten verursacht diese Kosten Jahr für Jahr für Jahr, bis ans Lebensende, das nun immer weiter in der Zukunft liegt. Eine sichere und stete Milliardenquelle für die Pharmaindustrie.

Jetzt stellen wir uns vor, ein Forscher in irgendeinem Labor eines pharmazeutischen Großunternehmens würde heute Nachmittag den Durchbruch schaffen und ein Medikament erfinden, das Diabetes mit der Einnahme einer einzigen Pille heilen würde.

Was glauben Sie, wie begeistert seine Vorgesetzten wären? Eine Milliarden-Dollar-Quelle würde durch diese Erfindung zum Versiegen gebracht. Die einmalige Einnahme einer 200-Euro-Tablette würde künftige Ausgaben von 4.400 Euro mal 40 Jahre Lebenserwartung = 176.000 Euro überflüssig werden lassen. Glauben Sie, dass diese Pille auf den Markt käme?

Ich überlasse diese Antwort Ihrer Phantasie. Unser Gesundheitssystem hat den grundlegenden Fehler, dass nicht die Heilung honoriert wird. Alle Beteiligten außer dem Patienten profitieren davon, wenn die Menschen möglichst lange an dieser oder jener Krankheit leiden. Es rechnet sich um ein Vielfaches, wenn man Medikamente entwickelt, die eine Krankheit eindämmen, erträglich machen und den Patienten möglichst lange mit seiner Krankheit am Leben erhält. Die Entwicklung von endgültig heilenden Medikamenten wäre für viele Unternehmen eine wirtschaftliche Katastrophe. Vielleicht sollte hier eine weltweite Gesundheitsreform am ehesten ansetzen.

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1 Kommentar

  1. da hat er leider recht

    Kommentar von Kam — 24. Februar 2010 @ 09:04

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