Fondsmanager misstrauen Aktienmarkt

Zahlreiche Investmentstrategen haben ihre optimistische Perspektive auf den Aktienmarkt korrigiert: Fondsgesellschaften wie Barings warnen Investoren nun vor Rückschlägen und Dachfondsanbieter Smart-Invest halbiert seine Aktienquote. Nur wenige wollen Kaufgelegenheiten nutzen.

Wall street - onlinePercival Stanion, Head of Asset Allocation bei Baring Asset Management (Barings), klingt wenig optimistisch: „Die globalen Wirtschaftsdaten sind nach wie vor allseits schwach und enttäuschend. Die Fertigungsindustrie, die die globale Wirtschaft aus der Rezession geführt hat, scheint sowohl in Nordamerika wie in Europa und erschreckenderweise auch in Asien ihre Stärke eingebüßt und an Antriebskraft verloren zu haben.“ Die Schuldenprobleme kommen noch hinzu.

Stanion prognostiziert, dass die globale Konjunkturschwäche aufgrund der steigenden Lagerbestände, der von den Regierungen fortgeführten Sparprogramme und der mageren Arbeitsmarktdaten auch in den kommenden Monaten anhalten wird.

Gute Kennziffern in Europa und den USA können die Märkte vorübergehend stabilisieren, doch das Fehlen einer wirksamen Lösung für beide Probleme beeinträchtigt das Vertrauen von Unternehmen und Verbrauchern dauerhaft.

„In Europa wurden Vereinbarungen getroffen, um einen Zahlungsausfall Griechenlands vom übrigen Finanzsystem der Eurozone erfolgreich zu isolieren; es wurde jedoch kein deutlicher Schuldenerlass angeboten, der die Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen Ausfalls verringern würde. Darüber hinaus werden nur wenige Anhaltspunkte gegeben, wie man auf einen Bankenrun in Italien reagieren sollte“, sagt Percival. Immerhin: „Durch die ins Auge gefasste stärkere Flexibilität des Europäischen Finanzstabilisierungsfonds (EFSF) sorgten die Hüter der Eurozone jedoch zur Genüge dafür, dass die Investoren ihre Short-Positionen glattstellten und ihre Untergewichtungen verringerten.“ Aber: „Während diese halb ausgegorenen Vereinbarungen vermutlich zu einer vorübergehenden Verringerung der Risikoprämie in der Eurozone führen, ist ihr Vermögen, die Krise der Staatsverschuldung zu beenden, weder erwiesen noch wahrscheinlich.“

Bei der Fondsgesellschaft Smart-Invest bestimmen Computerprogramme die Auswahl der Investments und kommen zu ähnlichen Perspektiven: „In unserer momentumbasierten Zielfondsauswahl verdrängen vermehrt Anleihe- und Schwellenländeranleihefonds die Aktienfonds, so dass es bei weiter negativen Entwicklungen an den Märkten zu einer Umschichtung hin zu Rentenfonds kommen wird“, erklärt Smart-Invest-Geschäftsführer Arne Sand.

Kaufgelegenheit auf dem Rohstoffmarkt?

Ganz anders klingt die Einschätzung bei VCH Investments, zumindest was Rohstoffe und dazugehörige Aktien angeht: „Wir kaufen, wenn die Kanonen donnern“, erklärt VCH-Fondsmanager Ralf Müller-Rehbehn: „Betrachtet man aber die ökonomische Situation so rational wie möglich, bieten sich für mutige, längerfristig orientierte Anleger am Aktien- und Rohstoffmarkt derzeit hingegen ideale Einstiegschancen auf attraktiven Kursniveaus.“

Beispielsweise notiert der Stoxx-600 Basic Resources bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,5, der Stoxx-600 Oil & Gas bei 7,8 (auf Basis der 2012er Gewinne). Im Jahr 2010 lagen diese Kennzahlen noch bei 21 und 15. „Die Aktien preisen demnach einen Kollaps der ökonomischen Rahmenbedingungen ein. Solange dies nicht eintrifft, besteht insbesondere bei strukturell knappen Rohstoffen – Eisenerz, Kupfer, metallurgische Kohle und Rohöl – Preismacht bei den Rohstoff-Produzenten“, so Müller-Rehbehn. Die Entwicklung spiegele einen irrationalen Rückgang der Produktpreise von bis zu 50 Prozent wider.

Attraktive Dividenden sprechen laut Müller-Rehbehn ebenso für Commodity-Titel. Der französische Ölkonzern Total bietet bei aktueller Bewertung eine Dividendenrendite von nahezu zehn Prozent. (mr)

Foto: Shutterstock

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