Anzeige
Anzeige
2. August 2011, 11:56
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Kreditrating: Wenn die USA ihr drittes A verlieren

Auch wenn der drohende Default der USA vorerst abgewendet scheint, bleiben die wesentlichen Fragen im Schuldenstreit ungeklärt. Was würde ein Bonitätsverlust der größten Volkswirtschaft der Welt für die Anleihemärkte bedeuten?

Us-dollar-pleite-crash in Kreditrating: Wenn die USA ihr drittes A verlieren

Gastkommentar: Alessandro Bee, Bank Sarasin

Das hartnäckige Tauziehen um eine Erhöhung der Schuldenlimits in den USA zwischen US-Präsident Barack Obama und dem US-Kongress hat aufgezeigt, wie sehr die Kreditwürdigkeit der USA inzwischen angeschlagen ist. Die Ratingagentur S&P beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass die USA das höchste Kreditwürdigkeits-Rating AAA in der nächsten Zeit verlieren werden auf 50 Prozent.

Für eine Anleihe mit einer geringeren Kreditwürdigkeit verlangen Anleger in der Regel auch eine höhere Risikoprämie, also höhere Zinsen. Müssen die USA nun mit einem sprunghaften Anstieg der Zinsen rechnen, wie das bereits in Italien und Spanien zu beobachten ist? Ein solcher Zinsschock würden die USA und damit wahrscheinlich auch die globale Wirtschaft in eine Rezession führen.

Die größten Anleger in US-Staatsanleihen in den letzten zehn Jahren waren die US-Notenbank, Japan und vor allem China. Die Chinesen haben einen riesigen Exportüberschuss mit den USA, möchten aber gleichzeitig ihre Währung nur sehr langsam gegenüber dem US-Dollar aufwerten. Das bringt mit sich, dass China einen Teil seiner Export-Erlöse aus dem Handel mit den USA wieder in US-Dollar anlegen muss, ansonsten würde sich der US-Dollar stark abwerten.

Alternativen zu US-Staatsanleihen sind Mangelware

Aus diesem Grund wird ein großer Teil der chinesischen Export-Erlöse in US-Staatsanleihen investiert. Selbst wenn nun US-Staatsanleihen als weniger kreditwürdig eingestuft würden, stellen sie im Vergleich mit Unternehmensanleihen oder gar Aktien die noch immer sicherste Anlage dar. Das heißt aber gleichzeitig, dass die Chinesen, selbst wenn die USA ihr AAA-Rating verlieren, weiterhin US-Staatsanleihen kaufen werden, um den Wechselkurs stabil zu halten. Ähnliches gilt für Japan, welches auch versucht, den Yen gegenüber dem US-Dollar stabil zu halten.

Hinzu kommt, dass es schlicht keine Alternativen zu US-Staatsanleihen gibt. Der einzig vergleichbar große Markt ist der Markt für japanische Staatsanleihen – in Anbetracht der massiven Verschuldung Japans wohl keine sinnvolle Anlage. Der deutsche Staatsanleihenmarkt gilt zwar als sehr sicher, er ist aber fast sieben Mal kleiner als der US-Markt. Deutsche Staatsanleihen sind deshalb für einen solch großen Investor wie China kein adäquater Ersatz für US-Staatsanleihen.

Die großen Käufer von US-Staatsanleihen, China und Japan, müssen US-Staatsanleihen erwerben, um ihr Währungsgerüst aufrecht zu erhalten. Und selbst wenn sie ihre Währungsreserven umschichten wollten: Es fehlen ihnen schlicht die Alternativen. Das macht es für diese zwei Investoren schwierig, eine höhere Risikoprämie einzufordern oder US-Staatsanleihen gar im großen Stil zu verkaufen.

Deshalb dürfte eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA kurzfristig keinen großen Einfluss auf die US-Zinsen haben, da die Nachfrage aus Asien nicht vom AAA-Status abhängt.

Der Autor ist Ökonom bei der Schweizer Privatbank Sarasin & Cie. AG

Foto: Shutterstock

Anzeige

2 Kommentare

  1. Hallo, das A ist weg. Gibt es keine Updates. Von einer NEwsseite erwarte ich Aktualität, kein Archiv. Schönen Abend.

    Kommentar von Werner Bluming — 10. August 2011 @ 20:42

  2. […] View full post on Cash.Online: News- und Serviceportal für Finanzdienstleistungen […]

    Pingback von Wenn die USA ihr drittes A verlieren | xxl-ratgeber — 2. August 2011 @ 12:00

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 6/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Berufsunfähigkeitsversicherung –Investitionen am Zweitmarkt –Personalplanung – Zweitmarkt

+ Heft im Heft: Cash.Special Investmentfonds

Ab dem 26. Mai im Handel erhältlich.

Cash.Special 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Best Ager – Rentenversicherungen – Riester-Rente – betriebliche Krankenversicherung


Ab dem 18. Mai im Handel erhältlich.

Versicherungen

Verdi will Warnstreiks

Vor der dritten Tarifrunde für die private Versicherungsbranche hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten auch in Niedersachsen und Bremen zu Warnstreiks aufgerufen. Damit will die Gewerkschaft am Dienstag den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.

mehr ...

Immobilien

Risikomanagement bei Immobilienprojekten: Verband fordert einheitliche Standards

Der Bau-Monitoring-Verband (BMeV) fordert einheitliche nationale Standards beim Risikomanagement in der Projektfinanzierung. Dies könne einem deutlichen Anstieg der Kosten für Immobilienprojekte entgegen wirken.

mehr ...

Investmentfonds

Weitere Kürzung der Ölfördermengen spielt Putin in die Karten

Die Opec hat entschieden, ihre Kürzungen bei den Ölförderungen auszuweiten. David Donora, Leiter des Rohstoffbereiches bei Columbia Threadneedle Investments, sieht darin unter anderem einen Vorteil für das Nicht-Mitglied Russland.

mehr ...

Berater

Mehr Durchblick bei vermögensverwaltenden Fonds

Die MMD Multi Manager GmbH hat sich seit Jahren den Themen Transparenz und Vergleichbarkeit für Vermögensverwaltende (VV) Produkte verschrieben. Die MMD-Indexfamilie wird mit Hilfe des IT-Dienstleisters Cleversoft erweitert und vertieft.

mehr ...

Sachwertanlagen

Qatar und Saudi Arabien gehen bei Hapag-Lloyd an Bord

Die Reederei Hapag-Lloyd meldet den Vollzug der im Juli 2016 vereinbarten Fusion mit der arabischen Reederei UASC. Damit ändert sich auch die Aktionärsstruktur des Hamburger Traditionsunternehmens signifikant.

mehr ...

Recht

Kfz-Schadenregulierung: Vorsicht bei Verjährung

Wer Leistungen gegen einen Kfz-Haftpflichtversicherer geltend macht, sollte berücksichtigen, dass eine Verjährungsfrist von drei Jahren gilt. In einem aktuellen Urteil verlor ein Kläger vor dem Bundesgerichtshof, der sich mit der Verjährung verkalkuliert hatte.

mehr ...