Anzeige
Anzeige
13. November 2012, 11:54
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Eurokrise: „Es droht eine finanzielle Repression“

Die Eurokrise scheint sich zu einem Dauerthema zu entwickeln. Eine aktuelle Studie der OECD sieht zudem langfristig dunkle Wolken über Deutschland aufziehen. Über beide Themen sprach Cash. mit Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse Allianz Global Investors.

Eurokrise: Hans-Jörg Naumer, Allianz Global Investors

Das Gespräch führte Frank O. Milewski, Cash.

Cash.: Laut einer vergleichenden Studie der OECD soll Deutschland bis 2060 seinen Status als fünftgrößte Wirtschaftsmacht verlieren. Wie realistisch ist ein solches Szenario?

Naumer: Das ist durchaus realistisch. Nicht umsonst stehen bei uns die aufstrebenden Staaten im Allgemeinen und die BRIC-Staaten im Besonderen seit geraumer Zeit im Fokus. Dahinter steckt die Globalisierung: Die Welt ist eben nicht mehr geteilt in markt- versus planwirtschaftliche Volkswirtschaften, was zu erfolgreichen Industrie- und armen Entwicklungsländern führte.

Im Gegenteil: Die ehemaligen Planwirtschaften – und da ist China das beste Beispiel – können nun als Marktwirtschaft ihr Potenzial entfalten und holen auf. Mit Wachstumsraten, die für einen derartigen Aufholprozess typisch sind. Im Prinzip wiederholt sich dort das Wirtschaftswunder.

Cash.: Welche Möglichkeiten gibt es, diesem Verfall zu begegnen?

Naumer: Ist es ein „Verfall“, oder nicht viel mehr ein Wunder, dass Deutschland als flächenmäßig sehr kleines Land so lange eine so große Rolle spielen konnte? Jetzt können auch die anderen Länder ihre Kraft entfesseln und holen auf. So lange wir nur im Ranking, nicht aber bei der Forschung, der Qualität unserer Ausbildung, unserer Offenheit für den Welthandel und dem globalen Wettbewerb abfallen, ist daran gar nichts schlimm.

Cash.: Blicken wir auf die Gegenwart. Die Politik hat sich dafür entschieden, Griechenland “durchzufüttern”. Eine richtige Entscheidung, die sich auf Dauer fortsetzen wird?

Naumer: Gegenfrage: Was wäre der Preis gewesen es nicht zu tun? Wäre Griechenland fallen gelassen worden, wären sofort die Risikoprämien im Euroraum mit alle Folgewirkungen wieder massiv gestiegen. Dabei tut uns die Beruhigung nach dem „Draghi-Put“ sehr gut.

Wichtig ist nur: Griechenland muss so oder so seine Schulden abbauen und wettbewerbsfähiger werden. Wird es das, wenn die Troika sich nicht mehr darum kümmert?

Cash.: Wann rechnen Sie mit einem Ende der Eurokrise und mit welchem Ausgang?

Naumer: Der „Draghi-Put“ führte zu einer Stabilisierung, nicht aber zum Ende der Eurokrise. Die Ursachen müssen ja erst noch behoben werden. D.h.: Viele Euro-Staaten müssen auch an ihrer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten und ihre Schulden abbauen. Das ist ein langer Prozess.

Wir stellen uns daher schon seit geraumer Zeit auf eine „Finanzielle Repression“ ein – eine Zeit niedriger (Real-)Zinsen bei steigender Inflationsgefahr. Die Idee dahinter: Die Gläubiger der Staaten helfen beim Abbau staatlicher Schuldenberge durch ihre Bereitschaft, Minizinsen zu akzeptieren.

Cash.: Wie sollten sich Anleger derzeit und in der Post-Krisenzeit positionieren?

Naumer: In Zeiten der finanziellen Repression ist eine breite Diversifikation besonders wichtig, um eine positive reale Rendite und einen Vermögenszuwachs zu erzielen.

Da gehören Anleihen von Unternehmen oder den aufstrebenden Staaten Asiens dazu, genauso wie auch Unternehmen mit stabilem Wachstum, die beträchtliche Cashflows generieren und weniger sensibel auf die wirtschaftliche Entwicklung reagieren.

Hochwertige Dividendentitel, die ihre Ausschüttungen im Zeitablauf erhöhen, sollten ebenfalls mit zur ersten Wahl gehören.

Foto: Allianz Global Investors

Anzeige

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 6/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Berufsunfähigkeitsversicherung –Investitionen am Zweitmarkt –Personalplanung – Zweitmarkt

+ Heft im Heft: Cash.Special Investmentfonds

Ab dem 26. Mai im Handel erhältlich.

Cash.Special 1/2017

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Best Ager – Rentenversicherungen – Riester-Rente – betriebliche Krankenversicherung


Ab dem 18. Mai im Handel erhältlich.

Versicherungen

Verdi will Warnstreiks

Vor der dritten Tarifrunde für die private Versicherungsbranche hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten auch in Niedersachsen und Bremen zu Warnstreiks aufgerufen. Damit will die Gewerkschaft am Dienstag den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen.

mehr ...

Immobilien

Risikomanagement bei Immobilienprojekten: Verband fordert einheitliche Standards

Der Bau-Monitoring-Verband (BMeV) fordert einheitliche nationale Standards beim Risikomanagement in der Projektfinanzierung. Dies könne einem deutlichen Anstieg der Kosten für Immobilienprojekte entgegen wirken.

mehr ...

Investmentfonds

Weitere Kürzung der Ölfördermengen spielt Putin in die Karten

Die Opec hat entschieden, ihre Kürzungen bei den Ölförderungen auszuweiten. David Donora, Leiter des Rohstoffbereiches bei Columbia Threadneedle Investments, sieht darin unter anderem einen Vorteil für das Nicht-Mitglied Russland.

mehr ...

Berater

Mehr Durchblick bei vermögensverwaltenden Fonds

Die MMD Multi Manager GmbH hat sich seit Jahren den Themen Transparenz und Vergleichbarkeit für Vermögensverwaltende (VV) Produkte verschrieben. Die MMD-Indexfamilie wird mit Hilfe des IT-Dienstleisters Cleversoft erweitert und vertieft.

mehr ...

Sachwertanlagen

Qatar und Saudi Arabien gehen bei Hapag-Lloyd an Bord

Die Reederei Hapag-Lloyd meldet den Vollzug der im Juli 2016 vereinbarten Fusion mit der arabischen Reederei UASC. Damit ändert sich auch die Aktionärsstruktur des Hamburger Traditionsunternehmens signifikant.

mehr ...

Recht

Kfz-Schadenregulierung: Vorsicht bei Verjährung

Wer Leistungen gegen einen Kfz-Haftpflichtversicherer geltend macht, sollte berücksichtigen, dass eine Verjährungsfrist von drei Jahren gilt. In einem aktuellen Urteil verlor ein Kläger vor dem Bundesgerichtshof, der sich mit der Verjährung verkalkuliert hatte.

mehr ...