Fidelity: EM-Bonds und Inflation-Linker attraktiv

Die Fondsgesellschaft Fidelity Worldwide Investment, Kronberg im Taunus, erwartet einen durchwachsenen Anleihemarkt. Am aussichtsreichsten sind nach Einschätzung der Experten noch Titel aus den Schwellenländern und Bonds mit Inflationsausgleich.

Hongkong – Fidelity bevorzugt Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets.

Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity Worldwide Investment, erwartet, dass die Renditen von Staatsanleihen sich kaum bewegen dürften: „Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist zuletzt unter die Ein-Prozent-Marke gefallen. Dies deutet darauf hin, dass die Investoren bedingt durch zuletzt schwächere Wachstumszahlen ihre Erwartung bezüglich quantitativer Lockerungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) nach oben geschraubt haben. Sollte die EZB diesen Schritt tatsächlich gehen, dürften viele zuletzt eher zurückhaltend agierende Marktteilnehmer versuchen, rasch in die Märkte zu kommen.“

„Anleihen der Industriestaaten werden kaum steigen“

Das könnte zu einem weiteren Aufschwung von Aktien und Rentenpapieren führen. Roemhelds Hauptszenario ist das allerdings nicht: „Ich gehe davon aus, dass sich Staatsanleihen in den kommenden zwölf Monaten überwiegend seitwärts entwickeln werden. Zwar liegen die Zinsen der Staatsanleihen aus den Industrienationen leicht unter ihrem fairen Wert, doch die hohen Staatsschulden und die expansive Geldpolitik werden einen größeren Anstieg verhindern. Bei zehnjährigen US-Treasuries dürften die Renditen in den kommenden Monaten auf 3,0 bis 3,25 Prozent steigen. Im Euroraum dagegen werden die zuletzt beschlossenen Maßnahmen der zweckgebundenen Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO) die Zinsen auch bei Anleihen der Peripheriestaaten weiter niedrig halten. Ihre Risikoaufschläge gegenüber Bundesanleihen könnten sogar noch schrumpfen.“

Bei Unternehmensanleihen guter bis sehr guter Bonität erwartet Roemheld für die kommenden zwölf Monate leicht positive Renditen. Europäische Investment-Grade-Anleihen seien nach wie vor attraktiv bewertet, auch wenn sich die Risikoaufschläge eingeengt haben.

Roemheld erklärt: „Wir könnten sogar eine Fortsetzung der Rallye sehen, wenn die quantitativen Lockerungsmaßnahmen in Europa weitergehen. Im Bankensektor unterstützt der im Oktober anstehende Asset Quality Review den Anleihemarkt. Denn die Aufsichtsbehörden fördern eine anleihefreundliche Politik der Emittenten. Die meisten Banken sind gut auf den Asset Quality Review vorbereitet. Insgesamt dürften Unternehmensanleihen vom deutlichen Nachfrageüberschuss am Markt unterstützt werden.“

Bei Hochzinsanleihen gehen die Experten für die kommenden zwölf Monate von Erträgen im mittleren einstelligen Bereich aus: „Dabei dürfte die Rendite eher aus den Zinszahlungen kommen als aus Kursgewinnen. Die Ausfallrate ist in diesem Segment weltweit niedrig und dürfte es auch bleiben, da sich die Unternehmen günstig und mit überdurchschnittlich langen Anleihelaufzeiten refinanzieren können und bilanziell weiterhin überwiegend solide aufgestellt sind. Regional betrachtet könnte der US-Hochzinsmarkt negativ beeinflusst werden, denn infolge einer verstärkten Aktivität von Private-Equity-Gesellschaften und vermehrten fremdfinanzierten Übernahmen hat sich die Qualität vieler Neuemissionen verschlechtert. Europa ist in dieser Hinsicht zwölf bis 18 Monate hinterher, hier agieren die Unternehmen noch vorsichtiger.“

Emerging Markets bieten mehr

Roemhelds Empfehlung sind stattdessen Schwellenländer- und inflationsindexierte Anleihen: „Nach der Rallye bei Schwellenländeranleihen erwarte ich in den kommenden zwölf Monaten Erträge im moderaten einstelligen Bereich. Im Vergleich zu den meisten anderen Anleiheklassen, auch zum Hochzinsmarkt der Industrieländer, bieten Schwellenländeranleihen insgesamt aber ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis. Innerhalb des Emerging-Market-Segments erscheinen Firmenanleihen attraktiver als Staatstitel, vor allem weil letztere aufgrund ihrer im Durchschnitt längeren Laufzeiten stärker auf Zinsveränderungen reagieren. Gemeinsam mit Schwellenländeranleihen sind inflationsindexierte Anleihen womöglich die attraktivste Klasse im Bondsektor, da die Marktteilnehmer mittel- bis längerfristig noch von einer zu niedrigen Inflation ausgehen. Wir glauben, dass die Inflationsrate in Europa positiv bleiben wird, während sie in den USA auf 2,6 Prozent ansteigen sollte. Inflationsindexierte Papiere dürften sich auf Jahressicht deshalb besser entwickeln als normale Pendants.“ (mr)

Foto: Fidelity Worldwide Investment

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