31. Juli 2015, 13:55
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

DNB: Indien mausert sich

Ein Jahr nach den Wahlen zeigt sich Indiens Wirtschaft in erfreulichem Zustand: Die neue Regierungspolitik zeigt erste Erfolge – die Finanzmärkte haben sich belebt.

Marktkommentar: Parameswara Krishnan und Abhishek Thepade, DNB Asset Management

DNB

Doch bleiben gewichtige Baustellen, denn das Wirtschaftswachstum entwickelt sich nur zögerlich. Unter dem Strich bietet die gegenwärtige Aufbruchsstimmung jedoch neue Möglichkeiten für Investoren.

“Make in India”

Im Mai 2014 war Premierminister Narendra Modi als Hoffnungsträger für 1,2 Milliarden Inder angetreten. Der Chef der hindunationalistischen Partei BJP lancierte den Slogan “Make in India”, um mehr ausländische Investitionen ins Land zu holen, die Wirtschaft zu beleben, die heimische Industrie zu stärken und die Korruption einzudämmen.

Nach Jahren der Stagnation und einem strukturell hohen Leistungsbilanzdefizit war eine Entspannung der Lage dringend angesagt. Zudem hatten Anleger massiv Gelder aus Indien abgezogen. Eine neue, stabile Regierung galt daher als Grundlage für notwendige Reformen, eine nachhaltige Konjunkturerholung und einen guten Aktienmarkt.

Neues Vertrauen von Konsumenten und Industrie

Die Erwartungen an Modis Reformkraft waren entsprechend groß. Wie fällt das Fazit etwas mehr als 12 Monate nach dieser politischen Zäsur aus? Zunächst einmal haben sich die politischen Verhältnisse in der größten Demokratie der Welt stabilisiert. Bevölkerung und Wirtschaft haben Vertrauen in die neue Regierung gefasst. Die vor einigen Monaten lancierte Kampagne “Make in India” fördert effektiv die einheimische Industrie des Mittelstands und wirbt dank gelockerter Richtlinien und vereinfachter, digitaler Genehmigungsprozesse zahlreiche ausländische Firmen an. Das Projekt wirkt sich zudem positiv auf die Beschäftigungsrate, den Export und die Exporteinnahmen aus.

Der neue Regierungschef hat den Staatshaushalt in Form gebracht und dafür etwa die Subventionen für Diesel abgeschafft. Die staatlichen Ausgaben wurden in den vergangenen Quartalen konstant tief gehalten. Dem Staatshaushalt kommt zudem ein externer Faktor zugute: Der tiefe Ölpreis belebt vor allem in den Städten den Konsum und stützt die Industrie.

Politischer Kurswechsel

Der politische Kurswechsel wirkt sich positiv aus: Die maßgeblichen Wirtschaftszahlen deuten in Richtung Erholung. Das Wirtschaftswachstum zog im vierten Quartal des Fiskaljahrs 2014/15 auf 7,5 Prozent an – nach 6,9 Prozent im Quartal zuvor. Auch wenn man nicht von einer dramatischen Wachstumsbeschleunigung sprechen kann, so zeigt sich zumindest eine Verbesserung. Wachstumspotenziale gibt es genug. So ist etwa der Nachholbedarf bei Infrastrukturprojekten groß.

Auf den wichtigsten Routen nimmt der Verkehr im zweistelligen Prozentbereich zu. Geplant sind nun mehrere große Projekte wie etwa die 1500 Kilometer lange Autobahnstrecke Delhi-Mumbai-Industrial-Corridor oder eine Zugverbindung zwischen Mumbai und Ahmedabad. Die Regierung investiert in Straßen- und Schienenprojekte, weil hier der Multiplikator-Effekt schneller einsetzt. Unterdessen haben sich die Staatsausgaben verlangsamt und damit auch das Wachstum in der Landwirtschaft. Beides sind Faktoren, welche die Inflation in der Vergangenheit angetrieben haben, jetzt aber unter Kontrolle sind. Der Regierung ist es gelungen, ein starkes Fundament zu legen, das auf mehreren Stützen steht und für weiteres Wachstum sorgen wird.

Mit dem Wirtschaftswachstum nicht mithalten konnten die Ertragszahlen der Unternehmen im zu Ende gegangenen Fiskaljahr 2014/2015. Die Unternehmensgewinne legten um fünf bis sechs Prozent zu. Erwartet wurden zweistellige Zuwächse. Die tiefen Rohstoffpreise trugen zu dieser Entwicklung bei. Obwohl sich das Commmodity-Exposure im Index in Grenzen hält, brachen die Ergebnisse dieser Unternehmen derart stark ein, dass es das Gewinnwachstum im Index bremste.

Der schwächere Konsum auf dem Land drückte die Gewinne. Besserung ist in Sicht. In den kommenden Quartalen soll sich das Blatt wenden. Unternehmen außerhalb des Grundstoffsektors zählen dann zu den Profiteuren der niedrigeren Rohstoffpreise. Die tiefere Inflation und die Stabilisierung bei den Staatsfinanzen kommen als günstige Rahmenbedingungen noch dazu. Der Markt blickt nach vorne. Die Aussicht auf eine Verbesserung beim Gewinnwachstum sollte sich in steigenden Kursen widerspiegeln.

Privatbanken sowie Öl- und Kohleunternehmen auf dem Einkaufszettel

Angesichts des Wachstumspotenzials zahlreicher Branchen und der unternehmerischen Kultur bietet Indien für Investoren neue Opportunitäten. Der große und liquide Aktienmarkt wird immer professioneller geführt. Auf der Suche nach den besten Investments die Indien für das fokussierte Portfolio zu bieten hat, verfolgt DNB India eine Bottom-up-Strategie.

Konkret empfehlen wir, Finanzwerte zu übergewichten. Auch den Privatbanken und Finanztiteln außerhalb der Banken geben wir gute Chancen. Die indischen Öl- und Kohleunternehmen erscheinen wegen der anstehenden Reformen attraktiv.

 

Die Autoren Parameswara Krishnan und Abhishek Thepade sind das Fondsmanager-Duo des Aktienfonds DNB India.

Foto: Shutterstock

 

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Grundrente: SPD und Sozialverbände wehren sich

Der Entwurf zur Grundrente ist da. Nachdem in den vergangenen Tagen bereits die CDU auf allen Ebenen deutlich Stellung gegen die Forderungen von SPD und Sozialverbänden bezieht, melden sich diese nun zu Wort. Warum der Koalitionspartner kein Verständnis hat.

mehr ...

Immobilien

Verbrauchertipp: Bei Immobilienverrentung auf Unterschiede zwischen Nießbrauch und Leibrente achten

Immobilienverrentung bietet unterschiedliche Formen an. Nießbrauch und Leibrente sind dabei zu unterscheiden. Während Ersteres lebenslanges Wohnrecht umfasst, umfasst Letzteres auch das Recht zur Vermietung. Was Senioren wissen sollten.

mehr ...

Investmentfonds

Baillie Gifford: Investieren ist kein Selbstzweck

Investoren achten zu sehr auf das Verhalten anderer Marktteilnehmer, wenn sie Entscheidungen treffen. Der Erfolg bemisst sich in der Branche zunehmend danach, wie gut es gelingt, sich gegenüber den Wettbewerbern einen Vorteil zu verschaffen. Wer im Ringen um den kurzfristigen Gewinn am besten davonkommt, profitiert von Bonuszahlungen und erhält die besten Karriereaussichten – ein Fehlanreiz. Kundeninteressen ist damit nicht gedient, so das Baillie Giffords Intellectual Capital Team in ihrem Gastbeitrag.

mehr ...

Berater

Personalmarketing: Digitales Marketing besitzt Nachholbedarf

Die Studie “Arbeitgeber Mittelstand: Kommunikation in Zeiten der Digitalisierung” herausgegeben von Prof. Dr. Beck von der Hochschule Koblenz, Potentialpark und TERRITORY Embrace beschäftigt sich mit Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting von mittelständischen Betrieben in Deutschland. Sie zeigt, dass mittelständische Unternehmen die Potenziale der Digitalisierung erkennen und nutzen. Jedoch haben sie im Vergleich zu Großkonzernen viel aufzuholen.

mehr ...

Sachwertanlagen

„INP Deutsche Pflege Invest“: Offener Spezial-AIF erwirbt drei weitere Pflegeimmobilien

Das Immobilienportfolio des für institutionelle Investoren konzipierten offenen Spezial-AIF „INP Deutsche Pflege Invest“ ist um drei weitere Pflegeimmobilien ergänzt worden. Die INP-Gruppe, Asset Manager des Fonds, hat die Pflegeeinrichtung „Seniorensitz am Hegen“ in Hamburg-Rahlstedt, das „Haus St. Antonius“ in Kemnath (Bayern) und die „Altstadtresidenz Wernigerode“ in Wernigerode (Sachsen-Anhalt) für den Fonds erworben.

mehr ...

Recht

Vorsicht bei vorausfahrendem Fahrschulfahrzeug

Im Straßenverkehr müssen Autofahrer den Sicherheitsabstand stets so bemessen, dass sie auch bei plötzlichem Bremsen des Vorausfahrenden halten können. Besondere Vorsicht ist angesagt, wenn ein entsprechend gekennzeichnetes Fahrschulauto vorausfährt. Hier muss man auch damit rechnen, dass es ohne erkennbaren Grund abbremst. Die Württembergische Versicherung (W&W) weist auf ein Urteil des Landgerichts Saarbrücken (13 S 104/18) hin.

mehr ...