12. Oktober 2016, 08:30
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Beim Pfund könnte sich der Sinkflug fortsetzen

Rekordtief trotz steigender Zinsen

Normalerweise korrelieren die kurzfristigen Zinsunterschiede und das britische Pfund relativ eng miteinander. Die Kritik an der britischen Geldpolitik führte hingegen zu einer gegenteiligen Entwicklung. Während die britischen Zinsen zugelegt haben, ist das Pfund auf ein neues Rekordtief gefallen. Das britische Pfund ist weniger abhängig von den Zinsentwicklungen als von den politischen Risiken. Diese dürften auch in Zukunft hoch bleiben und dem britischen Pfund heftigen Gegenwind bescheren. Die von Theresa May skizzierten politischen Pläne bergen hohe wirtschaftliche Risiken für das Vereinigte Königreich. Wir sind daher sehr skeptisch, dass sich die britischen Vorlaufindikatoren auf den hohen Niveaus bleiben. Die politischen Unsicherheiten werden insbesondere für längerfristige Investitionsentscheide schädlich sein, wie in der aktuellen Umfrage des British Chambers of Commerce angezeigt wird. Dies wird an den Finanzmärkten zu großer Ernüchterung bezüglich der britischen Konjunktur führen. Zudem bleibt Großbritannien mit einem Leistungsbilanzdefizit von rund sechs Prozent stark von den Finanzierungszuflüssen aus dem Ausland abhängig. Ein Versiegen dieser Zuflüsse stellt angesichts der politischen Entwicklungen in Großbritannien ein beachtliches Risiko dar.

Ein häufiger Einwand gegen eine weitere Abwertung des britischen Pfundes ist die tiefe Bewertung des Pfundes. Stützt man sich auf den Berechnungen des Internationalen Währungsfond (IMF), welche auf den makroökonomischen Gleichgewichten basieren, scheint das britische Pfund inzwischen leicht unterbewertet zu sein. Gemäß diesen Berechnungen vom Sommer 2016, dürfte eine Abwertung des Pfundes von minus acht Prozent genügen, um das hohe britische Leistungsbilanzdefizit auf ein gleichgewichtiges Niveau zu reduzieren. Die Abwertung des Pfundes von rund zehn Prozent seit dem Brexit-Referendum wird jedoch kaum ausreichen. In den aktuellsten Statistiken ist keine Verbesserung der Leistungsbilanz zu erkennen. Die bisherigen IMF-Berechnungen dürften die nötige Währungsabwertung klar unterschätzen. Auch die negative Stimmung gegenüber dem Pfund sehen wir nicht als Auslöser für eine Kurserholung des Pfundes. Die aktuellsten spekulativen Netto-Positionen an der Chicago Mercantile Exchange zeigen, dass die Netto-Short-Positionen im Pfund sogar reduziert worden sind. Das Pfund bietet damit bei den heutigen tieferen Niveaus noch keine attraktive Einstiegschance. Wir erwarten eher eine weitere Abwertung der britischen Valuta. Ursina Kubli ist Ökonomin der Bank J. Safra Sarasin AG, Basel

Foto: Bank J. Safra Sarasin AG

 

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